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Norddeutsche Neueste Nachrichten

29. September 2016 | 07:02 Uhr

SEGLER IN GEFAHR : Traditionsschiffe unter Druck

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Nach Streit um Sicherheitsvorschriften steht eine dauerhafte Lösung noch immer aus. Hanse Sail könnte Leidtragende sein

Gehen der Hanse Sail die Besuchermagneten aus? Die „Santa Barbara Anna“ ist der letzte Großsegler unter deutscher Flagge mit Heimathafen Rostock. Traditionsschiffe wie sie gibt es nach Angaben des Dachverbands Gemeinsame Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW) nur noch 100 bis 110 in Deutschland – es waren mal 200.

„Die Traditionsschifffahrt darf nicht sterben“, sagt Gerd Simonn, Kapitän der „Santa Barbara Anna“. Genau das drohte ihr 2013 durch eine verschärfte Sicherheitsrichtlinie des Bundesverkehrsministeriums. Deren Auflagen hätte kaum ein Traditionsschiff erfüllen können. Betroffene wie die Crews der „Lovis“, „Jachara“ und „Ethel von Brixham“ starteten eine Petition. Sie sammelten mehr als 15 300 Unterschriften für den Erhalt der Traditionsschifffahrt, auch während der Hanse Sail. „Durch den großen Protest konnte der Minister nicht anders, als Bestandsschutz bis zu einer überarbeiteten Richtlinie zu gewährleisten“, sagt Simonn. Auf das Ergebnis warten die Betroffenen mit Hochspannung.

„Der Entwurf liegt derzeit im Ministerium, wenn er abgezeichnet ist, geht es in die Anhörung“, sagt Nikolaus Kern, Vize-Vorsitzender der GSHW. Läuft alles glatt, könne die Sicherheitsrichtlinie 2.0 noch in diesem Jahr in Kraft treten. Bisher müssen Traditionsschiffe unter anderem ihren weitgehenden Originalzustand und ihren nicht-gewerblichen Betrieb nachweisen, um von der zuständigen Berufsgenossenschaft Verkehr anerkannt zu werden. Die Zulassung gilt in der Regel für fünf Jahre. Sie beinhaltet Privilegien gegenüber gewerblichen Fahrgastschiffen, vor allem müssen bisher bauartbedingt nicht alle gängigen Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Wird die Zulassung entzogen, dürfen die Schiffe nur noch maximal mit zwölf Fahrgästen in See stechen – zu wenig, um die Kosten zu refinanzieren.

Zur Orientierung: Für die „Greif“ rechnet Kapitän Wolfgang Fusch jährlich mit rund 100 000 Euro Unterhaltskosten. Sie ist zwar ein Berufsschiff, den Traditionsseglern aber durchaus vergleichbar. „Diese Summen muss man erst mal reinfahren“, sagt Fusch. Eine wichtige Rolle dabei spielen die Hanse Sail und andere maritime Feste im Ostseeraum. „Wir wollen vor allem eine Plattform bieten, damit die Schiffe gute Veranstaltungen anlaufen können“, sagt Sail-Chef Holger Bellgardt. Dafür hat Rostock sich im Baltic Sail-Verbund mit Küstenstädten in Polen, Schweden, Dänemark, Litauen und Lettland zusammengeschlossen. Das erhöht die Attraktivität aller: „Ein Schiff aus Übersee kommt nicht für vier Tage – für vier Wochen aber schon“, so Bellgardt.

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erstellt am 23.Jan.2016 | 16:00 Uhr

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