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Norddeutsche Neueste Nachrichten

11. Dezember 2016 | 07:08 Uhr

Volkstheater Rostock : Theater steigt bei Kulturfestival aus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Intendant Sewan Latchinian fehlt die Rückendeckung der Organisatoren von Regiopolis in der Debatte zum Erhalt der vier Sparten

Solidarität mit den eigenen Anhängern oder Überreaktion? Intendant Sewan Latchinian hat jetzt jedenfalls die Beteiligung des Rostocker Volkstheaters am überregionalen Kulturfestival Regiopolis abgesagt. Grund ist ein Streit zwischen dem Organisationsbüro und dem beim Festival sehr engagierten Verein de Drom, mit dem sich der Intendant solidarisch erklärt.

Hintergrund: Seit drei Jahren werden unter der Dachmarke des Festivals kulturelle Angebote der Regiopolregion, also der Hansestadt und dem erweiterten Speckgürtel, zusammengefasst. Beteiligter der ersten Stunde ist der Kröpeliner Verein de Drom – der nicht nur erfolgreich Veranstaltungen organisiert, sondern dabei auch mit dem Rostocker Volkstheater kooperiert und für den Erhalt des Vier-Sparten-Hauses kämpft. „Bei einer Projektgruppensitzung haben die Vereinsvertreter in unseren Räumen Aufkleber und Flyer mit politischen Statements rund um die Theaterdebatte hinterlassen“, sagt Christian Weiß, Geschäftsführer der Region Rostock Marketing Initiative (RMI).

Verein beklagt Eingriff in Meinungsfreiheit

Er ist in diesem Jahr für die Organisation des Festivals verantwortlich und hat daraufhin einen Brief an de Drom geschrieben. Darin bedankt sich Weiß für das Engagement, stellt aber auch klar, dass sich die RMI „als parteiübergreifendes und neutrales Netzwerk versteht und die Geschäftsstelle nicht an politischen Diskussionen beteiligt und auch keine Position beziehen wird“. Für den Vorstand von de Drom kommt das Schreiben einer Beschneidung der Meinungsfreiheit gleich. Kunst und Kultur seien immer politisch, heißt es in einem offenen Brief des Vereins. Mit Hinweis auf den Artikel 5 des Grundgesetzes und als Protest gegen das Schreiben von Weiß zog de Drom seine Beiträge für das diesjährige Festival zurück. „Das sind sechs Angebote plus die Abschlussveranstaltung“, so Christine Borgwald vom Vorstand. Aus Solidarität mit dem Verein zieht sich auch das Volkstheater – das die Eröffnung übernehmen wollte – aus dem Festival 2016 zurück.

Sewan Latchinian steht zu dieser Entscheidung. „Regiopolis ist eine Marketing-Hülle ohne Fundament. Wir brauchen das Festival nicht – uns geht nichts verloren, aber Regiopolis schon“, so der Intendant. Wer mit dem Volkstheater arbeiten wolle, der soll sich zum Haus bekennen. „Wir sind nicht in einer Situation, in der man sich Neutralität leisten darf. Da zu schweigen, wo man reden muss, hilft nur dem Kulturabbau“, so Latchinian. Sowohl de Drom als auch das Theater wollen die für Regiopolis geplanten Veranstaltungen nun ohne den Deckmantel des Festivals durchführen.

„Ich finde die Entwicklung natürlich sehr schade“, sagt Christian Weiß. Er sei sich bewusst, dass ein Brief vielleicht das falsche Mittel war. „Ich habe nicht gedacht, dass ich solche Reaktionen hervorrufe“, so der RMI-Geschäftsführer. Er sei auch weiterhin gesprächsbereit, denn „wir stehen ja nicht gegen Kultur. Aber ich unterscheide zwischen Kulturangebot und Theaterdebatte – und die ist Aufgabe der Politik und nicht der RMI“. Obwohl er nun für Festival-Eröffnung und -Abschluss neu überlegen muss, sei die Veranstaltungsreihe an sich nicht gefährdet. „Wir haben 40 tolle Angebote von den verschiedensten Aktiven und können die ganze Vielfalt der Region abbilden“, so Weiß.

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erstellt am 16.Jan.2016 | 16:00 Uhr

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