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Norddeutsche Neueste Nachrichten

25. September 2016 | 15:58 Uhr

Flüchtlinge in Rostock : Syrer gibt Einblicke in seine Kultur

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Integratives Betreuungszentrum bringt Mitarbeitern in einem Kurs die Hintergründe von Flüchtlingen näher

Elf Zuhörer hat Eyad Alabsi bei der ersten Auflage des interkulturellen Kurses, den er für seine Kollegen des Integrativen Betreuungszentrums (IBZ) der Rostocker Stadtmission im Hawermannweg 17 abhält. Ziel ist es, den Mitarbeitern des IBZ mit dem Workshop die Kultur syrischer Flüchtlinge näherzubringen. Sie sollen verstehen können, warum manche Frauen beispielsweise Männern nicht die Hand geben und sie sollen mehr über die religiösen Hintergründe der Menschen erfahren, mit denen sie tagtäglich arbeiten.

Das Land ist ein Schmelztiegel

Denn: „Wir sind zwar eine Einrichtung, die Menschen ohne festen Wohnsitz betreut, aber seitdem im vergangenen Jahr so viele Flüchtlinge nach Rostock kamen, unterstützen wir auch sie“, sagt Einrichtungsleiter Hartwig Vogt. Derzeit sind es etwa 110 Flüchtlinge, die vom IBZ betreut werden.

Die Idee für das Seminar hatte Hartwig Vogt. „Als ich erfuhr, dass das Arbeitsamt seine Mitarbeiter diesbezüglich schult, dachte ich, so etwas wäre auch für uns sehr sinnvoll.“ Und mit Eyad Alabsi hatte das Betreuungszentrum bereits den perfekten Referenten im eigenen Haus. Der 40-Jährige stammt selbst aus Syrien und musste seine Heimat 2013 wegen des Krieges verlassen.

In seinem Vortrag erzählt Alabsi den Teilnehmern von der reichen Geschichte seines Heimatlandes. Berichtet, dass Syrien ein Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen ist. „In Syrien gibt es eben nicht nur Kurden, Sunniten oder Schiiten, sondern auch Juden und Christen“, so Alabsi, der von 2004 bis 2011 an der Agrar-Fakultät der Universität Rostock studiert hat. Er erklärt, dass in der islamischen Religion Alkohol verboten ist und dass alle Syrer kein Schweinefleisch essen.

„Sie denken, sie sterben sowieso“

„Wenn Männer zum Beispiel beim Amt nach dem Familienstand gefragt werden und ledig angeben, verstehen sie oft nicht, warum sie auch noch nach Kindern gefragt werden“, so Alabsi. Denn erst wenn ein Syrer verheiratet ist, darf er Kinder zeugen. Auch vom brutalen Krieg berichtet der 40-Jährige, durch den er viele Freunde und sogar zwei Brüder verloren hat. „Die meisten Menschen, die flüchten, denken sich, dass sie sowieso sterben werden – ob nun bei Bombenangriffen oder bei der Flucht. Deswegen wagen sie lieber den Versuch, sich und ihre Familie zu retten“, sagt Alabsi. Er nutzt den Kurs aber auch, um für mehr Verständnis für die Flüchtlinge zu werben. „Die fremde Sprache und das komplizierte System machen es nicht einfach für sie“, sagt er.

Nach dem Seminar, das mit einem typisch syrischen Essen ausklingt, ist die Resonanz der Teilnehmer positiv. „Es ist wichtig für unsere tägliche Arbeit, einmal die Hintergründe kennenzulernen“, sagt Andrea Stubbe. Zweimal soll der Kurs im Februar noch stattfinden, sodass alle Mitarbeiter daran teilnehmen können.

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erstellt am 05.Feb.2016 | 21:00 Uhr

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