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Norddeutsche Neueste Nachrichten

05. Dezember 2016 | 13:33 Uhr

Rostocker wird mit 75 Doppel-Weltmeister : Schon ein bisschen durchgeknallt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Hansjürgen Kuhlmey stemmt siebenmal die Woche im Fitnessstudio Eisen – so ist er mit 75 Doppel-Weltmeister geworden

Powerlifting heißt der Sport, dem sich Hansjürgen Kuhlmey verschrieben hat, zu Deutsch: Kraftdreikampf.

Andere in seinem Alter halten sich mit Gartenarbeit fit, machen Radtouren. Vielleicht gehen sie auch zur Wassergymnastik oder zum Line Dance. Kuhlmey hingegen schlägt siebenmal die Woche im Fitnessstudio auf und wuchtet ohne Unterlass Aberhunderte Kilogramm Eisen in die Höhe. Jeden Tag. Mit 75 Jahren.

Nur als er am 27. September ein Dreivierteljahrhundert jung wurde, machte der frühere Kugelstoßer, Diskuswerfer und Judoka (grüner Gürtel) mal eine Ausnahme und trainierte nicht: „Da habe ich ja Gäste erwartet und musste deshalb Kuchen backen. Kochen kann ich übrigens auch“, schmunzelt der gebürtige Berliner und wendet sich wieder seinen Hanteln zu.

Seit 2014 übt Hansjürgen Kuhlmey sein kraftsportliches Hobby gezielt aus, einschließlich Teilnahme an Wettkämpfen. Und bald stellten sich Erfolge ein. Von den WM der Organisation WUAP (World United Amateur Powerlifting) unlängst im brandenburgischen Herzberg (Elster) mit über 500 Teilnehmern im Alter zwischen 16 und 82 Jahren aus 20 Ländern kehrte der Gewichte hebende Großvater mit zwei riesigen Goldmedaillen in CD-Größe nach Hause zurück. Weltmeister sowohl im Bankdrücken als auch Kreuzheben in der Altersklasse 75 bis 79 Jahre und Gewichtskategorie bis 125 Kilogramm darf sich der 1,82 Meter große Biestower nunmehr nennen. Zudem hat er in der Elsterlandhalle in letzterer Disziplin mit 160 kg einen Weltrekord aufgestellt.

Sehr zur Freude auch seines Trainers Eric Sonne, zugleich Leiter des den betagten Schwerathleten unterstützenden Schmarler Studios „Best Fitness“. Der 26-Jährige zieht den Hut vor den Leistungen des Vaters zweier Söhne und vierfachen Opas: „Ich arbeite jetzt seit einem Jahr mit ihm. Anfangs haben wir uns sogar gegenseitig angestachelt, weil wir leistungsmäßig auf dem gleichen Level waren. Er ist wirklich jeden Tag da. Das ist schon ein bisschen durchgeknallt. Aber besser, als zu Hause rumzusitzen. Hans ist im Kopf junggeblieben und kein typischer 75er.“

Was sagt eigentlich die Frau des gelernten Landmaschinen-Handwerkers sowie studierten Ingenieurs für Landtechnik dazu, dass er inklusive Sauna jeden Tag Minimum drei Stunden zum Sport verschwindet?! „Gudrun ist froh, wenn ich nicht da bin. Dann kann sie ihre Fernseh-Serien gucken, und es stört sie keiner“, versichert Hansjürgen Kuhlmey.

Aber wird ihm das ewige Eisengestemme nicht irgendwann mal leid, kommt denn dabei nie Langeweile auf? „Nein. Ich bin ja von den 50 Stationen hier im Studio immer an 14 verschiedenen Geräten zugange. Und dann kommen ja auch die hübschen Mädchen“, grinst er sich eins und lässt beim Bankdrücken satte 140 Kilo auflegen. „Natürlich nur fürs Foto, damit das gewaltiger aussieht“, versichert er. Und streckt kurz darauf das Gewicht, das Eric Sonne auf ihn herablässt, ohne mit der Wimper zu zucken nach oben durch.

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erstellt am 18.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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