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Norddeutsche Neueste Nachrichten

30. Juli 2016 | 07:27 Uhr

Kampfsport : Rostocks Sumo-Ringer greifen an

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Sportverein bietet japanische Kampfkunst für jedermann an / Trainingsgruppe von Adrian Wolff bei Deutscher Meisterschaft erfolgreich

Wenn Adrian Wolff vom Kampfsport spricht, ist seine Begeisterung auf den ersten Blick erkennbar. Der Wahl-Rostocker war zwar noch nie in Japan, ist aber ein echter Experte, wenn es um Judo und Sumo geht. Wolff kennt Techniken, Begriffe und die traditionellen Rituale rund um diese Sportarten.

Und das ist kein Wunder, denn von klein auf war der angehende Haupt- und Realschullehrer, der für sein Studium nach Rostock kam, selbst beim Judo aktiv. Damals noch in seiner alten Heimat Berlin. „Dort hat mich dann mein Trainer Reinhard Bunk auch zum Sumo gebracht, denn er war damals Bundestrainer dieser Sportart“, sagt der 26-Jährige. Mittlerweile trainiert Wolff selbst eine Sumo-Mannschaft. Und zwar im Judoclub Uni Rostock, den er vor fünf Jahren als Ausgründung des Unisports mit ins Leben gerufen hat.

Natürlich ist Wolff auch selbst in beiden Sportarten aktiv – und erfolgreich. Am Wochenende wurde er Landesmeister im Judo bei den Männern seiner Gewichtsklasse. Bei den Deutschen Meisterschaften im Sumo erreichte er Ende 2015 den dritten Platz. Seine Mitstreiter Martin Jäschke, Alexander Jensch und Jan Tamm schafften sogar einen ersten, zweiten und dritten Platz.

Das Quartett kennt die landläufigen Klischees über Sumo – einen Sport, der angeblich nur von dicken Männern in Windeln betrieben wird. Dabei gibt es Gewichtsklassen, Wolff wiegt zum Beispiel nur 73 Kilogramm – und die traditionelle Bekleidung heißt Mawashi. „Man trägt nichts drunter und bindet es mit einem Helfer vor jedem Einsatz neu. Bei den Sumo-Profis ist das Mawashi etwa neun Meter lang. Meins hat fünf Meter“, sagt Wolff.

In Deutschland ist Sumo immer noch eine Randsportart, die Kämpfer – Männer und Frauen – stammen zumeist vom Ringen oder Judo. Die Kämpfe dauern nicht lang. Es geht darum, den Gegner aus dem im Durchmesser 4,6 Meter umfassenden Ring zu bekommen. Oder es zu schaffen, dass der Gegner mit egal welchem Körperteil den Boden berührt. „Sogar die Haarspitzen zählen da. Oder gekrümmte Zehen, denn erlaubt ist nur, mit der flachen Fußsohle den Boden zu berühren“, weiß der Rostocker.

Etwa 70 verschiedene Techniken aus den Bereichen Stoßen, Schieben und Greifen gibt es. Das Training in Rostock, das immer montags 20.45 Uhr in der Sporthalle der St.-Georg-Schule startet, ist zwar intensiv, aber keinesfalls vergleichbar mit den Strapazen, die im Ursprungsland des Sumo zum Training gehören. „Es gibt ein Rangsystem, in dem man durch Siege auf- und durch verlorene Kämpfe wieder absteigen kann. Und das eigentlich permanent und so lange, bis man den obersten Rang erreicht hat und ein Yokozuna ist“, sagt Wolff. Dieser Rang würde auf Lebenszeit verliehen und seine Träger wie Popstars verehrt. Seit der Einführung dieses Ranges im Jahr 1624 haben aber nur 71 Kämpfer den Titel erreicht.

Neben Japan, dem Ursprungsland des Sumo, das angeblich auch durch einen Sumokampf zweier Götter entstand, gibt es auch zahlreiche Hawaiianer und Mongolen, die den Sport betreiben. „Die Japaner empfinden es als Schmach, dass es drei amtierende mongolesische Yokozunas gibt“, weiß der Rostocker. Im Trainingslager müssten die Träger der unteren Ränge nicht nur früher aufstehen als die höher gestellten, sondern diese auch noch bedienen.

All diese traditionellen Riten rund um den Sport gibt es in der Hansestadt natürlich nicht. „Wir haben einfach viel Spaß am Training und würden uns freuen, wenn sich noch weitere Mitstreiter finden“, sagt der engagierte Kampfsport-Fan.


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erstellt am 26.Jan.2016 | 12:00 Uhr

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