zur Navigation springen

Norddeutsche Neueste Nachrichten

05. Dezember 2016 | 17:37 Uhr

Architektur-Kongress : Rostocker preisen ihre Plattenbauten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Teepott, Kunsthalle und Südstadt als herausragende Werke der DDR-Architektur

Wenn von kulturellem Erbe, Schätzen der Baukultur die Rede ist, werden die wenigsten vermuten, dass Plattenbauten gemeint sein können. „Die Bauleistungen aus den 50er-, 60er-, 70er-Jahren genießen noch ein viel zu geringes Ansehen in unserer Stadt“, sagt Kulturamtsleiterin Michaela Selling. Unter dem Titel „Alles Platte oder was? Architektur im Norden der DDR als kulturelles Erbe“ setzen sich Experten, Denkmalpfleger und Architekten drei Tage lang, noch bis heute, bei einem Kongress damit auseinander, wie mit dem Erbe der DDR-Architektur umgegangen wird, und umgegangen werden sollte.

Das Rostocker Wohnungsunternehmen Wiro hat rund 27 000 Wohnungen in Plattenbauweise, die zwischen 1953 und 1990 entstanden sind, im Bestand – allein in Lütten Klein 6200, 4600 in Evershagen und 2700 in der der Südstadt. 1992 begann die Wiro mit Sanierungen in der Südstadt. Das Programm endete 2004 in der Martin-Luther-King-Allee. 1,3 Milliarden Euro flossen. „Wir sehen, was die Wiro zur Restaurierung alles getan hat“, sagt Selling. Rostock steche im Umgang mit den Platten positiv hervor. Kritisch sieht sie nur, wenn zur Steigerung der Energieeffizienz Blöcke mit Wärmeplatten nachgerüstet werden müssten, weil so aus Originalen Repliken würden.

Die „Platte“ betrachtet sie als „gelebte Geschichte“. Selling selbst verschlug es 1983 aus Leipzig nach Rostock. „Ich war begeistert von diesen wunderschönen Bauten, von der Anlehnung an die Geschichte, den Klinkerverkleidungen, den Giebelbildern.“ Auch ihr Kollege vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Dr. Jörg Kirchner, unterstreicht den Wert der Platte. „Wir sind sehr bemüht, mehr Akzeptanz zu erreichen.“ Die wichtigsten Objekte der DDR-Architektur seien in Rostock, Schwerin, Greifswald oder auch Neubrandenburg. Sie gehörten mittlerweile auch immerhin zu einer abgeschlossenen Epoche.

Aber die DDR-Baukultur ginge über den industriell gefertigten Wohnungsbau hinaus. „Eine Zeitepoche drückt sich nicht immer in dem aus, was zu 80 Prozent erhalten blieb“, sagt Kirchner. Hervorzuheben seien auch Kirchen, die damals entstanden oder die Rostocker Kunsthalle. „Sie ist die einzige, die im Osten gebaut wurde. Während im Westen in der Nachkriegszeit rund 200 entstanden“, so Kirchner. Bedeutende Bauwerke in Rostock seien auch der Lichtenhäger Brink, die „gelungene Art der Wohnungssiedlung in der Südstadt“, das Matrosendenkmal, ein Hafenmeisterhaus im Bauhaus-Stil in Marienehe und besonders der Teepott von Ulrich Mühter, gebaut 1968. Seine Gebäude gehören zu den Exportschlagern der DDR. Mühters Spannbetondächer schafften es bis in den arabischen Raum. „Die meisten Bauten, die wir schützen, sind deutlich älter“, sagt Kirchner.

Zwei bis drei Prozent, etwa 650 Objekte der Denkmalliste des Landes, seien aus DDR-Zeit. Insgesamt führt sie 29 000 Objekte.

zur Startseite

von
erstellt am 22.Okt.2016 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen