zur Navigation springen

Norddeutsche Neueste Nachrichten

11. Dezember 2016 | 05:11 Uhr

Neuer Stadtteil : Rostock plant Wohngebiet bei Biestow

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rathaus legt Pläne zur Erschließung eines neuen Wohngebiets im Süden von Biestow vor. Anwohner bemängeln fehlende Beteiligung.

Die Hansestadt wächst und soll Bevölkerungsprognosen zufolge bis 2035 etwa 25 000 neue Einwohner bekommen. Deshalb plant die Verwaltung ein gewaltiges Neubaugebiet im Süden der Stadt. In Biestow, zwischen Satower Straße und Nobelstraße sowie der Stadtgrenze und dem Südring, soll auf 345 Hektar ein ganz neuer Stadtteil entstehen – mit 6700 Wohnungen für 12 800 Einwohner, und einer ganz eigenen Infrastruktur.

Naturschützer warnen vor Bebauung

Hintergrund sei die von der Bürgerschaft mehrfach thematisierte dringend notwendige Entwicklung von Wohnungsbaustandorten in der Stadt, heißt es aus dem Rathaus. Das habe auch eine Bürgerbeteiligung Anfang des Jahres ergeben. Das Fehlen dieser bemängeln allerdings mehrere betroffene Parteien. So verdeutlicht Klaus-Peter Müller, Vorsitzender des Vereins Leben in Biestow, in einem offenen Brief an die Hansestadt, dass Vertreter von Orts- und Stadtplanungsamt bereits im März versichert hätten, eine mögliche Entwicklung des Stadtteils gemeinsam mit Ortsbeiräten und Bürgerinitiativen zu gestalten, um Konflikte zu vermeiden. So entspräche es auch den Leitlinien für die Stadtentwicklung bis 2025. Gespräche hätte es vor Bekanntwerden der Pläne jedoch nicht gegeben. Der Verein wolle sich konsequent und mit Nachdruck für die Belange der Einwohner einsetzen und Transparenz schaffen, so Müller. Auch Naturschützer warnen vor der massiven Bebauung Biestows: „Von Verkehrsproblemen über die zunehmende Versiegelung bis hin zu Naturschutz – wer das Wohnen auf der grünen Wiese abseits der Anbindung an Nahverkehrseinrichtungen propagiert, ignoriert die Zeichen der Zeit“, meint Ursel Karlowski vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Bebauung würde zudem Arten wie Weißstorch, Rotmilan, Laubfrosch und Kammmolch den Lebensraum nehmen, so Ulrich Söffner vom BUND. Eine wichtige Frischluftschneise auch für die Hansestädter würde komplett verloren gehen. Auch Rostocks Kleingärtner schlagen angesichts der Baupläne Alarm, da diese auch das Verschwinden von Anlagen zur Folge haben werden. „Wir wissen alle, dass Wohnraum gebraucht wird und wir Kleingärtner sind bereit, unseren Beitrag zur Stadtentwicklung zu leisten“, sagt Christian Seifert, Vorsitzender des Verbands der Gartenfreunde.

Allerdings seien die neuen Pläne sowie auch die Informationspolitik aus dem Rathaus irritierend und enttäuschend. Schon im Zuge der Bauprojekte Am Südring und Am Pulverturm hatten die Gärtner das Nachsehen. Welche Kleingartenanlagen für das neue Biestow weichen müssen, steht noch nicht fest.

Trotz aller Kritik sehen die Stadtplaner Biestow als besonders geeigneten Standort für die Entwicklung eines Wohngebiets, das über die Flächen Am Kringelhof und Nobelstraße hinausgeht. So sei die mögliche Anbindung an das Verkehrs- und Straßenbahnnetz von Vorteil, als auch die Tatsache, dass bereits jetzt 94 Hektar im aktuellen Flächennutzungsplan (F-Plan) von 2009 als Wohnbaufläche dargestellt sind und ab sofort zur Verfügung stehen. Die potenzielle weitere Entwicklung solle Teil des neuen F-Plans werden, der derzeit in Bearbeitung ist und in ganz Rostock Flächen als mögliche neue Wohnbaugebiete ausweisen soll. Für Neu-Biestow sind sowohl Mehrgeschosser geplant als auch der Bau von Stadtvillen und Einfamilienhäusern, heißt es aus dem Rathaus. Der Bau der ersten 200 Wohnungen Am Kringelhof und Am Kiefernweg soll möglichst 2017 beginnen.

Einwohnerversammlung am Montag

Noch sind diese Zukunftsvisionen aber nicht verbindlich – zuvor müssten Flächennutzungs- und Bebauungspläne durch Beschlüsse der Bürgerschaft bestätigt werden. Bis dahin will die Verwaltung intensiv mit Anwohnern, Betroffenen und Beteiligten zusammenarbeiten, heißt es. In der Stadthalle sollen Montag um 19 Uhr Biestower, Kleingärtner, Naturschützer und andere Bürger zu Wort kommen.


zur Startseite

von
erstellt am 05.Nov.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen