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Norddeutsche Neueste Nachrichten

10. Dezember 2016 | 15:40 Uhr

Fertigstellung frühestens 2018 : Rostock baut Petritor wieder auf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Sanierungsträger RGS lobt ab 12. Dezember einen Wettbewerb aus. Kosten: 2,9 Millionen Euro

Ein Petritor, wie Harald Lochotzke es sich vorstellt, bekommt Rostock nicht. Die Stadt plant den Wiederaufbau des historischen Ensembles dennoch – ideal bis 2018. Ohne das Tor fehle etwas, „nicht nur im Grundriss, sondern auch wesentlich in der Stadtsilhouette“, sagt Ralf Schinke, Stadtplaner der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (RGS). Kosten: 2,9 Millionen Euro.

Der städtische Sanierungsträger lobt im Auftrag der Stadt ab dem 12. Dezember einen Realisierungswettbewerb für eine Wiederbebauung der historischen Grundstücke aus. Architekten aus ganz Deutschland sind aufgerufen, bis 10. März realisierbare Entwürfe für ein Wohn- und Geschäftshaus vorzulegen, das sich in das vorhandene Bild einfügt, behutsam restauriert und dennoch modern sein kann, erklärt der Planer. „Das, was man von Lochotzke kennt, ist eine andere Auffassung, die ist in diesem Paket nicht enthalten“, sagt Schinke.

Die RGS rechnet mit 40 bis 80 Beiträgen. Den Sieger ermittelt am 11. April ein Preisgericht. Als solches werden Rostocker und Externe, Experten und Laien, die sich für den Wiederaufbau engagieren, auftreten – wie der Verein zur Förderung der Östlichen Altstadt, der für Rostocker Geschichte, aber auch der Oberbürgermeister Roland Methling. „Ich bin sehr begeistert. Ich freue mich, dass es endlich losgeht“, sagt Jürgen Möller, Vorsitzender des Altstadtvereins. Wäre es nach ihnen gegangen, hätte dieser ruhig früher beginnen können. Sorgen gibt es aber auch aus der Bevölkerung. Es werde nicht unbedingt der Entwurf des Wettbewerbssiegers sein, der umgesetzt wird, bringt Andreas Herzog (SPD) aus dem Ortsbeirat Stadtmitte an. Auch der Zweit- oder Drittplatzierte könnte es werden. Denn: „Entscheiden wird das letztlich der Bauherr – also die Stadt, der Oberbürgermeister“. Anwohner und Gewerbetreibende, die sich an den Ortsbeirat wandten, sorgt vielmehr die Umsetzung – Lärmbelastungen und Verkehrseinschränkungen. „Unser Ansatz ist, dass das Gewerbe nicht leiden soll“, beruhigt Schinke. Wahrscheinlich müsse in Bauabschnitten gearbeitet werden. Um zu sagen, wie das genau passiert, sei es noch zu früh. „Aber wir drücken das Problem nicht weg“, verspricht er. Auch noch unklar: In welchem Preissegment die Wohnungen entstehen. Zwar ist der Ortsbeirat besorgt, dass dort Luxuswohnungen hochgezogen werden, aber: „Ich finde es völlig unrealistisch, jetzt schon definieren zu wollen, was Wohnungen dort kosten sollen“, sagte Christoph Eisfeld (UFR/FDP). Am Ende würde dort noch ein Plattenbau hingestellt. „Ich bin sehr für ausgewogene Wohnungen, aber das ist zu klein, um hier jetzt damit anzufangen“, pflichtete Herzog bei. Die Botschaft an die Bürgerschaft sei: „Bitte zerredet es nicht, lasst es uns realisieren.“

Gegenwind gibt es von den Grünen. Fraktionschef Uwe Flachsmeyer hat beantragt, das Tor aus dem Wirtschaftsplan des städtischen Eigenbetriebs für Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung für 2017 zu streichen. Es tauche in der Prioritätenliste der Städtebaufördermittel für 2016 nicht auf. „Wir sehen in den Schulen, Horten und Kitas einen hohen Investitionsbedarf, der höhere Priorität hat als das Petritor“, sagt Flachsmeyer, das gelte auch für den Feuerwehrneubau. Der Finanzausschuss berät morgen, die Bürgerschaft nächste Woche.

Das alte  und das neue Tor

Das Petritor  war eines der vier Haupttore der Stadt. Errichtet wurde es 1260 mit zwölf mal neun Metern am Fuße der steilen Anhöhe, auf der die erste Rostocker Siedlung gegründet wurde. 1720 erhielt es ein Pyramidendach. 1935/36 ist der nachträglich angebrachte Putz entfernt worden.  Im Zweiten Weltkrieg  wurde es stark beschädigt. Am 27. Mai 1960 wurde es über Nacht abgerissen, weil  es angeblich ein gefährliches Verkehrshindernis war.

Zwei Grundstücke am östlichen Eingang Slüterstraße werden beplant. Das, auf dem ehemals drei Stadthäuser standen, soll etwas nach hinten versetzt werden, damit Fußgänger und Fahrradfahrer durchkommen. Das neue Tor soll exakt auf dem Platz des alten entstehen.

Erwartungen an die Architekten: gestalterische Antwort, um das Ensemble behutsam zu restaurieren; Einfügen in vorhandenes Bild – auch in Farbe und Struktur; verantwortungsbewusster Umgang mit Kosten

Bewertungskriterien:   Integration in Stadtgefüge im Spannungsfeld zwischen der denkmalgeschützten Altstadt und modernen Entwicklungsbereichen im Petriviertel,  gestalterische und materielle Qualität der architektonischen Lösung, Funktionsfähigkeit, Lösungen für Verkehr in und aus der Altstadt,  Grünraumgestaltung

Nutzung: Entstehen sollen 700 bis 850 Quadratmeter Nutzfläche zur Büro- und Verwaltungsnutzung für 20 Arbeitsplätze und ergänzend Wohnungen, außerdem Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, eine Tiefgarage mit 15 Stellplätzen, die über die Straße beim Wendentor erschlossen werden soll.

Kosten:  3000 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche und 800 Euro pro Quadratmeter Tiefgarage; tatsächliche Kosten werde der Wettbewerb bringen

 

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erstellt am 30.Nov.2016 | 11:45 Uhr

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