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Norddeutsche Neueste Nachrichten

05. Dezember 2016 | 11:30 Uhr

Entwicklungspolitische Tage : „Plötzlich rückt es näher“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Eine-Welt-Landesnetzwerk eröffnet Entwicklungspolitische Tage zum Thema „Krieg_Frieden“ und vergibt Förderpreis

Zum Auftakt der Entwicklungspolitischen Tage hat der Arbeitskreis Asyl der Kirchengemeinde Tribsees gestern im Rostocker Rathaus den Ökumenischen Förderpreis Eine Welt erhalten. Seine Mitglieder initiierten das Flüchtlingsprojekt Alter Milchladen, das Menschen aller Kulturen ins Gespräch bringt. Der Preis ist mit insgesamt 4500 Euro dotiert, von denen die Erstplatzierten 2000 Euro bekommen. Das restliche Preisgeld teilen sich die Aktionsgruppe Eine Welt aus Schwerin als Zweitplatzierte und Ulla Hardt von der Initiative Bleib Mensch aus Grevesmühlen als Drittplatzierte. Insgesamt gab es 19 Bewerbungen, drei davon aus Rostock.

Mit den Aktionstagen rückt das Eine-Welt-Landesnetzwerk MV das Thema „Krieg_Frieden“ in den Mittelpunkt. „Es ist erschreckend aktuell – plötzlich rückt es näher“, sagt Sprecherin Andrea Krönert. Das sei bei der Wahl des Mottos noch gar nicht absehbar gewesen. Wie stark Deutschland in die Kriege und Krisenregionen der Welt verstrickt ist, das beleuchtete Rüstungsgegner Jürgen Grässlin. Für seine Recherchen über illegale Exporte des Sturmgewehrs G36 nach Mexiko wurde er zuletzt mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Paradox: Die Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen nicht gegen die Verantwortlichen, sondern gegen ihn.

Grässlin kritisiert: „Warnemünde ist gespickt mit Kriegsschiffen – und das nicht nur für die Ostsee.“ Mittlerweile sei die deutsche Marine auch im Mittelmeer und im Indischen Ozean im Einsatz. „Das ist bedenklich“, so der 59-Jährige. Noch schärfer prangert er allerdings die deutschen Waffenexporte an. Deren Umfang habe sich von 6,5 Milliarden Euro in 2014 auf 12,8 Milliarden Euro in 2015 fast verdoppelt, auf „den höchsten Wert aller Zeiten“. Und das, obwohl Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) versprochen hatte, die Exporte drastisch zu reduzieren. Dass allein der Profit zähle, zeige ein Blick auf Abnehmer wie Saudi-Arabien, Ägypten, Algerien, Israel, Indonesien, Pakistan oder die Türkei. „Demokratie blickt dort in die Rohre deutscher Waffen“, sagt Grässlin. Unter anderem mit den weltweit 15 Millionen G3-Gewehren von Heckler und Koch seien ihm zufolge zwei Millionen Menschen getötet worden. Folge, so Grässlin: „Wer Waffen sät, wird Flüchtlinge ernten.“

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erstellt am 02.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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