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Norddeutsche Neueste Nachrichten

29. Juni 2016 | 23:42 Uhr

Blutspende für Hunde : Oreo ist ein echter Lebensretter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rüde spendet Blut für andere Vierbeiner. Tierklinik ist auf die Bereitschaft der Halter angewiesen und sucht Freiwillige

Mit freudig wedelndem Schwanz betritt Oreo die Rostocker Tierklinik. Schon am Empfang wird der fast vier Jahre alte Rüde begrüßt wie ein alter Bekannter. Doch zum Glück nicht, weil „Krümel“, wie ihn Frauchen Verena Hirdina nennt, aufgrund von Krankheit länger in der Klinik war. Ganz im Gegenteil. Der Chesapeake Bay Retriever ist ein echter Lebensretter und hat schon mehrfach Blut gespendet, um anderen Hunden zu helfen.

„Solche Blutspenden brauchen wir etwa vier- bis fünfmal pro Woche“, sagt Klinik-Leiter Dr. Jens-Christian Rudnick. Weil die Medizin immer größere Fortschritte macht, sei der Bedarf an Blutspenden gestiegen. So können Vierbeiner gerettet werden, für die es früher keine Chance gab. Die Ursachen für die Notwendigkeit von Spenderblut wären dabei höchst unterschiedlich. „Das kann nach einem Unfall sein oder aufgrund von einer Operation. Aber auch chronische Krankheiten wie Blutarmut oder Gerinnungsstörungen sind dafür verantwortlich“, weiß Rudnick.

Die Besonderheit dabei: Es gibt keine Blutbank. Eine Spende muss nahezu zeitgleich zur Transfusion erfolgen. „Das macht es nicht ganz leicht für uns, immer jemanden zu finden. Denn die Notfälle sind ja meist in den Abendstunden, am Wochenende oder Feiertagen“, weiß Sylvia Wiesner. Sie und ihre Kolleginnen vom Empfang haben dann die Aufgabe, aus der derzeit 64 tierische Spender umfassenden Datenbank einen Kandidaten zu finden, der kommen kann. Dafür brauche es mindestens fünf Anrufe, so Wiesner. Denn nicht jeder potenzielle Spender sei immer verfügbar.

Verena Hirdina hat sich schon dreimal mit Oreo auf den Weg gemacht, um andere Hunde zu retten. „Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit, schließlich könnte es immer sein, dass mein Krümel auch einmal dringend Blut braucht“, so die Ergotherapeutin.

Der Spendenvorgang selbst sei für die Tiere nicht problematisch. „Wir entnehmen das Blut aus der Halsvene, etwa 500 Milliliter – und parallel dazu bekommt der Hund Elektrolyt-Flüssigkeit durch die Beinvene wieder zugeführt“, sagt Rudnick. Etwa 45 Minuten müssten die Tiere dafür auf der Behandlungsliege bleiben. Wenn es den Vierbeinern hilft, würde es auch eine leichte Narkose geben. Aber das Ziel sei immer, es ohne zu schaffen, so der Tierarzt.

Neben Hunden können ihm zufolge auch Katzen Blut spenden. „Bei denen ist es aber komplizierter. Katzen haben, wie der Mensch auch, eine bestimmte Blutgruppe und bilden Antikörper gegen die jeweils andere“, so Rudnick. Deshalb müsse für eine Samtpfote ein Spender der gleichen Blutgruppe gefunden werden. Bei Hunden sei dies – zumindest bei der Erstspende – leichter. „Ihre Blutgruppen sind kompatibler und ihr Immunsystem bildet erst Antikörper, wenn sie einmal Blut bekommen haben“, so der Klinikleiter.

Grundsätzlich würden alle an der Aktion beteiligten Tiere ausführlich untersucht – sowohl Spender als auch Empfänger. Der Gratis-Gesundheitscheck ist auch nicht die einzige Gegenleistung für Tierhalter, die ihren Vierbeiner in die Datenbank aufnehmen lassen. „Es gibt bei jeder Spende noch einen 14-Kilogramm-Sack Futter oder eine Gratis-Impfung“, sagt Sylvia Wiesner.

Für Verena Hirdina waren das nicht die ausschlaggebenden Gründe. „Wobei es natürlich toll ist, dass ich dadurch immer weiß, dass Oreo gesund ist“, so die 30-Jährige. Und noch etwas freut sie: Obwohl eigentlich kein Kontakt zwischen den Haltern von Spender- und Empfängertier vorgesehen ist, wird manchmal übermittelt, ob der kranke Hund dank der Spende überlebt hat.

Oreos zuletzt abgegebener Lebenssaft war für eine Schäferhündin mit Blutarmut bestimmt, der dadurch geholfen werden konnte. Die Rostockerin hat sich deshalb schon einen Vermerk im Kalender gemacht. Denn nach jeder Spende ist das Tier für drei Monate gesperrt. Aber ab April kann Oreo wieder Leben retten.

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erstellt am 12.Jan.2016 | 12:00 Uhr

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