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Norddeutsche Neueste Nachrichten

03. Dezember 2016 | 05:39 Uhr

Protest vor dem Rostocker Amtsgericht : Oberarzt tritt in den Hungerstreik

vom

Um für eine Gleichberechtigung von Müttern und Vätern bei der Sorge für ihre Kinder zu protestieren, ist der Oberarzt und vierfache Vater Arpad David in den Hungerstreik getreten. Seit Tagen hat er nichts mehr gegessen.

Rostock | Um für eine Gleichberechtigung von Müttern und Vätern bei der Sorge für ihre Kinder zu protestieren, ist der vierfache Vater Arpad David vor dem Rostocker Amtsgericht in den Hungerstreik getreten. "In erster Linie sollte das Kindeswohl und nicht der Wunsch der Mutter berücksichtigt werden", sagt der 44-Jährige, der als Oberarzt der Kardiologie am Südstadtklinikum tätig ist. Seine Hoffnung: dass er mit seinem persönlichen Engagement dazu beitragen kann, die gesetzliche Regelung zu ändern. Denn wenn Kinder bei ihrem Vater leben wollten, sei nicht einzusehen, warum das Gericht diesen Wunsch nicht berücksichtige. Anlass für die Protestaktion Davids ist seine eigene Familiengeschichte. Nach der Trennung von seiner Frau Anfang 2012 leben seine vier Söhne bei der Mutter. Er selbst könne die Kinder derzeit nur sehen, wenn diese das wünschten. "Eine offizielle Umgangsregelung gibt es noch nicht", sagt der Mediziner. Die Verhandlung darüber steht noch bevor.

Peter Häfner, Direktor des Amtsgerichts, hält den Hungerstreik von Arpad David für zwecklos. "Er kann tun und lassen, was er will. Aber er kann nicht erwarten, dass sich das Gericht davon beeinflussen lässt", sagt er. "Das wäre eine merkwürdige Rechtsprechung." Aufgabe des Gerichts sei es vielmehr, unabhängig und neutral zu entscheiden. "Er wird damit gar nichts erreichen", sagt Häfner. Die Frage sei, ob sich David mit seiner Aktion nicht sogar selbst schade und für den Umgang mit seinen Kindern disqualifiziere. Statt vor dem Amtsgericht zu demonstrieren, rät der Direktor dem Familienvater, sich mit einem Anwalt zu beraten.

Auch Noch-Ehefrau Christiane David hat für das Vorgehen ihres Mannes kein Verständnis. "Ich finde es sehr schwierig, dass er in die Öffentlichkeit tritt und die Kinder nicht schützt", sagt sie. Schließlich habe die Richterin das Wohl der Kinder im Blick gehabt, als sie im vergangenen Jahr entschieden habe, dass die vier Jungs mit ihr im Haus der Familie wohnen bleiben. Ihrem Mann sei nahegelegt worden, sich in der Nähe eine Wohnung zu suchen. An dem gemeinsamen Sorgerecht habe sich dadurch aber nichts geändert, sagt die Rostockerin. Jetzt müsse nur noch über das Umgangsrecht entschieden werden. "Ich würde mir wünschen, dass dann Ruhe einkehrt", sagt sie.

Doch Arpad David trifft mit seiner Ein-Mann-Demonstration vor dem Amtsgericht nicht nur auf Kritik, sondern auch auf Zustimmung. "Wir stehen hinter der Aktion", sagt Horst Schmeil, 2. Vorsitzender des Vereins Gleichmaß, der sich im Rostocker Umland für familiäre Gleichstellung und die Chancengleichheit von Kindern in Familien einsetzt. Es sei dringend notwendig, die Öffentlichkeit auf die aktuelle Rechtsprechung aufmerksam zu machen, die Mütter bevorzuge. Da liege vieles im Argen. "Das Kindeswohl soll als Maßstab gelten. Doch es gibt keine Definition für das Kindeswohl", sagt Schmeil. Oftmals heiße es, wenn es der Mutter gut geht, geht es dem Kind auch gut. In vielen Fällen müssten Kinder deshalb ohne Vater aufwachsen und würden so diskriminiert. Der Verein fordert eine Gleichwertigkeit von Mutter und Vater in der Erziehung. Genauso wie Arpad David.

Mittlerweile hat der Arzt seit zwei Tagen nichts mehr gegessen. Die Nächte hat er auf einer Bank auf dem Vorplatz des Amtsgerichts verbracht. Wie lange er seinen Hungerstreik durchhalten wird, weiß er nicht. "Erst mal unbefristet", sagt David.

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erstellt am 05.Feb.2013 | 06:42 Uhr

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