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Norddeutsche Neueste Nachrichten

29. September 2016 | 01:54 Uhr

Wohnen in Rostock : Mieterverein stellt Forderungen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Es brauche Management für Wohnungsbau, mehr soziale Durchmischung und kommunale Belegungsrechte zugunsten sozial Schwächerer

Der Mieterverein Rostock sieht die Hansestadt in großer Bredouille. Zum einen fehle es an Wohnungen in allen Preissegmenten beim Leerstand von nur einem Prozent. Zudem erwarte die Stadt 25 000 neue Rostocker bis 2035, wolle 1500 Wohnungen pro Jahr bauen – im Stadthafen, in Warnemünde, im Petriviertel – „aber wir finden bei den geplanten Vorhaben nichts für den kleinen Mann“, sagt der langjährige Geschäftsführer des Vereins und des Mieterbundes MV Christian Rudolph.

Sozialwohnungen zu schaffen, rentiere sich für Unternehmen nun mal nicht. Selbst mit dem 27-Millionen-Euro-Förderprogramm Wohnungsbau Sozial des Landes ließen sich nur 600 Sozialwohnungen in MV schaffen. Bei angenommenen Baukosten von 2500 Euro pro Quadratmeter ergebe das zehn Euro Miete für denselben, mit Förderung sieben. „Das sind keine Sozialwohnungen“, sagt Rudolph. Davon ließe sich bei 5,50 Euro sprechen. Der Mieterbund fürchtet, dass die über Quersubventionierung, Verteuerung anderer Wohnungen erreicht werden sollen.

„Die Förderrichtlinien des Landes sind zu einseitig auf Sozialwohnungen ausgelegt“, so Rudolph. Der Mieterbund setze stattdessen auf Belegungsrechte. Über diese könnten rund 1900 Wohnungen gefördert werden. Die Stadt müsse wie Berlin oder Frankfurt am Main Belegungsrechte für bestehende Wohnungen von den Unternehmen erwerben – gefördert vom Land. Aus denen könne bezahlbarer Wohnungen generiert werden. „Das ist aus unserer Sicht der einzig gangbare Weg“, sagt Rudolph. „Das hoffe und wünsche ich mir, dass der Mieterverein dabei nach mir wirksamer werden kann“, sagt der 72-Jährige. Viel hätte sich bereits bewegt, seit er vor mehr als 25 Jahren mit turbulenten Zeiten konfrontiert war: Förderungen wie für Fahrstühle, die früher nicht denkbar waren, guter Kontakt zur Kommunalpolitik – Linken, Grünen, SPD. Jetzt sei noch mehr möglich. Sein Nachfolger wird Kai-Uwe Glause: 45 Jahre alt, seit 17 Jahren im Verein, Jurist. „Wir brauchen auch eine wohnungspolitische Gesamtstrategie für unsere Stadt“, ist er sich mit Rudolph einig. Er fordert eine Stelle, die Wohnraumplanung, Förderung und Belegungsmanagement koordiniert, überblickt, in welchen Vierteln es an sozialer Durchmischung hapert. Weiterhin im Fokus seien für ihn das Wachstum des 6000 Mitglieder starken Vereins und die Einzelberatungen für diese.

„Es ist gut, dass der Verein das Geschehen in der Stadt kritisch begleitet“, sagt Bausenator und Vorstand des Vereins Holger Matthäus (Grüne). So angespannt, wie der Wohnungsmarkt jetzt in Rostock sei, funktioniere er auch nicht.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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