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Norddeutsche Neueste Nachrichten

09. Dezember 2016 | 20:22 Uhr

Tierschutz in Rostock : Kommt die Geburtenkontrolle für Tauben?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Tierschützer fordern Stadt angesichts schneller Vermehrung zum Eingreifen auf und erheben schwere Vorwürfe gegen Sport-Züchter

„Rostock hat noch kein Taubenproblem“, sagt Steffen Fähling von der hiesigen Aktionsgruppe Tierhaltung der Albert-Schweizer-Stiftung. Aber es stehe quasi vor der Tür. Wiesbaden, Augsburg, Frankfurt am Main haben längst reagiert, in Hamburg wird sogar in der Moschee ein Taubenschlag unterhalten, erklärt Astrid Suchanek. Die frühere Bibliothekarin hatte über den hiesigen Landesverband der Tierschutzpartei, bei der sie seit 20 Jahren aktiv ist, Kontakt zu Steffen Fähling gefunden. Sie sorgte sich um die drei Taubenpopulationen am Uniplatz, Bahnhof und Doberaner Platz.

Der 27-Jährige und die 70-Jährige arbeiten nun daran zu verhindern, dass die Tiere unnötig leiden und sich übermäßig vermehren. Sie fordern die Stadt auf, zwei bis drei Taubenschläge einzurichten und dort mithilfe von Gipseiern an der Geburtenkontrolle zu arbeiten. Straßentauben sind keine Wildtiere, sie stammen von den verwilderten Haustauben ab. Die meisten hat der Taubensport nach Rostock gebracht. Züchter setzen die Tiere aus – manchmal Hunderte Kilometer von ihrem eigentlichen Taubenschlag entfernt. Sportliches Ziel: schnell den Weg nach Hause finden.

„Tauben leben in festen Partnerschaften“, erklärt Suchanek. Ihre Partner und Kinder wieder zu sehen, treibe sie bis zur völligen Entkräftung an. 30 bis 40 Prozent schaffen es nicht zurück, sie bleiben in den Städten hängen. „Dieser Sport gehört verboten“, sagt Suchanek. Die Tiere sind auf Futter angewiesen – und da halten dann runtergefallene Pommes oder Brot her. Dabei zieht die nährstofflose Kost den Tod der Taube nach sich. 15 bis 20 Jahre alt werden die Tiere in freier Wildbahn, in der Stadt nur zwei.

Die Tierschützer fürchten, dass sich das verstärkt und wie in anderen Städten immer mehr Tauben kommen. Die machen Dreck, picken zwischen Touristen in der Fußgängerpassage und sind selten gern gesehen. Was viele Städte dann machen, was auch in Mannheim, der früheren Heimat von Suchanek, passierte: Fütterungsverbot. „Das ist gesetzeswidriges Aushungern“, sagt sie.

So weit ist Rostock längst nicht. „Bei Tauben sind uns keine Brennpunkte bekannt“, erklärt Amtstierärztin Heike Neumann. Eine Beschwerde gab es dieses Jahr, als Tauben sich in defekten Vergrämungsnetzen der Bahn in Lütten Klein verfangen hatten. Das Gesundheitsamt hatte drei Anfragen zu Belästigung durch verwilderte Haustauben. Präventiv kann das Veterinäramt nur tätig werden, wenn Aufträge von oben ausgelöst werden. „Die jetzige Problemlage ist noch sehr vage“, sagt Neumann. Aus Tierschutzsicht seien Taubenschläge aber eine gute Sache. Und die bräuchten Ehrenamtliche für die Betreibung, um zu funktionieren. Die wollen die Tierschützer finden, parallel zum Bestreben, die Stadtpolitik zu überzeugen.

Kontakt zu Astrid Suchanek: 0381/21 07 70 25

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erstellt am 25.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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