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Norddeutsche Neueste Nachrichten

09. Dezember 2016 | 16:32 Uhr

Premiere in Rostock : Junge Menschen erzählen ein Stück DDR-Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

„Spur der Steine“ feiert morgen im Großen Haus Premiere. Musiktheater über System und Anarchie.

Junge Leute von heute erzählen eine Geschichte von damals. Das ist die Idee von Musiktheaterdirektor Albert Lang. Morgen feiert das Musiktheater „Spur der Steine“ um 19.30 Uhr Premiere im Rostocker Volkstheater. Dabei wird nicht der Roman von Erik Neutsch nacherzählt. „Stattdessen setzen wir junge Menschen in den Kontext von damals.“


Respekt wandelt sich in Rivalität


Mit damals meint Lang die 60er-Jahre in der DDR. Eine Zeit, in der die Roman-Protagonisten Zimmermann Hannes Balla und Parteisekretär Werner Horrath während der Planwirtschaft auf der Baustelle Schkona um die Liebe von Ingenieurin Kati Klee buhlen. Ihr gegenseitiger Respekt wandelt sich in Rivalität.

Lang und Ilsedore Reinsberg haben dazu eine Textfassung erarbeitet, die den Spannungsbogen zwischen System und Anarchie in den Mittelpunkt setzt. „Die einzelnen Personen singen sich dabei ihre Standpunkte in Monologen vor“, so der Musiktheaterdirektor. Seit August ergänzt der Berliner das Team des Rostocker Volkstheaters.

Sein Ziel ist es nicht, die Geschichte eins zu eins wiederzugeben, sondern die Geschichte aus heutiger Sicht zu betrachten. Somit entstehe nicht eine Wahrheit, sondern jeder Charakter gebe seine eigene Wahrheit wieder. Für seine Produktion hat er Künstler der Rostocker Musik-Szene, Schauspieler des Volkstheaters und Sänger der Hochschule für Musik und Theater herangezogen. „Rostock hat eine lebendige Szene und die Leute wollte ich einfach kennenlernen“, fügt er an.


Ansichten gehen auseinander


Hannes Balla steht in dem Theaterstück für Anarchie. Gesungen wird er von Johannes Meißner. Der 1984 in Ostdeutschland geborene Sänger hat sich tiefgründig mit seinem Charakter auseinandergesetzt. „Ich habe mich mit meinen Eltern und Großeltern unterhalten, mir ihre Geschichten angehört“, sagt Meißner. Dabei stellte sich heraus, dass die Gesprächspartner völlig unterschiedliche Ansichten und Meinungen über die DDR haben. Während das politische System für die einen den persönlichen Lebensweg behindert hat, war es für die anderen von Vorteil. „Man lernt dabei viel darüber, Widerstände zu reflektieren“, so der Sänger. Die Figur des Balla sei demzufolge zwar anarchistisch angelegt, aber vom System instrumentalisiert worden.

Mit Manfred Krug, der in dem 1966 produzierten Defa-Film den Hannes Balla spielte, und mit seiner Rolle als DDR-Star hat sich Meißner beschäftigt: „Man kann über ihn meinen, was man will, ich schaue ihm einfach gerne zu.“ Der Film wurde zu seiner Zeit verboten.

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