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Norddeutsche Neueste Nachrichten

25. Februar 2017 | 16:55 Uhr

Eskalation In Rostocker Innenstadt : Jugendliche gehen aufeinander los

vom

In Rostock kam es zum Streit zwischen zwei Personengruppen - mit Schlägen, Fußtritten und auch unter Verwendung von Gürteln, abgebrochenen Flaschen und Scherben sollen Jugendliche aufeinander losgegangen sein.

Rund 30 Jugendliche in zwei Gruppen sind am Donnerstagabend gegen 19.30 Uhr auf dem Doberaner Platz aufeinander losgegangen – mit Fußtritten, Schlägen, Gürteln, Scherben, abgebrochenen Bierflaschen. Es waren Deutsche wie Syrer wie Heranwachsende anderer Nationalitäten. Die Polizei bekam Hinweise, trennte die Gruppen und ermittelt nun wegen Landfriedensbruch und der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.

Der Vorfall ordnet sich in eine ganze Serie von ähnlichen ein. Viele Beteiligte waren der Polizei bereits bekannt. „Wir wissen auch, dass sie sich verabredet haben“, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Rostock, Michael Ebert. Nach größeren Schlägereien wie am 28. Januar am KTC hat die Polizei ihre Präsenz, auch in Zivil, verstärkt. Gegen 18 Uhr hatten Beamte am Donnerstag dieser Woche zwei kleine Gruppen aus insgesamt sechs Jugendlichen in den Wallanlagen angetroffen. Sie hatten einander verbal provoziert. Die Beamten brachten sie auseinander und erteilten Platzverweise. „Danach wollten sie von uns ungestört aufeinander losgehen“, sagt Ebert.

Wie spätere Ermittlungen zeigten, hatten sie sich verabredet, um Zwei gegen Zwei auf dem Doberaner Platz gegeneinander anzutreten. Das entwickelte eine eigene Dynamik, mehrere Jugendliche, die mitgekommen waren, stiegen mit ein. Außenstehende, wie Passanten oder Schaulustige, wurden nach jetzigem Ermittlungsstand nicht verletzt. Aber mindestens zwei Beteiligte: Ein 16-Jähriger erlitt Schürfwunden an den Knien, ein 17-Jähriger eine Schnittverletzung über Nase und Oberlippe. Beide wurden ambulant versorgt. Die Polizei wertet Aussagen von 28 Zeugen aus. Drei tatverdächtige Syrer (17, 18 und 20) nahm die Polizei zur Befragung mit aufs Hauptrevier.

„Die Gruppen sind sehr unübersichtlich“, sagt Ebert. Eine sei stark syrisch geprägt, die andere komplett durchmischt: Deutsche, Afghanen, Russen und weitere Nationalitäten. Zwischen beiden wechseln die Beteiligten. Worum es für gewöhnlich bei den Auseinandersetzungen geht? Mal sei ein Mädchen Thema, eine Beleidigung oder eine gekränkte Seele, meint der Polizeichef. „Es gibt eigentlichen keinen Grund – der ist weder in der Nationalität noch in der Religion zu sehen.“ Einen fremdenfeindlichen Hintergrund schließt er aus. Er hat eine fünfköpfige Ermittlungsgruppe gegründet, um den jugendlichen Intensivtätern auf die Spur zu kommen. „Wir wollen wissen, wer die Treiber, die Provokateure sind“, so der Polizeichef, „die müssen wir aus dem Spiel nehmen“. Tagesaktuell informieren sie die Staatsanwaltschaft, damit diese Maßnahmen wie Jugendarrest verfügen kann – um Täter abzuschrecken. Gefragt ist auch die Stadt. Ebert hat sie gebeten, Streetworker zu schicken. Ordnungssenator Chris Müller (SPD) will die Ermittlungen abwarten: „Nur wenn wir wissen, was die Ursache für die Gewalt war, durch wen Provokationen erfolgten und wie sich die Spirale der Gewalt entwickelt hat, können wir gemeinsam mit allen beteiligten Trägern der Jugendhilfe wirksame Maßnahmen festlegen.“

Kommentar von Nicole Pätzold: Ein altes Problem
Bandenkrieg in Rostock? – Das ist wohl die erste Angst vieler. Was die Polizei  schon ermittelt hat, wirkt fast beruhigend. Es sind Auseinandersetzungen, wie es sie schon immer unter Jugendlichen gab – durch alle Zeiten und die ganze Stadt, bei der jemand erst mit dem einen und dann dem anderen Gutfreund ist. Ins Auge fallen sie natürlich dann, wenn sie sich so zentral öffentlich abspielen wie in den letzten Wochen. Vor ein paar Jahren war das Prügeln auf dem Jakobi- oder Uniplatz angesagt. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuelle City-Serie bald genauso Geschichte ist – wenn die Treiber gefunden sind. Dass der Polizeichef die Befürchtung rausnimmt, dass Nationalitäten eine große Rolle spielen, ist auch deeskalierend – nämlich für die öffentliche Wahrnehmung. Gewalt ist immer schlecht, daran ändert ein Migrationshintergrund überhaupt nichts – weder in die eine noch die andere Richtung. 


Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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erstellt am 17.Feb.2017 | 09:15 Uhr

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