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Norddeutsche Neueste Nachrichten

29. Juni 2016 | 21:53 Uhr

Rostock : Jubiläums-Kurs Kap Hoorn

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Vor 400 Jahren erste Passage um die Südspitze Südamerikas

Zahlreiche maritime Jubiläen und Meilensteine sind auch 2016 zu verzeichnen. Hier soll allein an ein markantes Ereignis erinnert werden, das auch in Rostock seine Spuren hinterließ.

Es geschah vor 400 Jahren am 29. Januar 1616. Ein Datum, das in der Geschichte der Seefahrt als ein besonderes Kapitel gilt. Erstmals wird damals von einer Expedition der niederländischen Seefahrer Willem Cornelius Schouten und Jakob Le Maire mit dem Segler „Eendracht“ die äußerste Südspitze Südamerikas passiert. Hintergrund war die Suche nach einer Alternative für die Passage der Magellanstraße zum Handel mit den ostindischen Gewürzinseln, die nur Schiffen der Niederländischen Ostindien-Kompanie vorbehalten war. Das Kap bezeichneten die Entdecker nach ihrer westfriesischen Heimatstadt Hoorn, wo heute ein Museum an diese Zeit erinnert.

Kap Hoorn liegt auf 55° 59′ südlicher Breite und 67° 17′ westlicher Länge. Bis zur Eröffnung des Panamakanals im August 1914 war die Fahrt um das Kap Hoorn eine wichtige Schifffahrtsroute und neben der etwas weiter nördlich verlaufenden Magellanstraße der einzige schiffbare Weg von Europa aus an die Westküste Amerikas, um etwa nach Chile oder nach Kalifornien zu gelangen.

Die Umrundung des Kaps aber war voller Gefahren, woran einstige Kap-Hoorn-Fahrer aus Rostock und Umgebung erinnerten, die die NNN seit dem 11. Juni 1985 und bis 2006 zu regelmäßigen Treffen zusammenführte. Bevor ein Segler die Strecke von 50 Grad Südbreite im Atlantik bis 50 Grad Südbreite im Pazifik bewältigt hatte, war oft ein Kampf auf Leben und Tod zu bestehen, wie sie eindrucksvoll schilderten. Die Passage war vielfach ein über Wochen geführtes Ringen gegen den ungehindert blasenden Sturm, gegen die ostlaufende Strömung, gegen Kälte, Schnee und Eis. Oft zurückgeworfen, hieß es bei jedem neuen Anlauf des Schiffes „What ever you do, make westing!“.

„Hier wuchsen wir zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen“, berichtete Georg Schommartz, einer der Rostocker Kap Hoorner, der mit dem Großsegler „Parma“ der Reederei F. Laeisz das Abenteuer 1927 und 1928 bestand.

So wie er erlebten auch Paul Holtz, Helmut Ernst, Rudi Erdmann, Gerhard Just, Richard Rath und Gottfried Fischer, um nur einige zu nennen, dieses besondere Kapitel Segelschifffahrt. Ernst Weitendorf, der erste legendäre Kapitän der Schonerbrigg „Wilhelm Pieck“ (die spätere „Greif“), war sogar ein Albatros. Nach dem großen Seevogel nannte man jene Fahrensleute, die schon als Schiffsführer das berüchtigte Sturmkap bezwangen. Die anderen wurden Malamoks bezeichnet.

Die letzten frachtfahrenden Großsegler haben 1948 und 1949 das Kap passiert – darunter die „Passat“, die heute noch als Museumsschiff in Travemünde an diese Zeiten erinnert.

Eine Dokumentation anlässlich der Erstumsegelung vor 400 Jahren bereitet gegenwärtig der Abenteurer Arved Fuchs mit seiner Crew vor, der auf den Spuren der Entdecker mit seinem Haikutter „Dagmar Aaen“ auf Jubiläumskurs ging. Man darf gespannt sein, was Fuchs, der auch schon die Hanse Sail besuchte und 2012 mit seinen Schilderungen den Weihnachts-Hafenstammtisch gestaltete, zu berichten hat. Auch eine Regatta von Rennyachten wird aus diesem Anlass über mehrere Etappen derzeit ausgetragen.

Rund um Kap Hoorn geht es auch bei einem weiteren maritimen Meilenstein, der inzwischen 80 Jahre zurückliegt und in die französische Küstenstadt St. Malo führt. Im Juli 1936 wurde hier der Club der Kap-Hoorn-Fahrer aus der Taufe gehoben. Die zunächst nationale Vereinigung wurde 1950 zu einem internationalen Bund erweitert, dem der Name „Associations Amicale Internationale au Long-Cours Cap Horniers“ gegeben wurde. Die Vereinigung löste sich im Mai 2003 auf, da ihr Kreis naturgemäß kleiner wurde. Letzter Präsident (Grand Mat) war der Hamburger Kapitän Heiner Sumfleth, der auch bei den Rostocker Treffen wiederholt dabei war.

Die deutsche Sektion führte das Erbe unter Führung des Kielers Marinemalers Hans-Peter Jürgens noch bis September 2004 weiter. Mit dem 50-jährigen Bestehen folgte auch ihre Auflösung. Zuletzt waren hier noch rund 60 Kap-Hoorn-Fahrer (Altersdurchschnitt etwa 85 Jahre) und einige Ehrenmitglieder und Sympathisanten verzeichnet.

Die letzten heimischen Cap Horniers waren Helmut Ernst (1909-1997), Rudi Erdmann (1919-2003), Georg Schommartz (1911-2006), Gerhard Just (1920-2007) und Gottfried Fischer (1918-2010), die nach Beginn ihrer seemännischen Laufbahn auf einem Großsegler weitere markante Kapitel heimischer Schifffahrtsgeschichte mitgeschrieben haben. Sei es zum Beispiel bei der Wiedergeburt der alten „Gorch Fock“ oder als Kapitän des Dampfers „Vorwärts“, des ersten Schiffes der DSR.



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