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Norddeutsche Neueste Nachrichten

28. September 2016 | 20:46 Uhr

Hafen : Ihr Arbeitsfeld ist gut bestellt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Mit Daniele Priebe geht eine Institution von der Brücke des Fischereihafens. Schweren Entwicklungsweg erfolgreich gemeistert.

Ihr Dienstende naht, aber ihr Terminkalender ist noch randvoll. Da sind noch alltägliche Dinge zu klären, aber auch Weichen für die weitere Entwicklung ihres langjährigen Tätigkeitsfeldes zu stellen. Mit Daniele Priebe (62) geht Ende des Monats im Fischereihafen eine Institution von Bord. Wenn sie auch nicht mehr alles selbst ernten wird, was zuletzt gesät wurde, kann sie mit der Gewissheit gehen, dass sie ein gut bestelltes Arbeitsfeld übergibt. Die engagierte, temperamentvolle Geschäftsführerin nimmt schweren Herzens Abschied, aber die Gesundheit fordert ihr Recht. Der Stress hat Spuren hinterlassen, die auch ihre freundliche, fröhlich-burschikose Art nicht immer kaschieren kann. Ende des Monats ist es so weit, wird auf einer Belegschaftsversammlung und dann im öffentlichen Rahmen der Kapitänswechsel vollzogen.

Seit 2002 steuerte Daniele Priebe erfolgreich den Kurs des Unternehmensschiffes durch so manch tückisches Fahrwasser. Den Leitspruch alter Fahrensleute, auch bei Wind von vorn gute Fahrt voraus zu machen, hatte die gebürtige Rostockerin von ihrem Vater übernommen. Willi Paskowski war einer der tüchtigen Fischereikapitäne, die einst von Rostock und Sassnitz auf Loggern und Trawlern dem Silber des Meeres auf der Spur waren. Fast folgerichtig, dass auch einige seiner fünf Kinder im Fischkombinat Rostock Arbeit suchten. Am 1. September 1970 begann Daniele Priebe hier ihre Lehre als Industriekauffrau. Es folgte ein Studium der Ingenieurökonomie in Dippoldiswalde und die Tätigkeit in der Finanzbuchhaltung des Kombinates. Zahlen wurden ihr Metier. Als die Wende kam, führte sie die Zerschlagung des Kombinates in den Hafen, um hier leitend eine Zentralbuchhaltung nach den Bedingungen der Marktwirtschaft aufzubauen.

Eine spannende Zeit, sinniert sie rückblickend. Dort, wo zuvor vieles manuell gemacht wurde, waren nun Computerkenntnisse gefragt, Software-Programme zu nutzen, um erste Bilanzen zu eröffnen. Nach einem Jahr, die junge Frau hatte sich gerade eingearbeitet, folgte die nächste Herausforderung – die verantwortliche Tätigkeit als Prokuristin. „Es waren schwere Zeiten für uns“, erklärt die Managerin, die sich an der Seite Traute Secanders, der damaligen Hafenchefin, dieser Aufgabe engagiert stellte.

Der Hafen hatte von der Treuhand schlechte Karten erhalten. Bei der Kommunalisierung durch die Hansestadt wurde er nicht entschuldet. Immobilien wurden weggenommen, das Unternehmen aber nicht mit Liquidität ausgestattet. Altschulden drückten, Kredite waren zu begleichen. Immer wieder waren Geschäftspartner und Banken zu vertrösten, damit den Mitarbeitern die Löhne bezahlt werden konnten. „Ehrlichkeit zu den Partnern“, so Priebe rückblickend, „half uns über Durststrecken hinweg“. Fällige Tilgungen bei der DKB konnten vorübergehend ausgesetzt werden, Mitarbeiter nahmen die Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeldern notgedrungen in Kauf. 2003 wurde der Fischereihafen in die Rostocker Verkehrs- und Versorgungsholding (RVV) integriert, die 94 Prozent der Gesellschafteranteile übernahm. In den Folgejahren konnte sich das Unternehmen stabilisieren, ging es sichtbar voran, was auch den gegenwärtig 64 Mitarbeitern zugutekam. „Wir hatten nun mehr Luft zum Atmen, konnten verstärkt investieren“, berichtet die scheidende Geschäftsführerin. Kaiflächen und Hallen wurden saniert und ausgebaut, neue Technik angeschafft, die Umschlagzahlen stiegen und damit auch die wirtschaftliche Effizienz. 2005 schrieb der Hafen erstmals schwarze Zahlen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise blieb 2008 aber auch hier nicht spurlos. Gerade als wichtige Infrastrukturmaßnahmen angepackt wurden, musste über Kurzarbeit nachgedacht werden.

Auch dieses Tief wurde überwunden. 2010 gingen erstmals eine Million Tonnen über die Kais. 2015 wurde das erfolgreichste Jahr in der Geschichte, woran mit leichten Abstrichen im Holzumschlag aktuell angeknüpft werden kann. Daniele Priebe umreißt die eingeleitete Zukunftsstrategie des Hafens. Von Flächen und der Gestaltung weiterer Liegeplätze ist die Rede. An der Realisierung dieser Pläne wird sie nicht mehr unmittelbar teilhaben. Private Dinge treten in den Vordergrund.

Sie wird mehr Zeit für ihre beiden Kinder und fünf Enkelkinder haben und mit ihren Mann Erhard, der jüngst auch in Ruhestand ging, noch öfter durch unsere schöne Landschaft radeln können. Zunächst aber geht es auf Urlaubsreise zu den Kanaren. Spätestens beim Fischereitreffen im Frühjahr nächsten Jahres wird man sie sicher auch an der Stätte ihres langjährigen Wirkens wiedersehen.

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erstellt am 21.Sep.2016 | 08:00 Uhr

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