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Norddeutsche Neueste Nachrichten

09. Dezember 2016 | 20:20 Uhr

Rostock : HIV-Zahlen konstant

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Centrum für sexuelle Gesundheit bietet Schnelltests auf sexuell übertragbare Krankheiten und Beratung für Erkrankte

Die Rostocker wissen sich zu schützen: Seit gut zehn Jahren bleibt die Zahl der HIV-Neuansteckungen in der Hansestadt ungefähr auf einem Niveau. Das berichten die beiden Mitarbeiter vom Centrum für sexuelle Gesundheit (CSG), die sich auf offizielle Zahlen vom Robert-Koch-Institut berufen. So wurden 2015 im ganzen Bundesland 40 Personen mit HIV diagnostiziert, davon 10 in Rostock. Im Jahr zuvor waren es in MV 60 Diagnosen. „Diese Unterschiede sind marginal. Zum Vergleich: In ganz Mecklenburg-Vorpommern leben derzeit 670 Personen mit dem HI-Virus. Das sind genau so viele, wie sich in NRW jährlich neu anstecken“, sagt Sexualpädagoge Tom Scheel.

Zusammen mit seinem Kollegen Robert Holz bietet er in der Wokrenter Straße Beratungen sowie Schnelltests für HIV und Syphilis an und ist regelmäßig in Schulen oder auf Veranstaltungen unterwegs, um über sexuell übertragbare Krankheiten zu informieren – und das ohne erhobenen Zeigefinger.

HIV-Diagnosen müssen anonym ans Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet werden. In MV leben laut RKI derzeit rund 670 HIV-Infizierte. Etwa 160 davon wissen laut Statistik noch nichts von ihrer Erkrankung. 2015 wurden in MV 40 HIV-Diagnosen gestellt (2014 waren es 60). Hauptgruppe der Betroffenen sind Männer, die Sex mit Männern haben, gefolgt von heterosexuellen Frauen.

„Die Jugendlichen wissen schon viel, vor allem aus dem Internet oder Fernsehen. Aber dadurch entstehen eben auch zahlreiche Mythen, mit denen wir aufräumen müssen“, so Scheel. Denn HIV bedeute nicht gleich Aids – und vor allem heutzutage kein Todesurteil mehr. „Die medizinische Kontrolle nach einer Diagnose ist so engmaschig und die Medikamente mittlerweile so gut, dass die Menge des Virus’ im Blut damit unter die Nachweisgrenze gesenkt werden kann“, sagt Robert Holz. Dieser so genannte Schutz durch Therapie bedeute, dass die Infizierten dadurch nicht mehr ansteckend seien, ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, schwanger werden und auch auf natürlichem Wege ein Kind gebären könnten. Die Hauptgefahr bestünde vor der Diagnose, denn 90 Prozent der HIV-Neuansteckungen erfolgen durch sexuelle Übertragung. Zum größten Teil durch Geschlechtsverkehr unter Männern gefolgt von ungeschützten Hetero-Sexualkontakten und zum geringsten Teil durch Drogengebrauch.

Pro Jahr werden im CSG durchschnittlich etwa 100 HIV-Schnelltests durchgeführt – anonym und mit nur einen Tropfen Blut. Die Gebühr für diesen Test dient dazu, die Beratungsstelle weiterhin mit zu finanzieren.

In diesem Jahr wurden vom CSG bereits 113 Veranstaltungen durchgeführt und damit 1700 Teilnehmer erreicht. Es gab außerdem 304 telefonische und 216 persönliche Beratungen, davon 107 in Verbindung mit der Durchführung des Schnelltestes. Neu dazu gekommen sind entsprechende Informationsveranstaltungen für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge

Die Kosten der Einrichtung werden ansonsten vom Land, der Stadt und den Landkreisen Rostock sowie Mecklenburgische Seenplatte sowie durch Spenden getragen. Der Einzugsbereich umfasst etwa 600 000 Menschen. „In den 15 Jahren, die ich in dem Bereich arbeite, hatte ich vielleicht vier HIV-Diagnosen – und nicht einen Kontakt zu einem Aidskranken“, verdeutlicht Scheel den guten medizinischen Fortschritt.

Immer noch ein Problem sei dagegen die Ausgrenzung der Erkrankten, weshalb viele sich nicht trauen würden, ihre Krankheit anzugeben und für die Behandlung von MV aus in Metropolen wie Berlin oder Hamburg fahren würden.

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erstellt am 26.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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