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Norddeutsche Neueste Nachrichten

08. Dezember 2016 | 06:57 Uhr

Neue Ausstellung in Rostock : Herrenklub wieder eröffnet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Kulturhistorisches Museum zeigt in Schau „Rostocks feine Gesellschaft“ Relikte der prunkvollen Gründerzeit.

Karten spielen, Zeitung lesen, Zigarre rauchen und gemeinsam essen – was Rostocks feine Gesellschaft vor etwa 200 Jahren zum Vergnügen getrieben hat, können Besucher des Kulturhistorischen Museums am Kloster zum Heiligen Kreuz ab morgen mit eigenen Augen ansehen.

Für die neue Ausstellung „Rostocks feine Gesellschaft – der Herrenklub ,Societät‘ 1794 bis 1934“ hat Kuratorin Annelen Karge gut ein Jahr recherchiert und in Erinnerungen an die prunkvollen Zeiten geschwelgt: „Angefangen hat alles als ein Klub spielender Herren“, sagt Karge. „Der hat sich dann ganz schnell zum Machtzentrum der städtischen Politik entwickelt“, so die Kuratorin. Zu Hochzeiten habe die Societät 500 Mitglieder gezählt, darunter viele Rostocker Berühmtheiten wie Apotheker Friedrich Witte, Mediziner Georg Gustav Detharding, zahlreiche Professoren der Universität und Kaufleute.


Unterhaltung, Bildung und Geselligkeit


Deren Interessen galten im Klub vornehmlich drei Dingen: Unterhaltung, Bildung und Geselligkeit. „Es wurden Billard und Karten gespielt oder gekegelt“, sagt Karge. „Aber auch Bildung war den Herren wichtig. So gab es eine eigene Bibliothek mit Leseecke.“ Traditionell wohnten dem Klub im 19. Jahrhundert nur Herren bei. „Damen waren nur bei Festveranstaltungen und Bällen zugelassen. Denn ohne das schöne Geschlecht tanzte es sich doch eher schlecht“, weiß die Kuratorin.

Wie das vonstatten ging, können die Besucher der Schau selbst ausprobieren, denn es ist eine lebendige Schau: „Wir haben mit Toncollagen gearbeitet, auf denen die Geräuschkulisse des Kartenspielens zu hören ist, Beschwerden über den Lärm oder auch Fritz Reuter, der die Societät verspottet und die Mitglieder als Fetthammel bezeichnet“, sagt Karge. Im Ballsaal können die Besucher nicht nur prächtige Ballkleider bestaunen und das Festgeschirr und die Menükarte in Augenschein nehmen, sondern auch selbst die Schritte des Kontertanzes ausprobieren. Auch ein nachempfundener Lesesaal steht den Besuchern zur Verfügung – die Möbel darin sind eine Leihgabe aus dem Fundus des Volkstheaters. Die meisten Schätze stammen laut Museumsdirektor Dr. Steffen Stuth jedoch aus dem eigenen Fundus.


Brutstätte bedeutender Vereine


Aber der Klub hat sich nicht nur dem Essen, Trinken und Amüsement hingegeben, sondern sich auch gesellschaftlich engagiert. „Die Herren haben den Kunstverein, den Altertumsverein und nicht zuletzt das Kulturhistorische Museum gegründet“, sagt Kuratorin Karge. Zum Ende des 19. Jahrhunderts, als sich viele andere Herrenklubs zusammenschlossen, verlor die Societät allerdings an Bedeutung – und mit ihr auch das historische Gebäude in der heutigen August-Bebel-Straße 1, weiß Annelen Karge zu berichten.

Die Schau ist bis zum 26. Februar im Kulturhistorischen Museum zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, es werden Führungen angeboten.

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