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Norddeutsche Neueste Nachrichten

09. Dezember 2016 | 06:50 Uhr

Lichtenhagen : Hansestadt ehrt Josef Polz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Kleiner Weg, der das alte und neue Lichtenhagen verbindet, wird nach dem engagierten Rostocker benannt

Er liegt ein bisschen versteckt, vorbei am Trubel an der Endhaltestelle Mecklenburger Allee. Alle paar Minuten kommt eine Straßenbahn oder ein Bus, bringt Rentner, junge Mütter mit Kinderwagen, Studenten mit großen Kopfhörern nach Warnemünde, Riekdahl, in die Nachbarviertel und die Innenstadt oder zurück. Lässt man das im Rücken, den Garagenkomplex aus Ost-Zeiten links und die Hundertwasserschule rechts liegen, schlängelt sich zwischen beidem durch, wirkt Lichtenhagen plötzlich ganz ruhig, dörflich. Vorbei an der Kleingartenanlage und der bunt besprayten Garagenrückseite führt über 250 Meter ein kleiner Weg, ein fester Trampelpfad, gesäumt von Rasen. Ein Baum steht am Weg, der gerade mal zwei Fußlängen misst. Ein anderer liegt gefällt ein Stück daneben. Ab und an sieht man einen bronze- oder silberfarbenen Wetterhahn über die mannshohe Hecke luken.

Der Weg ist die kürzeste Verbindung zwischen dem neuen Lichtenhagen mit seinen Plattenbauten, das ab 1972 entstand und als Musterbeispiel für Neubau galt, und dem alten Lichtenhagen, dem ehemaligen Dorf Klein-Lichtenhagen, für das sich charakteristisch am Ende des Weges ein Einfamilienhaus mit hellrotem Klinker hinter einer Hecke erhebt.

Den Weg hatte 1976 Josef Polz angelegt, ein in Böhmen geborener Sattler und Seelsorger, der auf Bitte des Bischofs nach Rostock kam, um die katholische Kirchengemeinde St. Thomas Morus mit aufzubauen. Bei der Restaurierung der Dorfkirche und des Pfarrhauses war er federführend in der baulichen Ausführung, hat später an der Stasi vorbei in der reetgedeckten Büdnerei das Gemeindehaus mit aufgebaut, arbeitete in der Krankenhausseelsorge, auf Bitte von Joachim Gauck für den Stasi-Untersuchungsausschuss und engagierte sich für den Weidendom.

Im Verhältnis zu seinem Lebenswerk steht der kleine Weg wie ein beiläufiger Nachbarschaftsdienst da. Bis heute wird der kleine Pfad aber rege genutzt als Abkürzung zur Straßenbahn oder zur Schule. Josef Polz, Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen, ist mittlerweile gestorben – im August 2010 mit 78 Jahren. Bis zu seiner Erkrankung im Mai 2009 hatte er den Weg gepflegt. Seine Witwe Annelies trug sein Erbe fort. Jetzt soll der kleine Pfad nach Josef Polz benannt werden. Sein Sohn Markus und Einwohner Enno Zeug hatten das vor zwei Jahren beantragt. Standardisiert prüfte die Verwaltung auf Unbedenklichkeit, was aufgrund bürokratischer Hürden noch mal länger dauerte, genehmigte jetzt aber den Antrag mit Zustimmung des Hauptausschusses – und einer Ausnahme. Eigentlich sollen Straßen in Lichtenhagen Namen von Kleinstädten in MV und Schleswig-Holstein tragen. So sieht es die Satzung vor. FürJosef Polz wird eine Ausnahme gemacht. „In Würdigung der Lebensleistung von Josef Polz soll der Straßenname vergeben werden“, heißt es aus dem Liegenschaftsamt. Amtlich wird das im November. Ein Schild folgt.

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erstellt am 29.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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