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Norddeutsche Neueste Nachrichten

28. September 2016 | 22:31 Uhr

Flüchtlinge in Rostock : Groß Kleiner arbeiten den Juli auf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Einwohnerversammlung nach Anfeindungen gegen und durch Flüchtlinge. Sozialsenator: Alle Jugendlichen sind gleich

Fakten statt Gerüchte: Bei einer Einwohnerversammlung in der voll besetzten Aula der Störtebeker-Schule haben die Groß Kleiner gestern die Probleme in ihrem Viertel gerade gerückt. Im Juli hatte die Stadt nach massiven Anfeindungen ein Teilhabezentrum und Wohngemeinschaften für unbegleitete Flüchtlinge zwischen 7 und 17 Jahren geschlossen. Vorausgegangen waren Pöbeleien, Saufgelage und gewalttätige Auseinandersetzungen – beider Seiten, wie Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) klarstellt.

Er wirbt zugleich aber um Verständnis und betont: Ihr Verhalten haben die oftmals traumatisch belasteten Kinder und Jugendlichen nicht exklusiv. Grenzen auszutesten sei unabhängig von der Nationalität. Darauf müsse erzieherisch reagiert werden. Und „eine traumatische Belastungsstörung treibt viele Menschen in den Alkoholismus“, sagt er. Deshalb würden auch viele der minderjährigen Flüchtlinge versuchen, ihr Leid von der Seele zu trinken, bestätigt Rostocks Polizeichef Michael Ebert. Schönzureden gebe es da nichts. Bei den deutschen Jugendlichen, die abends vor dem Teilhabezentrum getrunken und rumgegrölt hatten, allerdings ebenso wenig. „Ich war persönlich öfter da und habe mehr saufende deutsche Kinder und Jugendliche gesehen, als Kinder aus der Einrichtung“, so Ebert.

Dieses Problem hat auch Anwohner Thomas Ratzlaff festgestellt. „Den ganzen Sommer über haben wir nachts saufende und krakeelende Jugendliche auf dem Sportplatz neben unserem Haus – da ist nicht ein Ausländer dabei“, sagt er. „Ich kann Ihnen versprechen: Es gibt unter den Flüchtlingen prozentual genauso viele Arschlöcher, wie unter den Deutschen“, fügt er an. Eine Aussage, die der Polizeichef bereits zuvor mit Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik untermauert hatte. In der fallen Ausländer nicht überdurchschnittlich auf, auch nicht in Groß Klein und auch nicht bei sexuellen Übergriffen oder Diebstählen. „Mit mir brauchen sie keine Phantomdiskussion führen“, so Ebert.

Bei Bedarf werden künftig wieder minderjährige Flüchtlinge in Groß Klein untergebracht, kündigt Bockhahn an. Dass das Zusammenleben im Stadtteil auch positiv funktionieren kann, zeigt Anwohner Torsten Reinke auf. Bei ihm wohnt eine syrische Familie, mit der er sich angefreundet hat. „Ich lebe im vierten Stock und als ich am Knie operiert wurde, waren sie es, die sich um mich gekümmert haben“, sagt er.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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