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Norddeutsche Neueste Nachrichten

30. Mai 2016 | 04:58 Uhr

Erweiterung Uni Rostock : Gärtner fürchten um ihre Existenz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Laut Bebauungsplan der Stadt sollen jetzt vier statt drei Anlagen in der Südstadt weichen. Kirche kritisiert Vorgehen der Verwaltung

Wo heute Erdbeeren und Obstbäume wachsen, will die Stadt Platz für die Uni und ihre Studenten schaffen. Die Kleingärten zwischen Südring, Albert-Einstein- und Joachim-Jungius-Straße sollen Forschungsgebäuden und Wohnheimen weichen, bestehende Wohnhäuser zwischen Max-Planck- und Max-von-Laue-Straße sollen erweitert werden. So sieht es der Bebauungsplan Studieren und Wohnen beim Pulverturm vor.

Bei Marko Diekmann kommt das gar nicht gut an. Der Vorsitzende der Kleingartenanlage An’n schewen Barg sagt: „Bisher hieß es immer, wir sollen als grünes Band erhalten bleiben.“ So ist es im Flächennutzungsplan der Stadt festgeschrieben, der als Grundlage jeglicher Planung dient. Doch der Bebauungsplan des Amtes für Stadtentwicklung schließt die Anlage mit ihren 46 Parzellen plötzlich ein. „Noch sind die Gärten in Schuss, wenn es Bauland wird, gibt sich keiner mehr Mühe und ich werde sie nicht mehr los“, sagt Diekmann. In diesem Jahr feiert sein Verein 80-jähriges Bestehen, doch durch die Pläne der Stadtverwaltung droht den 81 Mitgliedern langfristig das Aus.

Ähnlich geht es den benachbarten Vereinen und ihren Anlagen wie dem Dwarsweg oder dem Primelweg, deren Schicksal allerdings schon lange im Flächennutzungsplan festgehalten war. Sie alle werden vom Verband der Gartenfreunde vertreten. Dessen Vorsitzender Christian Seifert sieht das Vertrauensverhältnis zur Stadtverwaltung erschüttert. Sie habe ohne Absprache versucht, „uns eine vierte Anlage unterzujubeln, die wir einfach so schlucken sollten“. Den einvernehmlich erarbeiteten Plänen zufolge sollten nur drei der Anlagen weichen.

Aus heutiger Sicht sei aber selbst das fraglich, so Seifert: „Das Kleingartenwesen in Rostock boomt wieder. Wir haben praktisch keinen Leerstand, die Quote liegt bei 0,5 Prozent.“ Angesichts dieser hohen Nachfrage könne es nicht im Interesse der Bürger sein, die Zahl der Gärten zu reduzieren. Er appelliert an die Mitglieder des Ortsbeirats Südstadt: „Sie müssen sich für Ihre Bürger ins Zeug legen.“

Die jedoch haben die Vorlage auf ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag vertagt. Sie wollen auf eine überarbeitete Version des Bebauungsplans warten und die offenen Fragen klären. Zu diesen zählen auch die Eigentumsverhältnisse, wie Pastor Markus Kiss von der Südstadtgemeinde betont. Er wohnt im Herzen des Gebiets, wo sich auch die anderen Gebäude der Gemeinde befinden und sagt: „Die Hälfte der Fläche ist nicht in Stadthand, das ist ein kompletter Zebrastreifen.“ Eigentümer sind neben seiner auch die Innenstadt- und die Heiligen-Geist-Gemeinde, das Land MV, Genossenschaften und andere Privatpersonen. Deswegen fordert Kiss: „Erst müssen die Grundstücksverhältnisse sinnvoll geklärt werden.“ Er zeigt sich generell von der Vorgehensweise der Verwaltung irritiert: „Wenn man einfach nur etwas hingekippt bekommt, wirkt es seltsam auf mich.“

Trotz der offenen Probleme ist der Ortsbeirat aufgeschlossen für die Pläne der Verwaltung. Horst Patzwahl (Linke) sagt: „Wir haben grundsätzlich nichts dagegen, dass dort gebaut wird, Schwerpunkt sollte studentisches Wohnen und sozialer Wohnungsbau sein.“ Und sein Kollege Henning Wüstemann (Grüne) ergänzt: „Das ist sinnvoll und im Zweifel für das Gemeinwohl wichtiger als die Kleingartenanlagen.“

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erstellt am 08.Feb.2016 | 08:00 Uhr

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