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Norddeutsche Neueste Nachrichten

27. September 2016 | 12:24 Uhr

Universität Rostock : Forscher tricksen Pflanzen aus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Wissenschaftler entfernen nach der Ernte ungenießbare Abwehrstoffe und bieten Landwirten so Alternativen zu Soja-Importen

Forscher der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät (AUF) der Uni Rostock überlisten Pflanzen mit einem neuen Verfahren. „Pflanzliche Abwehrstoffe, die einerseits für das Gedeihen der Pflanzen unerlässlich sind, schmecken andererseits Nutztieren wie Kühen, Schweinen oder Ziegen nicht“, erklärt Mathias Schlegel von der AUF. Genau diese ernährungsschädlichen Abwehrstoffe wollen er und sein Team ausschalten. Dann stünde rundum schmackhaftes Grünfutter für die Tiere zur Verfügung.

Eine Illusion? „Oh nein“, sagt der junge Forscher Bassel Ibrahim. Unter seiner Projektleitung entwickeln die Rostocker Wissenschaftler jetzt ein innovatives Verfahren, ähnlich dem der Silageherstellung. Ihr Trick: Sie schalten die ungewünschten Substanzen erst nach der Ernte aus. „Was die lebenden Pflanzen nicht vertragen, mögen die geernteten auch nicht“, sagt Bassel Ibrahim.

Die Forscher konzentrieren sich bei ihren Untersuchungen auf Pflanzen mit hohem Eiweißanteil wie Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen und die tropische Jackbohne. Letztere hatte Luis Gonzales, ein Doktorand aus Kuba, für Versuche aus seiner Heimat mit an die Uni Rostock gebracht. Den zerkleinerten Pflanzen wird in einem Behälter ein hoher Wasseranteil von 80 bis 90 Prozent zugeführt. „Das ist genau die Menge, ähnlich einem Starkregen in der Natur, den die Pflanzen nicht mögen. Die Enzyme der Mikroorganismen greifen die Pflanzen unter diesen Bedingungen an. Der hohe Wassergehalt ist dabei der Nährboden für eine Population von Mikroorganismen, die nötig ist, um eine hohe Enzymflut zu generieren“, sagt Ibrahim.

Bislang dauert es mindestens vier Wochen, bis Silage reif zum Verfüttern ist. Aber das übliche silierte Futter beinhaltet immer noch die ernährungsschädlichen Substanzen. „Das ist ganz anders bei unserem innovativen und in zwei Tagen abgeschlossenen Verfahren“, erläutert Dr. Mathias Schlegel, der an dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt mitwirkt und die Idee als Patent angemeldet hat.

Es gelingt den Rostocker Forschern mit dem neuen Verfahren, Alternativen zu Soja-Importen anzubieten. Die sind wegen der immer relevanter werdenden Gentechnik auch umstritten. „Wenn heimische Eiweißpflanzen wie Erbse, Lupine oder Ackerbohne dem neuen, an der Uni Rostock entwickelten Verfahren ausgesetzt werden, erhöhen wir deren Schmackhaftigkeit für die Tiere“, sagt Schlegel. Das Ersetzen von nur einem Prozent des importierten und teurer werdenden Sojas in Europa kann 40 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß verhindern, hat Norbert Kanswohl, der eine Professur für Agrartechnologie und Verfahrenstechnik innehat, errechnet.

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