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Norddeutsche Neueste Nachrichten

09. Dezember 2016 | 04:58 Uhr

Interview : Experten diskutieren: Hat die Schulmedizin ausgedient?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die Conventer Gespräche gehen in die nächste Runde. Mit dabei ist diesmal die Ärztin Dr. Susanne Kreft.

Unter dem Titel „Alternative Medizin – Hat Schulmedizin ausgedient?“ diskutieren verschiedene Experten beim nächsten Conventer Gespräch am Montag, 24. November, um 19 Uhr im Conventer Atrium in Börgerende. Innerhalb der Reihe zu Medizin und Ethik lädt der Veranstalter Prof. Gustav Steinhoff die Ganzheitsmedizinerin Dr. Susanne Kreft ein. Außerdem dabei: Prof. Dr. Horst Klinkmann (Präsident des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern), Dr. Andreas Crusius (Präsident der Ärztekammer MV) sowie Uwe Tiemann (Vorsitzender des Fachverbands Deutscher Heilpraktiker). Im Vorfeld sprach NNN-Autorin Renate Heusch-Lahl mit Susanne Kreft über Chinesische Medizin, Schmerztherapie und Naturheilverfahren.

 

Was ist alternative Medizin?
Kreft: Der Begriff alternativ hat schon lange ausgedient und wurde durch den Begriff der Komplementärmedizin abgelöst. Komplementär wird häufig als ergänzend übersetzt, enthält aber auch den Aspekt der Beziehung zwischen Gegensätzen wie zum Beispiel Yin-Yang der chinesischen Philosophie.

Was ist Ihr Leitmotiv?
Der Patient ist wichtiger als seine Krankheit. Das ist mein Leitsatz, seitdem ich 1990 mein Studium abgeschlossen und parallel zur Facharztausbildung die Akupunkturausbildung begonnen habe. Meine eigene Ergänzung dazu heißt: Der Arzt ist wichtiger als seine Therapiemethode. Dem entspricht ebenso ein zweiter Leitsatz von Paracelsus: Die beste Arznei für den Menschen ist der Mensch. Und der höchste Grad der Arznei ist die Liebe.


Ist das nicht etwas zu hochgegriffen?
Das hört sich fast ein bisschen hochtrabend an, ist jedoch ganz einfach gemeint. Die Arzt-Patienten-Beziehung hat einen sehr entscheidenden Einfluss auf die Gesundung oder Heilung des Patienten. Diese wird auf Grund der Natur der komplementärmedizinischen Verfahren wie lange Anamnesen, viel Beratung und Untersuchungen mehr gepflegt. Dementsprechend ist die Komplementärmedizin eine Medizin der Beziehung.

Und das macht die Schulmedizin nicht?
Das ist der heutigen Schulmedizin im Zeitalter der Gesundheitswirtschaft ein bisschen abhanden gekommen. Der Mensch und das Menschliche sind vielfach verloren gegangen. Es gibt wenig Zeit für Gespräche, mangelnde körperliche Untersuchungen und nur knappe Aufklärungen. Dabei sind eigentlich Sprechen und körperliches Untersuchen die urärztlichsten Aufgaben in der Medizin.

Was ist Ihre Vision?
Ich würde mir wünschen, dass sich auch die Schulmedizin ebenso zu einer Komplementärmedizin entwickelt. Der Beziehungsaspekt, also die Arzt-Patienten-Beziehung, muss wieder in den Mittelpunkt rücken. Dann sind die Therapiemethoden sowohl aus dem Bereich der Schulmedizin als auch aus der Naturheilkunde oder anderen Bereichen gleichwertig für den Patienten nutzbar.
 

Karten: 038203/229 24







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