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Norddeutsche Neueste Nachrichten

03. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

Fischer in Not : EU droht mit Absenkung der Fangquote

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostocker Forscher warnen vor Überfischung. EU-Minister beraten über Absenkung der Dorsch-Fangquote um fast 90 Prozent

In Luxemburg könnte sich heute oder morgen das Schicksal vieler Ostseefischer entscheiden. Die Fischereiminister der EU-Staaten wollen sich auf die Fangquoten für die Ostsee im kommenden Jahr einigen. Umstritten ist vor allem der Dorsch, denn angesichts des schrumpfenden Bestands in der westlichen Ostsee droht den Fischern eine Absenkung der Quoten um 88 Prozent.

Nach Angaben des Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei würde das dazu führen, dass rund jeder zweite Berufsfischer seinen Beruf aufgeben wird. Statt bislang 12 700 Tonnen dürften demnach im kommenden Jahr nur 1588 Tonnen Dorsch in der westlichen Ostsee gefangen werden, davon nicht einmal 400 Tonnen von deutschen Fischern. Vor allem für die schleswig-holsteinische Fischerei würde die Absenkung der Quote ein Riesenproblem. Mehr als die auf den Hering konzentrierten Fischer in Mecklenburg-Vorpommern erwirtschaften sie ihre Erlöse aus dem Dorsch.

Dennoch halten die Fischereibiologen eine Reduzierung der Fangmengen für unausweichlich. „Seit 20 Jahren wird der Dorsch in der westlichen Ostsee überfischt“, sagte der Direktor des Instituts, Christopher Zimmermann. Die Nachwuchsproduktion sei dramatisch eingebrochen. „Die Reproduktionsrate lag im vergangenen Jahr bei zehn Prozent des zehnjährigen Mittels.“ Damit steige das Risiko, dass der Bestand ganz zusammenbreche. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hat den Fischereiministern deshalb die minus 88 Prozent als Vorlage auf den Tisch gelegt.

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) weiß, dass eine solche Reduzierung der Dorschquote der Todesstoß für viele Fischer werden könnte. 2016 lag die Dorschquote in MV bei 821 Tonnen. Diese sei bereits das Ergebnis einer massiven Kürzung gewesen, sagte Backhaus. Der ICES-Empfehlung zufolge dürften nur noch 98 Tonnen Dorsch gefangen werden. Da auch die Heringsquote seit 2008 gesunken sei, seien weitere Betriebsaufgaben zu erwarten, sagte Backhaus. Nach Ministeriumsangaben ist die Zahl der Berufsfischer seit 1990 von 1380 auf 250 Betriebe zurückgegangen.

Backhaus plädiert angesichts der Existenznöte der Fischer für eine „wirtschaftlich und sozial tragfähige Reduzierung der Dorschquote“ – und als Kompensation finanzielle Hilfen wie eine Prämierung der zeitweiligen und endgültigen Stilllegung von Kuttern. Auch Dänemark ist an einer Quote Marke „Light“ interessiert. Statt um nahezu 90 Prozent sollte die Quote nur um 20 Prozent gedrückt werden.

Das Thünen-Institut plädiert für die Beteiligung der Freizeitangler. „Nur ein Gesamtpaket von verschiedenen Maßnahmen kann eine 90-prozentige Absenkung der Fangquote für die Berufsfischerei verhindern“, sagte Fischereibiologe Zimmermann. So könnte es für Freizeitangler Tageslimits von fünf Fischen geben.

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