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Norddeutsche Neueste Nachrichten

28. September 2016 | 17:23 Uhr

So Schmeckt Rostock : Ein schmackhaftes Männerhobby

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Martin Neumann aus Klein Kussewitz brennt Kaland-Kümmel. Destille will ihr Sortiment noch im Herbst erweitern.

Die dunkelrote Farbe bekommt Martin Neumann trotz Schrubben nicht so richtig von den Fingern ab. Gerade hat er eine große Menge schwarzer Johannisbeeren in den Brennkessel gegeben. „Das ist ein Versuch für ein neues Produkt“, sagt er. Denn noch jetzt im Herbst will der Unternehmer sein Sortiment erweitern – um Liköre und Geiste aus traditioneller Herstellung ohne Farbstoffe und Aromen. Erstes Produkt und bisheriger Verkaufsschlager des Klein Kussewitzers ist aber der Kaland-Kümmel.

Es war vor zwei Jahren, als der 35-Jährige überlegte, sich beruflich umzuorientieren. Und da er selbst einen „Hang zum Genuss“ pflegt, kam ihm die Idee, Spirituosen herzustellen. „Ich wollte weg vom Online-Marketing und etwas herstellen, hinter dem ich stehe, etwas Ehrliches, Handgemachtes“, so Neumann. Am 11. November 2014 gründete er deshalb zusammen mit Torsten Gebert die „Erste Männerhobby GmbH“.

Mittlerweile ist für Neumann der Name des Unternehmens nicht mehr Programm und aus dem Hobby für ihn ein Vollzeitjob geworden. Im Firmensitz, einer alten LPG-Halle in Klein Kussewitz, wurde früher Saatgut aufbewahrt. Heute steht in einem gefliesten Raum das Herzstück der Destille – eine Geistblase mit einem Füllvolumen von 250 Litern, beheizt von einem Gasbrenner.

Immer wieder wirft Neumann durch die Schaugläser einen Blick ins Innere der Kupferdestille, um den mehrstündigen Brennvorgang zu kontrollieren. Moderne Regeltechnik ermöglicht es ihm, auch während des Prozesses nachzusteuern. „Ich entdecke bei jedem Brennen immer noch etwas Neues“, sagt der Unternehmer, der mal begonnen hatte, Chemie zu studieren und sich dann mit einem Kurs in Stuttgart auf sein neues Betätigungsfeld vorbereitet hat.

Dass die regionale Brennerei mit einem Kümmel startete, war das Ergebnis einer längeren Diskussion. „Wir dachten erst an Gin, weil der gerade wieder richtig boomt“, so Neumann. Eben dieser Boom mache es aber neuen Unternehmen fast unmöglich, in den bereits riesigen Markt einzusteigen. So kam der Kümmel ins Spiel. An der speziellen Rezeptur wurde ein halbes Jahr mit einem befreundeten Barmeister experimentiert. „Diese Zeit haben wir auch gebraucht, denn der Kümmel hat schwierige Eigenheiten“, bilanziert der Firmenchef. Nach dem Brennen wird das Destillat auf Trinkstärke herabgesetzt, was es trüb macht. Bei minus 5 Grad wird der Kümmel anschließend filtriert und noch einmal vor der Abfüllung, an die sich eine Ruhezeit anschließt.

Die Rohstoffe, die Neumann verwendet, sind regional. „Da wir mit unserer Geistbrennerei nicht alles selbst herstellen dürfen, sondern nur Alkohol veredeln, kaufen wir den Rohalkohol bei der Großbrennerei in Dettmannsdorf“, so der 35-Jährige. Der Kümmel selbst stammt aus Brandenburg und wird mit Zitrone und Anis verfeinert. „Die Resonanz auf den Geschmack ist sehr positiv“, weiß Neumann nach fast einem Jahr Betrieb. Pro Brenndurchgang, der fünf bis sechs Stunden dauert, kann er am Ende zwischen 130 und 250 Flaschen Kaland abfüllen.

Nicht nur die Spirituose selbst, sondern auch ihr Name hat natürlich einen regionalen Bezug. „Kümmel ist ein altes Gewürz, deshalb wollten wir eine historische Bedeutung und einen Namen, der mit K anfängt“, sagt Martin Neumann. Seine Frau Katharina war es dann, die auf die mittelalterliche Vereinigung der Kalandsbrüder stieß. Deren Namen stammt vom lateinischen Wort Kalendae ab, weil sich diese wohlhabenden Männer immer am ersten eines Monats bei gutem Essen trafen, um der Gesellschaft etwas Gutes zu tun.

Genau das, was auch Martin Neumann mit seinem Kümmel will, der guten Tischgesellschaften nach einem leckeren Essen mundet und in Klein Kussewitz auch immer zu Monatsbeginn gebrannt wird.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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