zur Navigation springen

Norddeutsche Neueste Nachrichten

02. Dezember 2016 | 21:09 Uhr

Caught in the Act in Rostock : Das Comeback als Therapie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

18 Jahre nach Trennung der Band kommen die 90er-Jahre Stars von Caught in the Act wieder auf Tour – und auch nach Rostock

Sie hingen als Poster an Kinderzimmerwänden und konnten sich vor kreischenden weiblichen Fans mit Kuscheltieren nicht retten: 18 Jahre nach ihrer Trennung ist die Boyband Caught in the Act wieder auf Tour und macht am 9. Dezember im Rostocker Mau-Club Station. Im Interview mit NNN-Redakteurin Claudia Labude-Gericke spricht Sänger Eloy de Jong (43) über frühere Zeiten, neue Freiheiten, Zukunftspläne und darüber, ob die Mittvierziger heute noch bauchfrei tragen.

Mit der Trennung 1998 habt Ihr Teenager-Herzen gebrochen. Wie kam es dazu?
Das war nicht ganz freiwillig. Einer von uns wollte am Ende aussteigen und es gab das Angebot, in Amerika durchzustarten. Aber nur zu viert, weshalb die US-Plattenfirma meinte, dass wir einen neuen vierten jungen Mann dazu bekommen sollten. Während wir das noch überlegten und diskutierten, habe ich zu Hause in Amsterdam einen Anruf von einer Bravo-Reporterin bekommen, die fragte, ob es stimmt, dass es die Band nicht mehr gibt. Ich war total überrascht und geschockt, habe den Fernseher angemacht und das dann auch in den Nachrichten gesehen.

Wie war es, von einem Tag auf den anderen kein gefeierter Popstar mehr zu sein?
 Unglaublich, wie eine Achterbahn, die von einem Moment auf den anderen komplett still steht. Das Ende der Band war ein Albtraum und hätte eigentlich ganz anders sein müssen. Positiv war natürlich die neu gewonnene Freiheit. In einem Alter, in dem andere erwachsen werden und eigene Entscheidungen treffen, waren wir ja in einer Boyband. Ich hatte nach dem Aus lange mit einem Burnout zu kämpfen und wir alle hatten damit zu tun, die Welt als normale Menschen kennenzulernen, selbst zu entscheiden, wann wir uns rasieren oder was wir anziehen.

Kurz nach dem Ende der Band hast Du dich auch geoutet...
Ich habe in der Zeit bei Caught in the Act immer einen Teil von mir verstecken müssen und jetzt bin ich so stolz und froh, dass ich mein Leben leben kann. Ich bin seit neun Jahren glücklich mit meinem Partner, wir haben eine wundervolle fünfjährige Tochter namens Indy und die Fans sind glücklicherweise noch immer da. Früher habe ich gedacht, dass keiner mehr zu unseren Konzerten kommt, wenn sie wüssten, wie ich wirklich bin. Das ist ein unmenschlicher Druck gewesen und die Freiheit, die ich jetzt erlebe, ist wirklich großartig.

Wie war das erste Wiedersehen der Bandmitglieder?
Das war 2015 in Köln und in erster Linie therapeutisch gedacht. Wir vier hatten nach dem Abschiedskonzert nicht mehr miteinander gesprochen. Deshalb ging es darum, einander wieder kennenzulernen und zu erfahren, wie die anderen das alles verarbeitet haben. Da ging es nicht gleich darum, wieder anzufangen. Dann kam aber das Angebot, bei der großen Silvestershow am Brandenburger Tor aufzutreten und wir dachten, dass das ein super Start wäre, wenn wir wirklich ein Comeback wollen. Benjamin hat dann entschieden, es nicht zu machen und auf seine Solokarriere zu setzen. Das ist auch okay und wir wünschen einander alles Gute. Wenn man so etwas macht in diesem Alter, dann nur, weil man es selber will.

Worauf können sich die Fans freuen?
Auf unser neues Album „Back for love“, das am 18. November erscheint und neben unseren größten Hits auch drei neue Songs enthält. Während der Produktion des Albums haben wir zusammen in meinem Ferienhaus in der Nähe von Koblenz gelebt , nach der Zeit im Tonstudio selber gekocht und abends am Feuer Wein getrunken. Das war total anders als früher und wirklich traumhaft und familiär.

Wie bereitet Ihr euch auf die Tour vor?
Gerade machen wir viele Auftritte, um unsere erste Single vom neuen Album zu promoten. Und wir studieren die Choreografien ein.

Haben nach einer so langen Trennungszeit die Texte und Choreografien noch gesessen?
Das Coole war, wir haben für das neue Album unsere großen Hits wieder ganz neu produziert und auch schon ein paar Auftritte gemacht. Als im Studio dann „My arms keep missing you“ lief, haben wir drei gleichzeitig angefangen mit der Choreografie von früher. Das muss im Gehirn oder im Körper noch abgespeichert sein. Ich weiß nicht, wie es funktioniert, aber manche Sachen vergisst man scheinbar nicht.

Wollt Ihr mit der Tour eher die alten oder neue Fans ansprechen?
Das Schöne ist – bei jedem Konzert kommen ganz viele Fans auf uns zu, die sagen: Danke, dass Ihr unsere Jugend so schön gemacht habt und jetzt wieder da seid. Das ist irgendwie auch wie ein Klassentreffen. Bei unseren Konzerten feiern wir deshalb die Vergangenheit, gucken aber natürlich auch in die Zukunft. Und die Boybands der 90er-Jahre sind ja mittlerweile auch Kult. Weil viele unserer Fans mittlerweile aber auch Mama geworden sind, kommen mittlerweile ganze Familien zum Konzert. Und das ist toll.

Könnt Ihr noch bauchfrei tragen wie in Euren Musikvideos?
Also, davon müssen sich die Fans beim Konzert selber überzeugen. Aber das Gute ist, die Mode von früher kommt ja immer wieder. Neon zum Beispiel ist ja gerade wieder im Trend.

Früher flogen bei Konzerten tonnenweise Plüschtiere auf die Bühne. Was sollen die Fans heute werfen?
Ich bekomme noch immer viele Kuscheltiere, weil viele wissen, dass ich eine kleine Tochter habe. Es kam auch schon vor, dass wir einen Teddybär bekommen haben und die Fans dann sagen: Der ist schon 20 Jahre in meinem Besitz, aber früher habe ich es nicht geschafft, ihn euch zu geben. Das sind natürlich tolle Geschichten. Das Wichtigste ist, dass wir Spaß miteinander haben. Wenn unsere Fans etwas auf die Bühne werfen, dann sollte es bitte nicht zu hart sein (lacht).

zur Startseite

von
erstellt am 03.Nov.2016 | 20:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen