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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. März 2017 | 07:12 Uhr

Rostock : „Candide“ kippt Optimismus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Volkstheater feiert Premiere der komischen Operette nach Voltaire

„Es begann eigentlich mit einem großen Erdbeben“, berichtet Dramaturgin Johanna Schall. 30 000 Menschen starben. „Voltaire, ein sehr streitbarer Kopf, hat sich das zum Anlass gemacht, eine bestehende philosophische Richtung, den Optimismus, anzugreifen“, führt Schall aus. Die Novelle „Candide oder der Optimismus“ entstand. Leonard Bernstein hat den Stoff knapp zwei Jahrhunderte später, 1956, als Musical an den Broadway geholt. Noch mal mehr als ein halbes Jahrhundert später machen das nun auch Dramaturgin Johanna Schall und Manfred Hermann Lehner als musikalischer Leiter für das Volkstheater – „Candide“ ist ihre komische Operette.

„Wenn man die Story hört, denkt man: ,Wie soll das unterhaltsam sein’“, so Lehner. Aber das sei es. Candide (Christopher Diffey), ein uneheliches Kind (von wem, wird nicht wirklich geklärt), lebt in einer auf Glückseligkeit getrimmten Adelsfamilie. Spiritueller Lehrer ist ihm Dr. Pangloss (Stefan Sevenich), in dessen Rolle als eine von vielen Voltaire schlüpft, der dem Stück als aktiver Erzähler dient. Die Botschaft, die Pangloss transportiert: „Alles in der Welt ist gut. Alles hier ist recht und gut.“ Das schmettern die Sänger auf Englisch mit deutschen Übertiteln über die Bühne, dass man es, karikiert wie sie sich geben, nicht glauben möchte. Und die Idylle bricht, natürlich, das ist Voltaires Ziel. Die Kurzfassung: Candide und die Tochter der Familie Cunegonde (Elena Fink) verlieben sich, er wird verstoßen, die Familie von Soldaten gemetzelt, Candide geht auf Weltreise, die Toten stehen wieder auf – erzählt wird das alles auf Deutsch. Abgründig- und Grausamkeit werden nur skizziert und bekommen mit Voltaires Sarkasmus eine unerwartete Leichtigkeit, zumindest eine Ermangelung an Schwere. Candides Einstellung zum Optimismus schwankt. Aus dem Garten Eden seiner Familie vertrieben, wählt er letztlich wieder einen Garten, einen echten.

Das könnte irrational wie Dadaismus wirken, aber den kannte Voltaire 1759, als er seine satirische Novelle schrieb, noch nicht und so hat das Stück vor allem eins: Tiefgang. Darauf kann der Besucher sich zur Premiere heute um 18 Uhr im Großen Saal freuen, ebenso wie auf eine musikalische Weltreise mit auffallenden spanischen Akzenten.

Termine: 30. Juni um 19.30 Uhr, 3. und 6. Juli um 15 Uhr, 10. Juli um 18 Uhr

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erstellt am 26.Jun.2016 | 09:00 Uhr

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