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Norddeutsche Neueste Nachrichten

04. Dezember 2016 | 19:21 Uhr

Sparvorhaben in Rostock in der Kritik : Brandbrief am Volkstheater

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Philharmonische Gesellschaft kämpft gegen mögliche Orchester-Verkleinerung

Mit einem Brandbrief wehrt sich die Philharmonische Gesellschaft gegen einen möglichen Stellenabbau in der Norddeutschen Philharmonie. Intendant Joachim Kümmritz hatte unter dem Zwang der Sparvorgaben von Stadt und Land zuletzt vorgeschlagen, das Orchester von 73 auf 63 Musiker zu verkleinern. Dafür wäre zudem der Ausstieg aus dem gültigen Haustarifvertrag notwendig. Das hatte der Aufsichtsrat auf seiner vergangenen Sitzung vorerst abgelehnt und belastbare Zahlen gefordert. Die sollen bis zum nächsten Treffen der Mitglieder am 10. November vorliegen.

„Die Streichung von zehn Musikerstellen und eine weitere Schrumpfung des Orchesters sind nicht hinnehmbar“, heißt es in dem Brief der Philharmonischen Gesellschaft und ihres Vorsitzenden Thomas Diestel. Für zahlreiche Stücke müssten schon jetzt für viel Geld externe Solospieler angeheuert werden, da diese nicht mehr fest angestellt werden dürften. Dabei sei das die teurere Variante. „Zudem empfinden wir es als moralisch verwerflich, die Gehälter von Künstlern verschiedener Sparten – von Schauspielern, Tänzern und Musikern – gegeneinander auszuspielen“, heißt es im Brief. Hintergrund: Kümmritz will anstelle der Musiker mehr Schauspieler – die sind billiger. Ihre Zahl soll von derzeit vier Festangestellten und zusätzlich vier Gästen auf 14 steigen.

Der ehemalige kaufmännische Geschäftsführer Stefan Rosinski hatte noch voll auf die Philharmonie gesetzt. Seine Begründung damals: Das Orchester spiele am meisten Geld ein. Kümmritz sagt nun: „Das Modell ist nicht durchfinanziert.“ Allen sei klar, wo die Kosten lägen. Dennoch sei lange Augenwischerei betrieben worden, um sich vor der Grundsatzentscheidung zu drücken. „Jeder kennt doch das Problem: Entweder gibt es mehr Geld oder es müssen eben Entscheidungen getroffen werden“, so der Intendant. Und die hätten zwangsweise Opfer zur Folge. Welche, das sei Sache des Gesellschafters, also der Stadt. „Der Intendant kann nur Vorschläge machen“, sagt Kümmritz. Dennoch sei er „am Ende der Dumme“.

Theater-Aufsichtsratschefin Sybille Bachmann sieht noch ein Problem, das die finanzielle Situation verschärft: den verschobenen Neubau. Ursprünglich war dessen Fertigstellung 2018 anvisiert, nun wird seine Inbetriebnahme voraussichtlich erst 2023 erfolgen. Dabei gebe es bereits ab 2021 eine Finanzierungslücke. „Ohne Neubau werden die Übergangsmodelle immer schwieriger“, so Bachmann.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 20:55 Uhr

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