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Norddeutsche Neueste Nachrichten

04. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Rostock : Betrug im Internet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gericht fordert Haftstrafen für Carmelina H. und ihren Komplizen

Wenn es nach dem Vertreter der Anklage geht, muss Carmelina H.(22) aus Rostock für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis und ihr Mitangeklagter, der Güstrower Carsten W.(25), für drei Jahre und neun Monate. Der Staatsanwalt ging in seinem Plädoyer gestern von 64 gemeinsamen betrügerischen Handlungen aus und 13, die Carsten W. allein beging, wobei er den Güstrower als Triebfeder bezeichnete. Rund 50 000 Euro hätten sie zusammen ergaunert.

Das Pärchen richtete sich 2011 eine Internetplattform ein, stellte Bilder von hochwertigen Handys und anderen elektronischen Geräten bis hin zu Staubsaugern ins Netz, zog Kunden an, kassierte Geld, lieferte aber nichts. Beide arbeiteten nach einem gemeinschaftlichen Plan, so der Staatsanwalt. Carsten W. wählte die Bilder aus und stellte sie ins Netz, die Gelder flossen auf Carmelina H.s Konto. Beide hätten sich nicht gescheut, als ihnen die Sache zu heiß wurde, Jochen W., den Vater des Angeklagten, und Bekannte zu bearbeiten, ihre Konten auch zur Verfügung zu stellen. „Die Angeklagten agierten in der Hoffnung, dass die Leute darauf reinfallen“, so der Staatsanwalt. „Und in vielen Fällen hat es geklappt.“

Zwei Jahre lang hätten sie ein Abenteurerleben geführt, immer auf der Flucht. Von Hamburg zogen sie nach Mallorca, von dort nach Sizilien zum leiblichen Vater der Angeklagten, zurück nach Mallorca und dann in die Schweiz. Immer wenn sie kein Geld mehr hatten, führte ihr Weg in ein Internet-Café und die Betrügereien begannen von vorne. Sie hätten zwar kein Luxusleben führen können, aber für den Besuch von Spielhallen reichte es allemal. Auf Mallorca campierten sie nächtelang am Strand. In der Schweiz lebten sie fünf Tage auf dem Züricher Flugplatz, bis Jochen W. sie heimholte und ihnen in Güstrow eine Wohnung besorgte. „Die Angeklagten haben sich des gewerbsmäßigen schweren Betruges schuldig gemacht“, sagte der Staatsanwalt. Sie hätten vielen Menschen einen erheblichen Vermögensnachteil zugefügt. Die einschlägigen Vorstrafen der Angeklagten und dass sie Verwandte und Freunde in ihre Betrügereien hineinzogen, legte der Anklagevertreter zu ihren Ungunsten aus.

Seit dem 2. April 2014 sitzt Carsten W. in Untersuchungshaft. Beide Angeklagte haben ein umfassendes Geständnis abgelegt, wobei es bei der vorliegenden Aktenlage eigentlich nichts zu bestreiten gab. Beide Angeklagte äußerten in ihren Schlussworten, dass ihnen alles leid täte und sie ihre Taten bereuten. Das Urteil soll am 6. August verkündet werden.

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