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Norddeutsche Neueste Nachrichten

10. Dezember 2016 | 23:23 Uhr

Rostock : Abschiebe-Praxis in der Kritik

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Mehr als 400 Demonstranten ziehen vom Bahnhof zum Doberaner Platz. Fokus auf kürzlich in Kraft getretenes Afghanistanabkommen

Die Initiative ,,Abschiebestopp MV“ hat am Sonnabend mit rund 400 Gleichgesinnten demonstriert – bei einer Kundgebung vom Hauptbahnhof entlang des Weihnachtsmarktes zum Doberaner Platz. „Wir möchten auf die hohen Abschiebezahlen des Landes Mecklenburg-Vorpommern aufmerksam machen“, sagte Mitinitiator Iman Jonas Dogesch, Mitglied vom Migrantenrat Rostock. Gleichzeitig solle die unmenschliche Praxis der Abschiebungen verdeutlicht werden, da diese mit dem Schicksal vieler Menschen verbunden wäre, so Dogesch.

Diese Erfahrung hat auch Katrin Stadtaus aus Ribnitz gemacht, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert. „Für uns ehrenamtliche Helfer ist es schon sehr schwer zu ertragen, welche Angst Familien vor der Abschiebung haben“, erzählt sie. Ein weiterer Grund, jetzt auf die Straße zu gehen, wäre das kürzlich in Kraft getretene Afghanistanabkommen. So soll beispielsweise ein Afghane, der sich hervorragend integriert hätte und ehrenamtlich in Krankenhäusern arbeitet, abgeschoben werden. Die Übereinkunft zwischen der EU und Afghanistan erlaubt es, trotz der instabilen und gefährlichen Lage vor Ort, Menschen in ihr Land zurückzuschicken. Schätzungsweise 12 500 Afghanen erwartet die Abschiebung.

Es gab auch Pragmatiker unter den Zaungästen am Wegesrand. „Eigentlich war es doch von Anfang an klar, dass der Aufenthalt kein Dauerzustand sein kann“, sagte Robert Schiefer. Der 59-Jährige bemängelt allerdings, dass weltweit in allen Ländern zu wenig gegen den internationalen Terror und den Fanatismus der Islamisten unternommen würde. „In der uneinigen Politik wird zu viel rumdiskutiert, anstatt effektiv vor Ort zu handeln, damit sich die Menschen in ihrer Heimat sicher fühlen“, sagt Schiefer.

Philipp Schwartz aus Evershagen sprach sich gegen faschistische Diktaturen aus: „Gegen diese beunruhigende Entwicklung, wie die aktuelle Kurdenpolitik Erdogans, sollte man international etwas unternehmen“, befindet der 28-Jährige.

Die Adventszeit steht gleichbedeutend für Besinnlichkeit. Die wünscht sich die Initiative auch für Migranten in Rostock und wollte deshalb bewusst am ersten Adventswochenende ein Zeichen für Menschlichkeit setzten.



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