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Der Prignitzer

29. Mai 2016 | 05:50 Uhr

Künstler Bernd Streiter : Zur Audienz bei Helmut Schmidt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Künstler Bernd Streiter erinnert sich an ein Treffen mit dem verstorbenen Altkanzler in Hamburg

Der Künstler Bernd Streiter dürfte einer der ganz wenigen, wenn nicht gar der einzige Prignitzer sein, der Altkanzler Helmut Schmidt persönlich traf. Im Auftrag eines privaten Stifters fertigte er für die Stadt Nettetal eine Büste von ihm. Am Dienstag ist Helmut Schmidt im Alter von 96 Jahren gestorben. „Prignitzer“-Redakteur Hanno Taufenbach sprach mit Bernd Streiter über seine Erinnerungen an das Treffen.

 

Herr Streiter, sind Sie ein Bewunderer von Helmut Schmidt?

Bernd Streiter: Unbedingt, das bin ich. Ich habe ihn bewundert, sowohl als Kanzler als auch in der Zeit danach. Bis zu seinem Tod hat er auf kluge Art und Weise Einfluss auf die Politik genommen. Er hat vieles im Namen von Deutschland verhandelt, manches davon hat die Öffentlichkeit nie erfahren.

Sie sind ihm 2005 persönlich in seinem Hamburger Büro begegnet. Was bedeutet Ihnen dieser Moment?

Ich empfinde das als ein ganz großes Privileg. Schmidt war der berühmteste Hamburger Politiker der Gegenwart. In der DDR lernte ich ihn in der Schule als den Raketenkanzler kennen und dann stand ich, der frühere Jungpionier, ihm gegenüber.

Haben Sie ihm das gesagt?

Ja, und er hat geschmunzelt.

Wie müssen wir uns den Menschen Schmidt vorstellen?

Hanseatisch, schlicht. Er kam auf mich zu, gab mir die Hand, hat mich väterlich begrüßt. In seinem Büro gab es weder Prunk noch Protz, stattdessen viele Bücher.

Kannte Schmidt die Prignitz?

Oh ja, er hatte sich auf unser Treffen vorbereitet, wusste, wo die Region liegt, kannte ihre Geschichte. Da ich mich selbst viel mit der Historie beschäftigt hatte, hatten wir schnell ein gemeinsames Thema.

Warum hatten Sie um dieses Treffen gebeten?

Für meinen Auftrag hatte ich mir im Vorfeld ganz viele Fotos vom Helmut Schmidt angeschaut. Ich hatte bereits Skizzen gefertigt, den Entwurf für die Büste fertig. Aber mir fehlten Ansichten von seinem Profil und vom Hinterkopf.

War der Altkanzler ein geduldiges Model?

Ja, er fand das pragmatisch und hat mich fotografieren lassen, während wir uns unterhielten.

Gewiss hat er dabei geraucht.

Natürlich tat er das. Unser Treffen dauerte sechs Zigarettenlängen.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie selbst zu offiziellen Anlässen sehr lässig gekleidet sind. Machten Sie für Schmidt eine Ausnahme?

Nein. Ich besitze weder Anzug noch Krawatte, muss mir beides leihen und fühle mich darin wie beim Fasching. Ich trug eine schlichte Jeans, und bisher haben mir meine Gesprächspartner das nie übel genommen.

Haben Sie außer Helmut Schmidt noch einen anderen Kanzler getroffen?

Leider nicht. Ich habe zwar auch von Helmut Kohl eine Büste gefertigt, aber kurz vor unserem Termin erkrankte Kohl. Das Treffen wurde abgesagt.

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erstellt am 11.Nov.2015 | 21:00 Uhr

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