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Der Prignitzer

29. Mai 2016 | 03:54 Uhr

Prachtexemplar aus der Prignitz : Zum vierten Mal die Nr. 1

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Blanca ist Deutschlands Ausnahme-Fleckvieh-Kuh und lebt in Karstädt.

Die Ausnahme-Fleckviehkuh Deutschlands kommt aus Karstädt: Zum vierten Mal in Folge belegt Blanca P laut aktueller Zuchtwertschätzung, Rang 1 und ist mit dem Relativzuchtwert Fleisch RZF 131 die beste Kuh Deutschlands. „Neben diesem enormen Zuchtwert hat sich Blanca als Siegerkuh über alle Rassen sowohl auf der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung als auch der Mecklenburgischen Landesschau, ebenso als Klassensiegerin bei der vierten Bundesschau, überregional mehrfach als Schaukuh einen Namen gemacht“, heißt es in einer Mitteilung der RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH.

Blanca gehört zur Rinder GmbH Karstädt, einer Tochtergesellschaft der Agrargenossenschaft Karstädt. Aus deren Zucht kommen weitere Spitzentiere: Auf Platz zwei der deutschlandweiten Topliste rangiert mit Baccara P (RZF 124) keine geringere als die erste Tochter von Blanca. Blanca kalbte viermal in Folge (zwei Bullen- und zwei Färsenkälber) und erwartet im Februar das fünfte Kalb; Baccara kalbte bisher dreimal. „Die zweite Tochter von Blanca kalbt jetzt im März das erste Mal. Sie wird vielleicht die Nummer 2, dann würden die drei besten Fleckviehkühe Deutschlands bei uns in Karstädt stehen“, meint Bodo Wegt, Leiter der Tierproduktion.

„Seit 15 Jahren belegen wir Spitzenplätze bei Landes- und Bundeswettbewerben“, unterstreicht Lothar Pawlowski, Aufsichtsratsvorsitzender der Agrargenossenschaft, nicht ohne Stolz. Den Traditionsraum der Genossenschaft zieren diverse Urkunden und Pokale für Top-Leistungen in der Milchproduktion, für mehrere 100 000-Liter-Kühe sowie für Spitzen-Fleischrinder. Die ersten großen Erfolge holte Blanca P 2005 als Siegerfärse über alle Rassen auf der BraLa in Paaren/Glien und 2008 als Siegerkuh über alle Rassen. 2010 folgte Tochter Britta P als Reservesiegerkuh. Die Liste lässt sich fortsetzen. So war die Rinder GmbH 2012 mit fünf Tieren einer der größten Aussteller der Bundesschau auf der Grünen Woche, errang mit Blanca einen Klassensieg und mit Prinzessin P einen weiteren 1a-Platz. 2014 siegte Blanca auf der MeLa und BraLa über alle Fleischrindrassen. „Ihr Bullenkalb von 2015 erreichte einen RZF-Spitzenwert von 136, so dass die Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH Interesse zeigt, ihn als Besamungsbullen zu kaufen“, erzählt Bodo Wegt. Zur Grünen Woche 2016 war Karstädt nicht vertreten, da deren 5. Fleckvieh-Bundesschau vom Verband Deutscher Simmentalzüchter ausgerichtet wurden, dem die Rinder GmbH Karstädt nicht angehört. In Karstädt steht übrigens mit Salomon PP auch der beste Fleckviehbulle Brandenburgs. Deutschlandweit rangiert er mit dem Relativzuchtwert RZF 126 auf Platz 7 unter den aktiven Bullen.

Mit der Mutterkuhhaltung befasst man sich in Karstädt bereits seit 1986. Sylvia Carls, die damals in der LPG (T) Karstädt lernte, erforschte in ihrer Ingenieurarbeit das Thema „Mutterkuhhaltung mit ausgesonderten SMR-Tieren” (SMR: Schwarzbuntes Milchrind, das war die durch Kombinationszucht geschaffene Hausrindrasse der DDR). „Zur Zucht holten wir uns einen Uckermärker Bullen, Hybridfärsen von Privat und kauften nach 1990 70 Herdbuch-Fleckvieh-Tiere aus Tschechien dazu“, berichtet Dietrich Carls, damaliger LPG-Vorsitzender. 1992 gründete die neu gebildete Agrargenossenschaft die Karstädter Rinder GmbH und startete mit 150 Tieren. Mit Übernahme der Nebeliner Agrar GmbH 2004 und der Umstellung des Standortes auf Mutterkuhhaltung vergrößerte sich der Fleckviehbestand. Aktuell zählt er an vier Standorten 320 Kühe plus Nachzucht. „Ziel ist, pro Jahr ein gesundes Kalb je Kuh aufzuziehen und die Jungtiere zur Mast sowie Zucht zu verkaufen bzw. für die eigene Reproduktion des Mutterkuhbestandes zu behalten. Ebenso veräußern wir jährlich bis zu zehn Jungbullen als Vererber zur Zucht“, erklärt Dietrich Carls, der sich auch heute als Geschäftsführer der Rinder GmbH mit fachlich versierten Mitstreitern um die Mutterkuhhaltung kümmert. In der Zucht legen die Karstädter nicht nur wert auf Qualitätsfleisch, sondern auch auf Tierwohl. „Mutterkühe und Kälber werden sehr naturnah ganzjährig auf der Weide gehalten, was der Bio-Landwirtschaft sehr nahe kommt“, betont Carls. Aus Haltungsgründen werden die Kälber hornlos gezüchtet, damit entfällt das schmerzhafte Brennen der Hörner. Das Gen, als P bezeichnet (daher Blanca P oder Baccara P), vererbt sich dominant gegenüber normal ausgeprägten Hörnern.  



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