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Der Prignitzer

29. September 2016 | 17:16 Uhr

Archäologie in der Prignitz : Zeitschätze locken Touristen an

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mit einer neuen Broschüre wirbt der Tourismusverband für die archäologischen Stätten der Prignitz

Der Einband in Schwarz, sechs kupferfarbene Kreise mit winzigen Ansichten zieren das Deckblatt. Darunter eine Amphore und ein Ring. Jedes der sechs Bildelemente steht für eine der großen archäologischen Stätten der Prignitz. Die Macher dieser neuen, edlen Broschüre sprechen von den Zeitschätzen Prignitz – Zentrale Archäologische Orte. Vergangene Woche hatten die Herausgeber, Landkreis und Tourismusverband, sie vorgestellt (wir berichteten).

Radwandern, Pilgern, Wassertourismus und künftig auch die Archäologie sollen Touristen in die Region locken. Dass neben den etablierten Reisezielen Ausgrabungen an Bedeutung gewinnen, steht für Mike Laskewitz außer Frage. „Das hat unsere Pressereise Ende August gezeigt“, sagt der Geschäftsführer des Tourismusverbandes.

Sie führte Journalisten aus ganz Deutschland von Wittstock und Freyenstein über Meyenburg, Seddin und Lenzen bis nach Mellen. Es war eine Zeitreise zu den archäologischen Schätzen und die Pressefahrt war früh ausgebucht.

Manche Teilnehmer hätten zugegeben, dass sie eher mit Vorurteilen und ohne große Erwartungen in diesen Landstrich gekommen seien. „Doch schon nach Freyenstein und Wittstock waren diese Vorurteile verschwunden“, sagt Verbandsmitarbeiterin Jeannette Küther.

In Freyenstein gingen sie auf einen Streifzug durch die versunkene Stadt des Mittelalters. 40 Stationen, ein Audioguide, Szenen des mittelalterlichen Alltags begegneten ihnen. In Wittstock waren es die Spuren des 30-jährigen Krieges. 2007 wurde hier zufällig ein Massengrab mit 2700 Funden entdeckt – eine wissenschaftliche Sensation, denn bis dahin waren Gräber auf den Schlachtfeldern dieses Krieges eher unbekannt.

In Seddin das Königsgrab aus der Bronzezeit, in Lenzen die slawische Siedlung auf dem Burghügel. Die Pressereise endete im Jahr 3300 vor Christus am imposanten Hünengrab aus der Jungsteinzeit.

Es sind diese Orte, die die Broschüre vorstellt, und es soll nur ein Anfang sein. 16 Jahre vergingen, bis aus der ersten Idee zu diesem Thema eine fertige Broschüre die Druckerei Koch in Pritzwalk verlassen sollte, sagt Ortrud Effenberger, Sachbereichsleiterin beim Landkreis. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologen habe daran mitgearbeitet. Die Medienkontor Dresden GmbH übernahm die Redaktion und entwarf das bis ins letzte Detail ausgefeilte Layout.

Das Medienecho ist da, das Marketing beginnt. In einem nächsten Schritt sollen Pauschalreisen, buchbare Angebote entstehen. Dazu werden Gespräche mit hiesigen Gastronomen und Hoteliers geführt, kündigt Jeannette Küther an. Das setze allerdings geregelte Öffnungszeiten an den Schauplätzen voraus, und auch einen Ansprechpartner müsse es geben. Konkretes Interesse habe bereits das Hotel ambiente in Bad Wilsnack bekundet. Dort denke man über ein Busshuttle zu den archäologischen Stätten nach. Diese sollen in den kommenden Jahren weiter entwickelt werden. Auf der Burg Lenzen werde das Projekt Fahrstuhl in die Slawenzeit vorbereitet. Seit mehr als zehn Jahren im Gespräch geht es jetzt um die Umsetzung und Finanzierung, sagt Effenberger. Besucher sollen mit einem Lift in die Erde hinab fahren zu den Originalfundplätzen slawischer Exponate.

In Seddin wird weiter gegraben. Ende August endeten mehrere Kampagnen, im nächsten Jahr sollen weitere folgen. Die Vision lautet: Nachbau einen Hügelgrabes an einem Originalstandort.

Zukunftsmusik sei das, räumt Ortrud Effenberger ein, aber das galt ja lange Zeit auch für diese Broschüre und überhaupt für die touristische Erschließung der Prignitzer Zeitschätze.

 

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erstellt am 20.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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