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Der Prignitzer

08. Dezember 2016 | 10:56 Uhr

Perleberger DDR-Museum : Zehn Jahre voller Erinnerungen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

DDR-Museum begeht Jubiläum und wird weiter vergrößert

Wenn man eines mit Sicherheit sagen kann, dann, dass die Freimarks das DDR-Museum nicht einfach nur betreiben, sondern leben. An und für sich könnten sie sich mit Anfang 70 aufs Altenteil zurückziehen, sich dem eigenen Grundstück, dem Haus, der hauseigenen Bibliothek und nicht zuletzt ihren Kindern und Enkeln widmen. „Das machen wir nebenher auch noch“, sagt Gisela Freimark lächelnd. Sehr viel Zeit und Finanzen jedoch fließen ins Museum, das es jetzt zehn Jahre gibt.

Nicht nur quantitativ hat sich in dieser Zeit viel getan – auch die Art und Weise, wie sich Besucher hier mit der Historie auseinandersetzen, änderte sich. „Ich habe den Eindruck, die Menschen sind interessierter geworden“, fasst es Hans-Peter Freimark zusammen.

Hinzu komme, dass sich viele, bevor sie den Weg in die Perleberger Feldstraße antreten, darüber informieren, was sie erwartet, zumindest in etwa. Dass die Besucher in den ersten Jahren nicht drei Stunden und länger in den Räumen blieben, lag zum einen an der angesprochenen geringeren „Interessiertheit“, zum anderen aber sicher auch daran, dass die Ausstellungsfläche sukzessive vergrößert wurde.

Mit zehn Räumen ging es vor zehn Jahren los, heute kann man sich in 30 thematisch gestalteten Zimmern über verschiedenste Aspekt der DDR-Zeit informieren. Zudem gibt es ein Museums-Cafe sowie regelmäßig Themenabende. Mittlerweile fanden davon 57 statt, alle stets sehr gut besucht.

Über die Jahre, so Hans-Peter Freimark, habe sich der Begriff „Museum“ eingebürgert. „Allerdings war das nie unser Anliegen, wir sehen uns eher als Dokumentationszentrum, der Begriff ist jedoch ziemlich sperrig.“ So oder so: Die Exponate und Dokumentationen führen – je nach Alter des Besuchers – zurück in die eigene Vergangenheit bzw. geben Aufschluss über eine verborgene Zeit. Aus einem Abstand von 27 Jahren ließen sich die Dinge anders betrachten, würde man sie anders aufarbeiten, so Hans-Peter Freimark. Dennoch verliert sich diese zeitliche Distanz ganz oft, wenn Menschen sich im Perleberger DDR-Museum aufhalten und regelrecht in die Geschichte eintauchen. Es gibt dramatische Erinnerungen, aber auch nostalgische.

„Dass es den Besuchern so unter die Haut gehen wird, hätten wir allerdings niemals gedacht“, sind sich die Freimarks einig. Weit über 40 000 Interessierte waren inzwischen hier, sie kamen aus Deutschland, allen europäischen Ländern und teils auch von weiter her. Nicht selten, so Hans-Peter Freimark, koppeln ausländische Besucher einen Berlin-Aufenthalt mit einem Abstecher nach Perleberg zum DDR-Museum.

Aus den Eintrittsgeldern können lediglich die Stromkosten gedeckt werden. Neben Eigenmitteln der Freimarks stecken Spenden, ehrenamtliche Mitarbeit und andere Zuwendungen, z. B. in Form geförderter Beschäftigungsverhältnisse, im Projekt, das man getrost als Lebenswerk der Perleberger bezeichnen kann. Dafür wurden sie dieses Jahr mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg geehrt.

Sie seien Hüter wertvoller Schätze aus vergangenen Zeiten. Dem Ehepaar sei es zu verdanken, dass die Prignitzer Museumslandschaft um ein DDR-Dokumentationszentrum erweitert wurde. Die Sammlung gewähre wenig bekannte Einblicke in die kirchliche Friedensarbeit und die Entstehung von Bürgerbewegungen in der DDR und im Wendejahr 1989 in der Prignitz. „Insbesondere junge Menschen sollen durch Zeugnisse der Alltagskultur und Exponate zum Anfassen direkt angesprochen werden“, so Ministerpräsident Dietmar Woidke in seiner Würdigung.

Die Ausstellungsfläche soll weiter ausgedehnt werden – die Freimarks machen sich parallel zu dieser Planung Gedanken, wie man das Ganze in der Zukunft bewerkstelligen, es langfristig erhalten könne. Zunächst hatte man an die Gründung einer Stiftung gedacht, die Idee aber inzwischen wieder verworfen.

Die Vergrößerung des DDR-Museums wird überdies 2017/18 nicht so rasant weitergehen können, weil Gisela und Hans-Peter Freimark ihr zweites Projekt forcieren wollen: Im Alten Fernmeldeamt wird die Zeit von 1870 bis zum Ende des Dritten Reiches dokumentiert. Wie auch das DDR-Museum lebt diese Exposition ebenfalls von zahlreichen Originalen. „Wir planen 2017 zumindest eine Teileröffnung. Vielleicht ist es nächstes Jahr auch schon ganz fertig. Spätestens aber 2018“, blickt Hans-Peter Freimark voraus.

Am 20. November endet die diesjährige Saison im DDR-Museum. Auch während der Schließzeit wird das Haus für angemeldete Gruppen jederzeit geöffnet.

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erstellt am 12.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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