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Der Prignitzer

10. Dezember 2016 | 09:50 Uhr

Nach 45 Jahren in Pritzwalk : Zahnradwerk meldet Insolvenz an

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Stellenabbau ist laut Geschäftsführung unvermeidbar / Aufträge sollen weiter abgearbeitet werden

Das Zahnradwerk hat beim Neuruppiner Amtsgericht den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Noch am Mittwoch fand eine Betriebsversammlung statt, auf der die 238 Mitarbeiter informiert wurden. „Wir werden ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung führen. Uns zur Seite gestellt ist ein Sachverwalter, außerdem wird ein Gläubigerausschuss gebildet“, sagte Senior-Geschäftsführer Heiner van de Loo auf Nachfrage. „Wir sind uns unserer Verantwortung für die Mitarbeiter und die Stadt Pritzwalk bewusst und auch der langen Geschichte, die dieses Werk mit der Stadt verbindet. Wir wollen hier keinen Leichenfledderer, sondern brauchen etwas Luft zum Atmen“, so van de Loo. Das Insolvenzverfahren ist auf drei Monate begrenzt. In dieser Zeit erhalten die Mitarbeiter ihren Lohn vom Arbeitsamt als Insolvenzausfallgeld. „Außerdem sind alle finanziellen Verpflichtungen im Moment auf Eis gelegt und ruhen“, sagte van de Loo. In den nächsten drei Monaten wolle man das Werk wieder auf gesunde Füße stellen und einen Sanierungsplan ausarbeiten. Dieser werde sicher nicht ohne Stellenabbau auskommen, dieser solle aber sozialverträglich ausfallen.

Grund für die finanzielle Schieflage des Unternehmens ist unter anderem, dass der Schienenfahrzeughersteller Bombardier einen Auftrag im Umfang von etwa einer Million Euro nicht bezahlt. „Bombardier geht es offenbar auch nicht gut. Die Bauteile wurden bei uns bestellt, wir haben diese nach Auftrag gefertigt und Bombardier will sie jetzt aber nicht annehmen und die Rechnung nicht bezahlen. Dazu kommen weitere Aufträge im Umfang von etwa 600 000 Euro, die auf Eis liegen, weil Schienenfahrzeuge nicht wie geplant gebaut werden können. Diese sollten nach Russland exportiert werden, aufgrund des Russland-Embargos der EU ist dies aber zur Zeit nicht möglich“, erklärt der Seniorgeschäftsführer.

Drüber hinaus sei das Geschäft mit Windkraftanlagen massiv eingebrochen. „Es werden deutlich weniger Windkraftanlagen gebaut. Durch den niedrigen Ölpreis investieren aber auch die Ölfirmen nicht in neue Fördertechnik. Auch hier haben wir sonst viele Bauteile und Getriebe zugeliefert“, erklärt van de Loo. Trotz des Insolvenzverfahrens werde normal weiter gearbeitet und die Arbeitsverträge der Mitarbeiter behielten ihre Gültigkeit.

Ziel des Insolvenzverfahrens sei es, das Unternehmen zu retten. „Wir als Maschinenbauunternehmen sind ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Situation im Land. Wenn es dem Maschinenbau nicht gut geht, wird es in ein bis zwei Jahren auch dem Rest der Wirtschaft nicht gut gehen.“

 

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