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Der Prignitzer

10. Dezember 2016 | 02:09 Uhr

Wolfsland Prignitz : Wölfe: Kaum Hilfe für Rinderhalter

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vortrag über Schadensmanagement und Vorsorge auf der Jahrestagung des Biosphärenreservates. Landwirt fühlt sich von Behörden alleingelassen.

Die Prignitz ist nun auch offiziell Wolfsland. Das hat das Landesamt für Umwelt auf der Jahrestagung des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe Brandenburg eingeräumt. Es geht von durchziehenden und Einzeltieren sowie Aktivitäten des Lübtheener Rudels in Mecklenburg-Vorpommern aus. Angesichts des Anstiegs der von Wölfen landesweit gerissenen Schafe von 89 im Vorjahr auf 142 seit Januar, legte Carina Vogel vom Landesamt für Umwelt in ihrem Vortrag besonderen Wert auf das Schadensmanagement und die Vorsorge. Sie verwies auf von Veterinärämter verschickte Informationen zum Verhalten nach Wolfsrissen, zur Schadensabwicklung und Förderung von Schutzmaßnahmen.

Das stieß im Forum auf Widerspruch, einige Landwirte hatten die Schreiben erst am Vortag oder noch nicht erhalten. Auch die Modellbilder zu geförderten Schutzmaßnahmen hinterließen Fragen. Gezeigt wurden kleine Einzäunungen auf tischebenen Arealen. Senken, Hügel, Gräben und große Weideflächen kamen nicht vor. Königsweg beim Herdenschutz sei die Kombination entsprechender Einzäunungen mit mindestens zwei Herdenschutzhunden, so Vogel. Sie machte deutlich, dass zwei Gruppen von Tierhaltern beim aktuellen Wolfsmanagement schlechte Karten haben.

Hobbyzüchter, die ihre wenigen Tiere beim Veterinäramt nicht angemeldet haben, gehen bei Schäden leer aus. Und selbst wenn es offizielle Tiere sind, muss die Einfriedung Mindeststandards erfüllen, was für diese Liebhaberei meist zu teuer ist. Zudem werden Schutzmaßnahmen erst bei einem Bestand von mindestens 20 Tieren gefördert.

Wesentlich schwerer wiegen die Sorgen der Rinderhalter. Zwar werden gerissene Kälber bezahlt, wenn der Wolf als Verursacher infrage kommt. Bei Schäden durch nach Wolfsattacken ausbrechende Herden gestaltet sich die Regulierung schon sehr viel schwieriger.

Wie die großflächigen Weiden wolfssicher gestaltet werden können, ist noch offen. Eine Förderung ist laut EU-Richtlinien nicht vorgesehen. Für Mutterkuhherden solle zumindest ein Abkalbbereich wolfssicher mit fünflitzigen Elektrozäunen gesichert werden. Zudem bemühe sich das Land bei der EU, die Förderung von Schutzmaßnahmen auch auf Rinder auszudehnen.

„Ich fühle mich von den Behörden alleingelassen“, resümierte Landwirt Richard Mackel aus Wustrow die Erfahrungen mehrerer Wolfsattacken. So sei die Schadenshotline zur Anforderung des Rissgutachters am 14. Oktober nicht erreichbar gewesen. Carina Vogel räumte Probleme ein, da der Gutachter an diesem Tag drei Wolfsschäden aufnahm.

Mackel wies auf Schäden hin, die nur schwer als Wolfsrisse zu identifizieren seien. So sei beim Ausbruch der Herde ein Tier ums Leben gekommen, ein zweites sei verschwunden. Nur einen Abkalb- und Kälberbereich besonders zu schützen, hält Mackel für nicht praktikabel. „In meiner Mutterkuhherde gibt es fast das ganze Jahr über Geburten. Für mich bliebe nur die Alternative, die Tiere im Stall zu halten. Das entspricht nicht meinen Vorstellungen als ökologischer Landwirt.“ Er verwies auf die latente Beunruhigung von Herden durch Wölfe, die immer häufiger in der Nähe von Weiden und Ortschaften gesichtet würden.

Im Landkreis Prignitz gibt es folgende ehrenamtliche Wolfsbeauftragte:
• Andreas Hagenguth, Mühlenkamp 1, 19348 Berge, Tel. 038785 / 904 08, Mobil 0170 / 8 5 66 444, Hagenguthachten@web.de
• Kay-Uwe Hartleb, Kurzweg 4, 14548 Schwielowsee/OT Ferch, Mobil 0152/090 615 20, Kay-Uwe.Hartleb@web.de

Das Landesamt für Umwelt bietet kostenlose Präventionsberatungen gegen Wolfsangriffe auf Nutztiere. Für einen Beratungstermin kann man sich an Katrin Todt wenden:
0335/ 5603261
0152/ 22962604
Katrin.Todt@lfu.brandenburg.de

Bei einem vermuteten Wolfsübergriff binnen 24 Stunden: die Risshotline des Landes unter 0172/5641700.

 


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