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Der Prignitzer

05. Dezember 2016 | 17:37 Uhr

Ärger auf Umleitungsstrecke : „Wir haben Flagge gezeigt“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Polizei misst Tempo in Karstädt / Probleme auf der Umleitungsstrecke durch erhöhtes Verkehrsaufkommen

Geschwindigkeitskontrolle in der Putlitzer Straße in Karstädt: Etwa eine Stunde misst Polizeikommissarin Carola Schultz mit dem Lasergerät die Geschwindigkeit von Fahrzeugen, die aus Richtung Blüthen die Ortslage passieren. Dreimal winken ihre Kollegen Polizeikommissar Olaf Renner und Polizeihauptmeister Uwe Warner Fahrzeughalter rechts ran, weil sie schneller als die zulässigen 50 km/h fuhren und verwarnen sie mündlich.

Die Aktion am Mittwoch, vom „Prignitzer“ mit Bodo Zackert, Erster Polizeihauptkommissar der Polizeiinspektion Prignitz, abgestimmt, kam auf Bitten von Anwohnern der Putlitzer Straße zustande. Sie beklagen vielfach zu hohe Geschwindigkeiten von Fahrzeugen, die von der freien Strecke Blüthen-Karstädt in die leicht abschüssige Putlitzer Straße hineindüsen. Bei Lkw sei das mit Erschütterungen und Lärm verbunden, hieß es, besonders wenn die Fahrzeuge leer seien.

Für die Anwohner ist diese tägliche Belastung nicht neu, doch erhöhte sie sich seit dem 4. Oktober um das Dreifache. Denn mit den Baustellen Premslin/Glövzin und Schönfeld wird der B 5-Verkehr über Postlin-Karstädt-Reetz-Groß Buchholz bzw. umgekehrt umgeleitet. Normalerweise nutzen etwa 2000 Fahrzeuge pro Tag die Landesstraßen 10 und 13 in diesen Bereichen, mit der Umleitung verdreifachte sich die Verkehrsbelastung. Dass am Mittwoch nur drei „Verkehrssünder“ ermittelt wurden, lag mit daran, dass viele Fahrer per Lichthupe vor dem Blitzer warnten. „Wir haben Flagge gezeigt, darum ging es hauptsächlich, und werden es wieder tun“, betont Uwe Warner, Revierpolizist im Bereich Karstädt. Was bei der Messung auch deutlich wurde: Auch wenn sich die Lkw an die 50 km/h halten, die Belastung ist da. Mit ein Grund ist der desolate Zustand der Straße, insbesondere eines Fahrstreifens. Hier wurde vor etwa 15 Jahren die Abwasserleitung verlegt und die Decke wieder geschlossen. Doch sackte der Asphalt an vielen Stellen ab und hat Risse.

Was auch deutlich wurde: Die verstärkten Kontrollen – unabhängig von den Beamten der Polizeiinspektion ist auch der polizeiliche Verkehrsdienst Neuruppin im Einsatz – können eine Zunahme von Verkehrsunfällen auf der Umleitungsstrecke nicht verhindern. „2015 hatten wir hier zwei Verkehrsunfälle mit Wild. In diesem Jahr, mit der Umleitungsstrecke, registrierten wir bisher sieben Unfälle mit Wild, vier mit Personenschäden, sechs Mal touchierten sich bei Überholvorgängen die Außenspiegel“, listet Zackert auf. Überholmanöver, gerade bei Lkw, wie jüngst bei einem Unfall in der Nähe von Blüthen, seien auf dieser Strecke unverantwortlich. „Die Unfallzahlen werden erst mit Ende der Umleitung wieder zurückgehen“, ist der Polizeibeamte überzeugt.

Postliner forderten für die Zeit der Umleitungsphase eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h, denn auch in ihrer Ortslage ist die L 13 eine Katastrophe. Doch der Antrag der Gemeinde wurde abgelehnt. In der Begründung vom Landesbetrieb Straßenwesen aus Kyritz heißt es: „Durch die Straßenmeisterei wird der Bereich der Umleitungsstrecke turnusmäßig kontrolliert. Bis jetzt sind keine Gefährdungen durch die stärkere Beanspruchung bekannt. Nach Rücksprache mit der unteren Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Prignitz und der Polizei wird Ihr Antrag, vorbehaltlich weiterer Erkenntnisse, nicht befürwortet.“

Mit moralischer Wirkung eingesetzt werden könnte in der Putlitzer Straße bzw. in Postlin die gemeindeeigene Geschwindigkeitsmesstafel mit Smiley-Gesicht. „Wir setzen sie gern ein, würden aber einen verantwortlichen Bürger bitten, morgens das Aufstellen bzw. abends die Hereinnahme zur Sicherung der Tafel zu übernehmen“, erklärt Karstädts Ordnungsamtsleiter Sven Steinbeck.

Wie der „Prignitzer“ auf Nachfrage vom Landesbetrieb Straßenwesen erfuhr, gibt es für die L 13 Licht am Ende des Tunnels. „Es ist geplant, die Straße in Postlin und Karstädt abschnittsweise in den Jahren 2018 , 2019 und 2020 zu erneuern“, informierte Frank Schmidt vom Landesbetrieb/ Region West. Die L 13 habe mit die höchste Priorität im Landkreis. Inwieweit und wann die anderen Abschnitte von Karstädt über Putlitz bis zur A 24 saniert werden, vermochte der Bereichsleiter nicht zu sagen.

Und auch die Stadt Perleberg hat einen Antrag auf temporäre Beschilderung für den Ortsteil Groß Buchholz gestellt, im Zuge der Umleitungsstrecke dort die Geschwindigkeit von 60 km/h auf 50 km/h sowie im Bereich der Bushaltestellen auf 30 km/h zu reduzieren. Dies lehnte die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises nach Anhörung des Landesbetriebs Straßenwesen und der Polizei ab. In der Begründung heißt es, die Straßenverkehrsbehörde könne kein überhöhtes Gefahrenpotenzial an der L10 in Höhe des Ortsteils Groß Buchholz feststellen, die eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit rechtfertigen würde. Die Anträge der Stadt Perleberg auf stationäre (dauerhafte) verkehrsregelnde Maßnahmen für den Ortsteil Groß Buchholz befinden sich allerdings noch in der Bearbeitung, wie der Pressesprecher des Kreises, Frank Stubenrauch, mitteilte.


„Plötzlich hat Premslin 5000 Einwohner“


Doch damit nicht genug der Probleme im Umleitungsbereich der B5-Baustelle. Beschwerden aus Neu Premslin mehren sich. Da für Anlieger die B5 im Bereich Premslin/ Glövzin bis zur Baustelle wieder befahrbar ist und man so über Neu Premslin, Quitzow wieder auf die B5 kommt, nutzen diesen „Schleichweg“ unter Ignorieren des Durchfahrverbots auch viele andere Pkw und Lkw. „Plötzlich hat Premslin über 5000 Einwohner und zerfahrene Straßen. Es geht ja schließlich auch um die Sicherheit der Kinder unserer Kita, die direkt an der Straße liegt“, wandte sich Michael Hildebrandt an den „Prignitzer“ wie andere Neu Premsliner auch.

Wegen des hohen Lkw-Aufkommens sei auch schon der Straßenrand kurz vor Neu Premslin aus Quitzow kommend weggebrochen. „Der Prignitzer“ wandte sich umgehend an die Kreisstraßenmeisterei, die sich den ihr noch nicht bekannten Schaden ansehen und um die Ausbesserung kümmern wollte.

 
 

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