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Der Prignitzer

06. Dezember 2016 | 22:45 Uhr

Windräder : Windkraft spaltet Dorf Nebelin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Patt-Situation im Ortsbeirat, Mehrheit der Bewohner jedoch gegen Ausweisung eines neuen Windeignungsgebietes

„Die, die Land haben, werden für die Ausweisung eines Windeignungsgebietes zwischen Nebelin und Stavenow sein, die anderen dagegen“, bringt es der Nebeliner Joachim Drewes auf einen kurzen Nenner. Er selbst hat Land.

Doch so einfach ist die Sache offensichtlich nicht, wie die teilweise doch recht emotional geführte Debatte auf der Sitzung des Ortsbeirates am Freitagabend zeigte. Denn damit trat ein, was die Masse der anwesenden Einwohner und Gäste aus den Nachbarorten nicht erwartete hatte: Pattsituation im Ortsbeirat, „das Schlimmste, was passierten konnte“, gesteht Mitglied Ulrich Petrascheck.

Während er sich der Mehrheit der Anwesenden anschloss, die eindeutig gegen einen solchen Entscheid ist, sprach sich Michael Bretag dafür aus, auch wenn er sich in der Rolle als Zünglein an der Waage alles andere als wohl fühle. Verstehen könne er beide Seiten, wie er betonte.

Umso weniger verstanden die Anwesenden sein Votum. Schließlich sei er gewählter Volksvertreter, sich zu enthalten, wäre da nur fair gewesen, so der Tenor. Das tat Maik Hortig, er sei befangen, ließ er übermitteln. Als Gemeindewehrführer nahm er zeitgleich an der Jahreshauptversammlung der Karstädter Feuerwehr teil.

In der Karstädter Gemeindevertretung erwartet man hingegen eine klare Aussage, wie sich der Nebeliner Ortsbeirat positioniert. Auf der Sondersitzung hatte eine Abordnung von Stavenowern und Nebelinern die Rücknahme des Beschlusses der Abgeordneten aus dem Jahr 2012 gefordert, besagtes Areal als Windeignungsgebiet bei der Regionalplanungsgesellschaft Prignitz-Oberhavel ausweisen zu lassen. Ein Investor plant dort einen Windpark mit zehn Anlagen. Das Gros würde in der Gemarkung Nebelin stehen.

„Wir haben 97 Anlagen im Umkreis, der ganze Himmel ist rot. Es reicht“, damit sprach Norbert Platt aus, was die Masse der Anwesenden bewegt. Er selbst hatte die Initiative ergriffen, war im Vorfeld von Haus zu Haus gegangen. Rund 125 der zirka 170 Nebeliner unterschrieben die Forderung „nach Einstellung der Planung und die Verhinderung der Errichtung neuer Windräder in der Nähe der Gemeinde“.

Schützenhilfe kommt aus Mesekow, Birkholz, Mankmuß. „Wir liegen an der Gemarkungsgrenze, haben die Windräder genauso vor der Nase“, so der Mankmußer Ingo Schäffer. Auch hier habe sich eine Mehrheit per Unterschrift gegen das Vorhaben und für die Rücknahme des Beschlusses der Gemeindevertretung aus dem Jahre 2012 ausgesprochen.

Eine Liste mit an die 100 Unterschriften soll auch in Boberow die Runde machen, und die Stavenower versuchen, vor allem in Karstädt Verbündete zu finden, wie Okka de Wall bekräftigte. Sie und noch weitere Stavenower und Mankmußer waren Freitag gekommen, „um als Nachbarn ihre Solidarität zu bekunden“.

Ihre Argumente: 2012 seien die Anlagen nur 100 Meter hoch gewesen, inzwischen wegen der Wirtschaftlichkeit doppelt so hoch. Weitere Kenntnisse seien erlangt worden, was die gesundheitlichen Risiken, Schallemissionen, Schlagschatten oder Vogelschwarmgefährdungen betreffen.

Die Argumente überzeugten aber eben nicht alle, wie die Abstimmung des Ortsbeirates zeigte. Unfrieden sei vorprogrammiert, denn das Votum spalte das Dorf, wurde in der Diskussion immer wieder betont. Genau das wolle auch er nicht, so Michael Bretag, doch er blieb bei seinem Ja.

Das Dorf gespalten, kein eindeutiges Signal in Richtung Gemeindevertretung. War es das? Nein. Ulrich Petrascheck wolle prüfen, ob sein Ortsbeiratskollege Land besitze und damit befangen sei. Dann werde erneut eine Sitzung des Nebeliner Ortsbeirates zu dieser Thematik angesetzt.  

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erstellt am 28.Feb.2016 | 21:00 Uhr

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