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Der Prignitzer

29. Mai 2016 | 22:57 Uhr

PLATTENBURG : „Wer will schon in Kassel wohnen“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Von der Prignitz aus in die Ferne: Zauberer Thomas Thompson aus Rambow ist im ganzen deutschsprachigen Raum unterwegs

Ende Januar ist es deutlich leichter als im Juli, Thomas Thompson in Rambow zu treffen. „In den Wintermonaten passiert nicht so viel, mit Silvester geht die gute Buchungszeit meist zu Ende, und Straßentheatersaison ist eigentlich erst wieder ab Ostern“, zählt er auf.

Als Zauberkünstler ist Thompson in den Sommermonaten ständig unterwegs, viel auch bei Festivals unter freiem Himmel. Über 300 Auftritte hat er im vergangenen Jahr allein und mit seiner Frau Sia gestemmt. Freigeist mit Drang zur Veränderung, vielleicht passt diese Beschreibung auf Thomas Thompson am besten. Der in Hagenow geborene Zauberkünstler ist in Picher aufgewachsen und später in Pritzwalk zur Schule gegangen. Heute lebt der 39-Jährige mit seiner Frau, einer gebürtigen Londonerin, in Rambow. „Wir sind wieder hergezogen, als meine Mutter krank wurde“, erklärt er die Rückkehr in die Region.

Als Künstler seien die beiden den Rambowern am Anfang sicher suspekt gewesen. „Wir waren da, wenn andere arbeiten, und waren weg zum Arbeiten, wenn andere ihren Feierabend genossen. Jetzt, wo manche uns schon in den Shows gesehen haben, wissen sie, dass es ihnen nicht peinlich sein muss, dass hier Künstler wohnen.“

Um die Jahrtausendwende war es, da kehrte Thomas Thompson während seines Mathe- und Sportstudiums seiner Universitätsstadt Potsdam für eine Weile den Rücken um ein Auslandssemester in Finnland zu machen. Dort lernte er Sia kennen und mit ihr eine Frau, die sich auch für Kleinkunst interessierte. „Bei mir ging das nahtlos ineinander über. Ich hab’ das während der Uni schon gemacht.“ Das Studium wollte oder konnte er aufgrund seiner Leidenschaft dann auch nicht mehr beenden, obwohl ihm nur noch die letzten Examensprüfungen fehlten. „Ich bin am Ende ohne Staatsexamen abgegangen. Das war nicht mehr so meins. Ich hatte genug in den pädagogischen Bereich reingeschnuppert um zu wissen, dass mir das zu eng ist.“

Schritt für Schritt wuchsen dann die Zauberprogramme, die Ideen sprossen, vor sechs Jahren dann die ersten professionellen Duo-Auftritte mit seiner Frau. Eine Zeit lang habe ihn auch die große Varieté-Bühne gereizt. Nachdem er ein paar Mal auf einer solchen stand, war der Zauber für ihn im wahrsten Sinne des Wortes verflogen. „Acht bis zehn Minuten Programm pro Abend, und das manchmal zwei Monate lang am Stück, das ist nicht erfüllend. Da muss man ein anderer Typ von Künstler sein“, so Thompson.

Auch wenn sie hier wohnen, kommen die wenigsten Auftrittsangebote heute aus der Prignitz selbst. Wenn, dann sind es meist Privat- oder Firmenfeiern wie zuletzt im September im Schloss Grube. Im Kavaliershaus Krumke bei Osterburg ist er mit Sia regelmäßig zum „Zauberdinner“. Dort gibt es ein Drei-Gänge-Menü und in den Pausen Showeinlagen. Die Abende sind meist lange im Voraus ausverkauft.

Trotzdem lobt Thompson die Prignitz als Lebensmittelpunkt. „Es ist schön hier und man wird geerdet. Und wenn man als Kleinkünstler vernünftig leben will, muss man sowieso viel reisen. Wir könnten auch in Kassel wohnen, das ist zentral und man würde dann sternförmig überall hinfahren, wo die Auftritte sind. Aber wer möchte schon gerne in Kassel wohnen?“, fragt er lachend und entschuldigt sich im nächsten Moment dafür. Kassel sei trotzdem eine ganz nette Stadt. Auch Hamburg komme in manchen Überlegungen vor, weil es tolerant, weltoffen und vielfältig sei. Berlin ist zwar auch nahe, aber „ wie Kultur in Berlin gemacht wird, das tut den meisten nicht gut“, so Thompson.

Für dieses Jahr haben die beiden schon eine ganze Menge an Terminen im Kalender stehen. Unter anderem geht es für Auftritte und Festivals nach Stuttgart, Aachen, Dortmund und ins Saarland.

Wer so viel tourt, braucht natürlich ein vernünftiges Auto. „Ja, unser alter weißer Bus ist zwar toll, aber wenn man ihn als Wohnmobil und Transporter für Requisiten nutzen will, dann wird es hinten ganz schön eng. Dieses Jahr werden wir uns wohl einen kleinen Lkw anschaffen“, blickt er voraus. Und wie ist es mit dem berühmten Kaninchen aus dem Zylinder und der zersägten Jungfrau? „Das sind Kunststücke, die auf uns keinen Reiz ausüben“, bemerkt Thomas Thompson schmunzelnd.

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erstellt am 30.Jan.2016 | 15:00 Uhr

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