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Der Prignitzer

03. Dezember 2016 | 05:41 Uhr

Prävention in der Prignitz : Wenn Täter ihre Opfer treffen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mehrfachtätern bieten Polizei und Einrichtungen verschiedene Hilfsmaßnahmen an / Prignitz bildet keinen Schwerpunkt

Die geplante gemeinsame Unterbringung von polizeiauffälligen Kindern und Jugendlichen mit Lehrlingen, Flüchtlingskindern sowie sozialpädagogisch betreuten Kleinkindern in Pritzwalk hatte in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses für Diskussionen gesorgt. Die Kernfrage lautete: Ist das pädagogisch wirklich sinnvoll?

Die Polizei kommentiert diese Pläne nicht. Das sei nicht ihre Aufgabe, erklärt Pressesprecher Toralf Reinhardt. „Wir müssen mit den Gegebenheiten vor Ort leben, haben darauf auch keinen Einfluss“, sagt er. Jugendliche Intensiv- bzw. Mehrfachtäter hingegen bilden einen Schwerpunkt in der Polizeiarbeit. Fälle gibt es auch in der Prignitz.

Bei zehn und mehr Taten innerhalb eines Jahres spricht die Polizei von Intensivtätern. „Was darunter liegt, sind Mehrfachtäter“, erklärt Bodo Ewert den Unterschied. Er ist im Direktionsbereich Nord der Fachverantwortliche für Jugendkriminalität. Die Prignitz sei aber kein Schwerpunkt.

„Im Jahr 2014 hatten wir sechs Intensiv- und 16 Mehrfachtäter. Im Jahr darauf sanken die Zahlen auf drei und 13“, so Ewert. Für dieses Jahr sind bisher neun Mehrfachtäter ermittelt, fünf von ihnen leben in Wittenberge, je zwei in Perleberg und in Pritzwalk.

Ihre Delikte seien unterschiedlich. Ladendiebstahl, Fahren ohne Führerschein, Körperverletzung gehören dazu. Auch rechte Delikte wie Parolen und Schmierereien. „Unser Ziel ist es, eine kriminelle Laufbahn zu vermeiden“, sagt Bodo Ewert. Dazu zähle Aufklärung: Was passiert, wenn du das machst. Es gibt Anti-Gewalttraining, soziale Stunden, psychologische Betreuung. Polizei, Justiz und Jugendamt würden eng zusammenarbeiten.

Eine bewährte Methode sei der Täter-Opfer-Ausgleich. Beide Seiten müssen dem zustimmen, aber die Erfolge seien oft nachhaltig. Wenn Jugendliche der Oma gegenübertreten, der sie die Handtasche geklaut haben, seien interessante Reaktionen zu beobachten. Als mögliche Strafe können beide Parteien gemeinsam Maßnahmen absprechen, beispielsweise Hilfe im Garten oder im Haushalt. „Solche freiwilligen Vereinbarungen haben häufig einen positiven Einfluss auf das Strafmaß, wenn es zu Verhandlungen kommt“, weiß Toralf Reinhardt.

Als hilfreich in der Arbeit mit Jugendlichen erweisen sich regelmäßige Kontakte zum polizeilichen Sachbearbeiter oder Revierpolizisten. Die Praxis zeigt, dass Jugendliche versuchen, zunächst alles abzustreiten. Wenn sie aber ihren Gegenüber kennen, „baut sich so etwas wie ein partielles Vertrauensverhältnis auf“, erklärt Toralf Reinhardt.

In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um heranwachsende Männer. 70 Prozent betrage ihr Anteil, verweist Reinhardt auf bundesweite Statistiken. Keine verlässlichen Studien gibt es darüber, wie viele jugendliche Intensivtäter dauerhaft kriminell werden. Das jeweilige Lebensumfeld, der Lebenspartner und auch der Wohnort hätten Einfluss darauf.

 

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erstellt am 29.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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