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Der Prignitzer

07. Dezember 2016 | 13:27 Uhr

Nur noch fürs Sparschwein gut? : Wenn das Kleingeld verschwindet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Münzgeldannahme und -ausgabe lohnt sich kaum / Sparkasse und VR-Bank wollen daran festhalten

Das Kleingeld wird immer mehr aus dem Geschäft der Banken und Sparkassen verdrängt, auch in der Prignitz. Der Grund ist, dass das Geschäft mit den kleinen Beträgen immer aufwendiger wird, sich also für die Geldhäuser kaum noch lohnt. Zudem hat die Bundesbank mit einer Verordnung die Regeln zum Münzrecycling verschärft.


„Kleinvieh“ macht immer weniger Mist


Natürlich nehme man weiterhin in allen Geschäftsstellen kleine und große Münzgeldbeträge von den Kunden an, erklärt Helge Reiter von der Sparkasse Prignitz. Damit sei aber ein erheblicher Aufwand verbunden. Dies vor allem durch die in den vergangenen Jahren gestiegenen Anforderungen der Bundesbank an die Ablieferung und Aufbereitung. „Damit sind auch die Verwaltungskosten sprunghaft angestiegen“, so Reiter. Aufgrund dieser ablauftechnischen Restriktionen, bei denen es um Fragen von der Fälschungssicherheit bis zur Abwicklung geht, suchen sich manche Banken mittlerweile Dienstleister für die Kleingeldverwertung. Derzeit unterhält die Sparkasse Prignitz drei Münzzählmaschinen in den Geschäftsstellen Pritzwalk, Perleberg und Wittenberge, an denen Privatkunden ihr Sparschwein entleeren können. „Wir gehen davon aus, dass schätzungsweise mindestens 25 Tonnen Münzgeld bei uns pro Jahr abgeliefert werden. Die Bearbeitung des Kleingeldes kostet Geld“, so Helge Reiter. Grundsätzlich habe die Sparkasse daher ein Interesse daran, den Münzgeldumlauf zu verringern. Maßnahmen, wie höhere Entgelte, werde es deshalb aber nicht geben.

Die Prignitzer VR-Bank unterhält im Kreis Münzzählautomaten in Pritzwalk und Perleberg, die Annahme und Ausgabe sei aber genauso an jedem Schalter in den Geschäftsstellen möglich, sagt Ronny Löwe vom Geldinstitut. Die VR-Bank rechnet für das gesamte Haus im Jahr mit einem Münzaufkommen von zwei Millionen Euro. Das seien hochgerechnet ungefähr 100   000 Rollen an Kleingeld. Lohnt sich die Bearbeitung dieser Mengen? „Wirtschaftlich rentabel sind Bargeldprozesse allein betrachtet nicht. Es ist eine Serviceleistung für unsere Kunden. Immer problematischer und kostenintensiver sind die steigenden bürokratischen Anforderungen“, klagt auch Ronny Löwe.


Keine Gebührenerhöhung


Da es sich um eine Grunddienstleistung handele und sich andere Kreditinstitute ohnehin zunehmend aus der Region zurückziehen, könne man mit Gebührenerhöhungen nicht auch noch den Service schrittweise reduzieren. Aktuell sind keine Gebührenerhöhungen im Kleingeldverkehr geplant. „Die Großbanken haben sich im großen Stil schon vom Bargeldgeschäft verabschiedet“, schätzt Löwe ein und ergänzt, dass er dieses Aufgabenfeld für wichtig hält. Eine Möglichkeit, wie der Einzelhandel darauf reagiert und das Geschäft mit den Centbeträgen reduziert, sind etwa runde Preise. In Holland seien die geraden Beträge gang und gäbe, sagt Albertje-Henriette Schaub-Mooi von der Chocolaterie Albertje in Wittenberge. „Ich war gerade erst letzte Woche in Holland und wollte einen ungeraden Betrag mit kleinen Centstücken bezahlen. Da rechnen viele Kassensysteme die Beträge automatisch runter.“ Sie selber mache eher ungerade Preise. „Ich weiß auch nicht warum, es ist hier einfach üblich. Außerdem geht der Preis bei mir nach Gewicht. Und man denkt immer auch, dass 3,95 nicht so teuer klingt wie vier Euro.“ Für ihre kleine Schokolaterie lohne sich zudem ein Kartenzahlsystem nicht, dafür entstünden ganzjährig Kosten, es rechnet sich kaum. Die Kunden müssen ihren Einkauf so immer bar zahlen. Eine Abschaffung des Kleingelds? „Das wäre für mich nicht so gut“, so Schaub-Mooi. Etwas anders in der Tabakbörse Fürst am Bismarckplatz. „Die Centstücke können sicher weg, die kosten in der Herstellung doch bestimmt mehr als sie Wert sind. Und oft bleiben sie im Portmonee, man gibt sie nicht aus oder die Kunden haben keine Zeit, die kleinen Beträge rauszusuchen“, sagt Nadine Neumann, während ein Kunde gerade mit Karte zahlt.


Das Ende für die Spendendose?


Die Tradition mit der Spendendose im Kassenbereich könnte so ein jähes Ende finden. In der Zoohandlung von Sabine Kardel in der Wittenberger Wilhelmstraße stehen auch immer Sammeldosen, für den Hundehof Dergenthin und die Hundehilfe Groß Lüben.

Erst im September hatten Diebe die zwei Sammeldosen entwendet. „Da war schon Einiges drin, auch 20- und 50-Centstücke“, sagt die Händlerin. Kunden werfen öfter nach dem Bezahlen kleine Wechselgeldbeträge in die Spendendosen für den guten Zweck. Das würde beim Wegfall des Kleingeldes nicht mehr funktionieren, so Kardel.

 


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erstellt am 21.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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