zur Navigation springen

Der Prignitzer

04. Dezember 2016 | 19:22 Uhr

Vor 100 Jahren brennt der Turm

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Hobbyhistoriker Jens Nering hat in einer Broschüre dieses Thema aufgegriffen, unterlegt mit historischen Fotos und Dokumente

Am 27. November 1916 vernichtete ein verheerender Brand den Kirchturm und die fünf bronzenen Glocken. Dieses Ereignis vor genau 100 Jahren hat der Hobbyhistoriker Jens Nering aufgegriffen in seiner nunmehr 5. Broschüre zur Perleberger Geschichte. Und dabei offeriert er Interessantes, was bis dato weniger in der Öffentlichkeit stand. So auch eine Reihe von Ansichten des Kirchturmes. „Wie jener allerdings anfangs mal ausgesehen hat, das kann auch ich nicht belegen. Dazu müsste man ein Abbild aus dem Jahre 1293 haben – wahrer Goldstaub wäre das“, fügt er schmunzelnd an.

Immer wieder wurde an Turm und Kirche gebaut. 1851 beauftragten Stadt und Kirche den Geheimen Oberbaurat Stüler, der sich mit dem Neubau des Rathauses bereits einen ehrbaren Namen in der Stadt gemacht hatte, mit der Sanierung von Gotteshaus und Turm. Damit bekam das Kirchturmdach eine Laterne. Die eigentlichen Arbeiten wurden von Perleberger Handwerkern ausgeführt. Die Turmspitze ist von Ratszimmermeister Stoßfalk, sein Sohn legte dabei die Meisterprüfung ab. Und sie waren es auch, die nach dem großen Brand die Überreste, wie Kugel und Hahn, einsammelten, die erst im Rathaus und heute im Stadt- und Regionalmuseum aufbewahrt werden.

Kurz nach 7 Uhr stürzt der Turm ein, wobei er das Kirchendach durchschlägt und das Gebälk entzündet. Um 11 Uhr ist der Brand gelöscht. Der Bericht der Perleberger freiwilligen Feuerwehr lässt erahnen, mit welchem Einsatz, ja nahezu lebensmüde die Kameraden den Kampf gegen die Flammen führten. Von den Fenstervorsprüngen im Turm aus versuchten sie zu löschen, über eine mechanische Leiter stiegen sie ins Kirchenschiff, um ein Übergreifen des Feuers zu verhindern. Einige Kameraden wurden dabei verletzt, lebensbedrohlich aber offensichtlich niemand.

Dachstuhl und Kirchenschiff konnten gerettet werden, der Turm brannte vollständig aus. Die Brandursache blieb allerdings ungeklärt.

Interessant auch der Fakt: Bereits 1916 hatte Perleberg eine Jugendfeuerwehr. Auch sie war im Einsatz, sperrte den Brandherd ab. Ebenso wurde die Garnison zur Brandbekämpfung alarmiert.

Der Kirchturmbrand war zweifelsohne der schlimmste seit gut 100 Jahren. „Immer wieder brannte es in der Stadt, gingen Scheuen in Flammen auf. Doch nach dem Brand 1807, wo das Viertel Markt- und Heilige-Geist-Straße in Rauch und Asche aufgingen, war der Kirchturmbrand der verheerendste“, so der Hobbyhistoriker. Ihn zu löschen, sei zudem eine Herausforderung gewesen aufgrund der Enge durch die Bebauung und die Höhe. Die Bewohner des Kirchplatzes mussten ihre Häuser verlassen. Es bestand die Gefahr, dass herabstürzende Teile ihre Häuser treffen können, das Feuer sich so noch ausbreiten könnte.

Auf 48 Seiten, unterlegt mit vielen historischen Abbildungen und Dokumenten, hat Jens Nering einen kleinen Abriss, wie er sagt, zusammengestellt, über das Großereignis jener Tage, das heute noch die Perleberger beschäftigt. Denn in alter Schönheit soll die Turmspitze samt Geläut nun wiederentstehen. Einher damit gehen muss die komplette Sanierung des Holztragwerks, all das hat sich der Förderverein Kirchturmspitze auf die Fahnen geschrieben. Nicht von ungefähr endet Jens Nering mit den Worten: „…der Turm braucht dringend Hilfe, damit die Glocken nie verstummen.“

Fündig wurde der Hobbyhistoriker bei seinen Recherchen im Stadt- und Regionalmuseum „und ich konnte auf eine Vielzahl von Abbildungen zurückgreifen, die ich durch den Ankauf eines Albums erhielt“. Die Broschüre, die in einer Auflage von 100 Stück im Eigenverlag erschienen ist, gibt es in der Stadt-Info, in der Buchhandlung „Kapitel 15“ und im Salon Nering.  

zur Startseite

von
erstellt am 25.Nov.2016 | 09:09 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen