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Der Prignitzer

09. Dezember 2016 | 12:40 Uhr

Kreis begrüßt Auszubildende : Von Südeuropa in die Prignitz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im September nahmen 24 junge Leute aus anderen europäischen Ländern einen Ausbildungsplatz im Kreis an

Sie kommen aus Spanien, Griechenland, Kroatien und Ungarn, leisten einen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Prignitz: Die 24 jungen Auszubildenden, die in diesem Jahr über das MobiPro-EU-Projekt einen Ausbildungsplatz in der Prignitz angenommen haben und gestern in der Kreisverwaltung von Arbeitsagentur, Landkreismitarbeitern und dem staatlichen Schulamt begrüßt wurden.

Die meisten haben vor Antritt ihrer Ausbildung in ihren Heimatländern monatelang Deutsch gepaukt und in Deutschland schon ein Praktikum in ihrem Ausbildungsbetrieb gemacht. In ihren Heimatländern herrscht mitunter eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Beschäftigungsverhältnisse sind unsicher oder die Ausbildung kostet viel Geld. Viel haben sie also hinter sich gelassen, viel liegt noch vor ihnen.

Gute Erfahrungen bisher hat Patricia aus Barcelona gemacht. Bereits vor einem Jahr kam die heute 22-Jährige in die Prignitz, absolviert jetzt im zweiten Lehrjahr ihre Ausbildung im Neuen Hennings Hof. „Deutsch ist sehr schwer, aber wir haben es geschafft“, berichtet sie im Gespräch mit Karin Sitter. Der Austausch ist wichtig, auch Probleme müssen angesprochen werden, denn wenn etwas klemmt oder das Heimweh zu groß wird, brechen auch ausländische Azubis ab. Heimweh kennt auch Patricia. Aber zwei bis dreimal im Jahr fliegt sie gen Süden, auch ihre Mutter kam sie schon zwei Mal besuchen. Mittlerweile habe sie sich gut eingefunden, so Patricia. „Unsere Lehrer am Oberstufenzentrum in Wittenberge benutzen einfachere Worte, reden langsamer. Von Woche zu Woche versteht man immer mehr.“

Einer der Neuprignitzer ist Cristian aus Spanien, der jetzt Hotelfachmann wird und dem die Arbeit gut gefällt. Natürlich hat man auch mal Freizeit und die gestaltet Cristian genauso wie andere Altersgenossen. „Ich spiele in meiner Freizeit gerne mit meiner Playstation3, besonders Fußball.“ Seine Mannschaft ist klar: Real Madrid.

Christian Müller, Beigeordneter des Landrates, bemerkte in seiner Einführung: „Wir haben in diesem Jahr unser Ziel nicht erreicht, alle Ausbildungsplätze im Landkreis zu besetzen. Deswegen ist dieser Weg absolut der richtige.“ Zugleich ermutigt Müller, zu einem toleranten Umgang in Bezug auf die kulturellen Unterschiede.

Dass der Start für die jungen Leute auch schwierig ist, weiß Karin Sitter von der GiB. „Eltern, Freunde, der Sport, diese Standbeine haben viele der jungen Leute hinter sich gelassen. Wir helfen ihnen, diese Netze wieder aufzubauen.“


Ende des Projekts schon besiegelt


Der aktuelle Jahrgang wird aber zugleich auch der letzte sein, kündigte Ina Kaiser-Hagenow von der Agentur für Arbeit in Perleberg gestern an. Das Bundeskabinett hat in diesem Jahr beschlossen, das Projekt nicht weiter zu fördern. Um seinen Ausbildungsplatz müsse aber keiner der jungen Leute fürchten. „Wir werden die Ausbildungen ganz regulär und vernünftig bis zum Ende begleiten“, so Kaiser-Hagenow.

Ausbildung, Betreuung und Sprachkurse werden von der Bundesagentur für Arbeit finanziert und betreut, Projektträger des Programms in der Prignitz sind die Gesellschaft für innovative Beschäftigung (GiB) aus Ludwigslust und die Bildungsgesellschaft Pritzwalk. In zehn verschiedenen Betrieben findet der praktische Teil statt, so unter anderem im KMG-Seniorenheim Pritzwalk, bei Vion Perleberg, Meyenburger Elektrobau und dem Forsthotel Hainholz. Alles in Branchen, die den Fachkräftemangel deutlich spüren und immer häufiger vergeblich um Azubis werben.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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