zur Navigation springen

Der Prignitzer

27. März 2017 | 20:30 Uhr

Bad Wilsnack/Weisen : Torsten Jacob wird Amtsdirektor

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Leiter des Stadtbetriebes Lenzen mit acht von zehn Stimmen gewählt / Erneut Kritik am Verfahren / Kommunalaufsicht gibt keine Auskunft

Wenn bei der Wahl des neuen Verwaltungschefs im Amt Bad Wilsnack/Weisen für die zahlreichen Zuschauer überhaupt etwas eindeutig war, dann das Ergebnis: Torsten Jacob, bislang Leiter des Stadtbetriebes in Lenzen, erhielt acht von zehn abgegebenen Stimmen. Sofern kein Widerspruch gegen die Wahl eingeht, wird Jacob ab dem 1. November als Hauptverwaltungsbeamter die Beschlüsse der Gemeindevertretungen und der Bad Wilsnacker Stadtverordnetenversammlung umsetzen.

Dem Ergebnis war eine Ausschusssitzung vorausgegangen, in der vor allem in ihrer Anfangsphase die Strittigkeit des gesamten Wahlprozederes noch einmal kumulierte. Zunächst informierte der Amtsausschussvorsitzende Dietrich Gappa über ein Schreiben der Gemeindevertretung Rühstädt. Auf ihrer Sitzung am 27. Mai hatte sie den Beschluss gefasst, den Amtsausschuss über eine Verschiebung der Wahl abstimmen zu lassen. Damit sollte die Entscheidung auf den neuen Amtsausschuss übergehen. Mit Verweis auf ein Schreiben der Kommunalaufsicht, in dem keine Bedenken zum laufenden Verfahren geäußert worden seien, gab Gappa den Antrag nicht zur Abstimmung, was bei zahlreichen Besuchern im Zuschauerraum für Kopfschütteln sorgte.

In der Einwohnerfragestunde ergriff Bernd Polte als Gemeindevertreter Rühstädts das Wort und wies auf die aus seiner Sicht mangelhafte Kommunikation der Wahlprozedur hin, wodurch den Abgeordneten die Chance verwehrt worden sei, rechtzeitig Widerspruch beim Amtsausschuss einzulegen. Nachdrücklich bat er den Vorsitzenden, den Antrag wenigstens zur Abstimmung zu stellen. Gappa indes blieb hart. David Leu, künftig Bürgermeister in Weisen, hakte nach, wieviele Bewerbungen auf die Stelle eingegangen seien und ob es eine Vorabstimmung im nichtöffentlichen Teil der Ausschusssitzung vom 13. Mai gegeben habe. Gappa antwortete, dass sich zehn Interessenten beworben hätten, von denen fünf als geeignet erachtet und zur Vorstellung eingeladen worden seien. Eine Probeabstimmung habe es nicht gegeben.

Nach einigen Zwischenrufen, die vom Ausschussvorsitzenden mit Verweis auf die Geschäftsordnung ignoriert wurden, bekamen die fünf Kandidaten die Chance, sich vorzustellen. Neben einem Polizeibeamten aus Berlin und einem Verwaltungsmitarbeiter aus Neuruppin hatten sich außer Torsten Jacob auch Mario Dahse, Gemeindevertreter aus Weisen, und Gerald Neu, amtierender Leiter des Wilsnacker Ordnungsamtes, beworben. Die Wahl selbst ging dann reibungslos über die Bühne.

Torsten Jacob freute sich sichtlich über das Ergebnis. „Jetzt, wo meine beiden Kinder aus dem Haus sind, es familiär etwas ruhiger geworden ist, möchte ich eine neue Herausforderung angehen, und der Posten des Amtsdirektors in Bad Wilsnack reizte mich sehr. Ich danke dem Ausschuss für das Vertrauen.“ Der gebürtige Thüringer wohnt in Lenzersilge und ist seit 30 Jahren in der Prignitz heimisch. Nach einer Ausbildung zum Forstfacharbeiter und einem Studium der Forstwirtschaft absolvierte Jacob ein Referendariat im Verwaltungsdienst des Landes Brandenburg, das er als Assessor abschloss. Seit 18 Jahren ist er Leiter des Stadtbetriebes Lenzen.

So stürmisch es im Vorfeld der Wahl zugegangen war, so versöhnt schienen einige mit ihrem Ausgang. „Die Wahl ist eindeutig ausgefallen, das ist so zu akzeptieren“, kommentierte Jürgen Herper, scheidender Bürgermeister aus Rühstädt, und verwies darauf, dass der Ausschussvorsitzende den Antrag durchaus zur Abstimmung hätte geben können. „Er wäre wahrscheinlich negativ beschieden worden, so hätte sich am Wahlausgang nichts geändert.“ Ob Rühstädt die Kommunalaufsicht anrufen und um eine Prüfung des Verfahrens bitten werde, ließ Herper offen. „Das muss die neue Gemeindevertretung entscheiden.“ Aus Weisen ist ähnliches zu hören. „In der konstituierenden Sitzung werden wir darüber beraten, ob wir das Ergebnis so akzeptieren“, sagte David Leu.

Die Kommunalaufsicht konnte gestern keine Auskunft darüber geben, ob der Rühstädter Antrag hätte zur Abstimmung kommen müssen oder nicht, da derartige Fragen nicht in der Brandenburgischen Kommunalverfassung, sondern in den Satzungen der Ämter geregelt seien.

 

Kommentar

Gappa hat fertig

Das Positive gleich vorweg: Die Wahl ist eindeutig ausgefallen. Acht von zehn Stimmen sprechen eine deutliche Sprache. Auch kommt der designierte Amtsleiter nicht aus Bad Wilsnack,  der Klüngel-Verdacht entfällt also. Dennoch bleibt erneut ein fader Beigeschmack. Vielleicht war es rechtens, den Antrag aus Rühstädt abzulehnen, diplomatisch war es ganz sicher nicht – zumal in der Basta-Art, wie Ausschussvorsitzender Gappa es tat. Respekt gegenüber langjährigen Gemeindevertretern und Ausschussmitgliedern sieht eindeutig anders aus. Der Ton macht auch hier die Musik.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Jun.2014 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen