zur Navigation springen

Historisches Wittenberge : Süßes aus der Bonbonfabrik

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im zukünftigen SOS-Kinderdorf wurden bis 1959 Pralinen, Lutschzeug und Drageebohnen hergestellt

Von einer Bonbonfabrik zu einem SOS-Kinderdorf: Das 1903 errichtete Gebäude an der Ecke von Bürgermeister-Jahn- und Schillerstraße hat eine ebenso interessante Geschichte hinter wie vor sich.

Auch wenn das Haus mit seiner Fassade im Gründerzeitstil es nicht deutlich macht, es handelt sich um eine ehemalige Fabrik, in der sich im Obergeschoss auch Wohnungen befanden. Hinter den Mauern der Schillerstraße 1 wurden bis 1959 Süßwaren made in Wittenberge hergestellt.

Stadtgeschichtler Heinz Muchow hat sich intensiv mit der Historie des Hauses und damit auch mit den Menschen befasst, die dessen Geschichte bestimmten. Obwohl alten Wittenbergern der Begriff Witte’sche Bonbonfabrik noch ein Begriff sein dürfte, muss man sagen, dass dort nicht allein Süßes zum Lutschen hergestellt wurde. Die Firma trug die Bezeichnung „Eduard Witte’s Söhne G.m.b.H.“ - Bonbon-, Schokoladen-, Honigkuchen- und Zuckerwarenfabrik. Es ist also davon auszugehen, dass die Produktionspalette wesentlich breiter war. Außerdem schmückten sich Wittes mit dem Titel Hoflieferant, boten sich aber trotzdem auch als billige Bezugsquelle für Händler auf Schützenfesten, Oster- und Weihnachtsmärkten an.

Im Stadtarchiv im Rathaus bewahrt dessen Chefin Susanne Flügge eine Art Pralinenschachtel auf. Der Aufschrift ist zu entnehmen, dass in der Schillerstraße 1 auch Fondant-Pralinen hergestellt wurden. Die Verpackung ist ein Fund aus den zurückliegenden Jahren, als die WGW das Gebäude entkernte, um es für die Zukunft zu sichern. Bekannt waren in der Stadt und in der Region auch die MOKINA Drageebohnen mit Zuckerkruste und einer Füllung, die leicht nach Kaffee schmeckte.

Aber zurück zu den Anfängen. Die Errichtung der Fabrik fällt in eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte von Wittenberge. Erinnert sei nur an die Errichtung des Nähmaschinenwerks zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Eduard Witte, geboren 1839, gilt als Gründer der Bonbon-, Scbokoladen- und Zuckerwarenfabrik. Offizielles Gründungsdatum ist 1873.

Muchow schreibt in seinem Heft über die Süsswarenfabrik, dass mit Fertigstellung des Fabrik- und Wohngebäudes Schillerstraße 1 im September 1903 dort auch ein Ladengeschäft eröffnet wurde. Die Firma trug die Bezeichnung „Eduard Witte’s Söhne G.m.b.H.“ - Bonbon-, Schokoladen-, Honigkuchen- und Zuckerwarenfabrik. Die Inhaber waren der Kaufmann Eduard Kaufmann, Karl und Alfred Witte. Später war Karl Witte der alleinige Inhaber. Bei seinem Tod 1946 führte dessen Ehefrau in wirtschaftlich sehr schwieriger Zeit die Geschäfte weiter. Muchow zitiert die „Tägliche Rundschau“, die am 21. Mai 1946 schrieb: „Seit Beendigung des Nazikrieges ruhte in Wittenberge der Betrieb Eduard Witte, der zu den größten Zuckerwarenfabriken der Provinz Mark Brandenburg gehörte. Nunmehr wurde die Fabrik wieder in Gang gesetzt. Wenn es die wirtschaftlichen Verhältnisse später erlauben, will man auch zur Schokoladen- und Pralinenfabrikation übergehen.“ Am 31. März 1959 stellte die Firma ihre Produktion ein.

Zu DDR-Zeiten nutzte das Dienstleistungskombinat die unteren Räumlichkeiten. Dort befand sich auch eine Dekorationsabteilung mit Ladengeschäft. Mit der Wende begannen Leerzug und Leerstand.

 

zur Startseite

von
erstellt am 14.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen