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Der Prignitzer

05. Dezember 2016 | 05:21 Uhr

Plan in Wittenberge : Stadt verzichtet auf Obdachlosenhaus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Menschen sollen künftig von Awo betreut werden / Beschluss steht noch aus

Die Stadt will sich von ihrer Obdachlosenunterkunft trennen. Nach mehr als vier Jahren diskutieren, überlegen, abwägen und verwerfen steht dazu jetzt die Entscheidung an. Statt die Menschen ohne Bleibe in Wittenberge unterzubringen, werden sie künftig in Groß Pankow wohnen. So der Plan, wenn die Stadtverordneten ihre Zustimmung geben. Der Sozialausschuss hat am Montagabend das Vorhaben bereits gut geheißen. Denn es gehe, wie Waltraud Neumann als stellvertretende Bürgermeisterin und Hauptamtsleiterin erläuterte, mit der angestrebten Lösung um viel mehr, als die reine Unterbringung von obdachlosen Menschen.


Prävention und Wiedereingliederung


Die Stadt will einem 1999 von einigen Gemeinden und Städten sowie der Awo gegründeten Trägerverbund beitreten. Dieser Verbund hat sich die Obdachlosenbetreuung und die präventiv aufsuchende Sozialarbeit zur Aufgabe gemacht.

Die Prignitzer Arbeiterwohlfahrt übernimmt dabei alle mit der Obdachlosigkeit in Zusammenhang stehenden Aufgaben wie Unterbringung, vorbeugende Maßnahmen, damit es gar nicht erst zum Verlust der Wohnung kommt, und die Wiedereingliederung in das normale Leben, erläutert Awo-Geschäftsführerin Heike Schulz. „Wir sind quasi der Dienstleister für die Kommunen, und zwar ein sehr engagierter“, sagt Schulz.

Diese Prävention und die mögliche Wiedereingliederung, das sind nach den Worten von Waltraud Neumann wichtige Beweggründe, Mitglied im Trägerverbund zu werden. Denn diese Aufgaben könne und wolle die Kommune nicht leisten. Warum das so ist, hinterfragte keiner der Abgeordneten im Sozialausschuss.

Der Awo-Geschäftsführerin Heike Schulz war im Gespräch mit dem „Prignitzer“ die Feststellung sehr wichtig, „dass unsere Hauptarbeit darin besteht, Obdachlosigkeit zu vermeiden, Menschen, die ihre Wohnung verloren haben, wieder in einen normalen Alltag zu integrieren.“ Schulz sagt, dass, sollten Wittenberge und auch Perleberg dem Trägerverbund beitreten, eine personelle Aufstockung erfolgt, eben um diese Aufgaben weiterhin engagiert zu erfüllen.

Zu jenen die überzeugt sind, „dass wir den richtigen Schritt tun“, gehört Wolfgang Strutz (Linke). Als vor Jahren die Idee aufkam, die städtische Obdachlosenunterkunft zu schließen und die Menschen statt dessen in Groß Pankow unterzubringen, „hatte ich so meine Zweifel“. Vom Gegenteil überzeugt habe ihn ein Vor-Ort-Termin, bei dem sich der Sozialausschuss der vergangenen Legislaturperiode in Groß Pankow umfassend informiert habe.

In der Obdachlosenunterkunft in Groß Pankow stehen 13 Plätze zur Verfügung. Das Haus sei nicht voll belegt, sagt die Awo-Geschäftsführerin. Sie sieht deshalb keine Probleme, wenn Menschen aus Wittenberge oder auch Perleberg aufzunehmen seien.


Vor-Ort-Termin in Groß Pankow


Die Obdachlosenunterkunft hier in Wittenberge verfügt über 24 Plätze. Das Haus sei überdimensioniert, schätzte die Hauptamtsleiterin auf der Sozialausschusssitzung ein. Abgesehen von einigen Übernachtungen, die sich übers Jahr ergeben, leben in der Unterkunft derzeit zwei Männer – einer seit zirka drei Jahren, der zweite Bewohner seit zirka acht Jahren.

Was geschieht mit diesen Menschen, müssen sie nach Groß Pankow umziehen, wenn die Stadt dem Trägerverbund beitritt?

Auch das war am Montagabend ein Thema. Und wie sich zeigte, lässt die Frage sich nicht einfach beantworten. „Denn ein Umzug beruht auf Freiwilligkeit“, sagte Waltraud Neumann. Die Männer können nicht gezwungen werden, von der Stadt aus ihrem gewohnten Umfeld wegzuziehen in die Einrichtung auf dem Dorf. Waltraud Neumann sagt: „Das wird ein Prozess, der nicht so einfach ist.“ Einen Interessenten für den Kauf des Hauses, in dem sich jetzt noch die Obdachlosenunterkunft befindet, soll es schon geben.  

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erstellt am 16.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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