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Der Prignitzer

09. Dezember 2016 | 04:58 Uhr

Sophie will leben : Sie alle helfen Sophie

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Pritzwalk lassen sich 486 Knochenmarkspender registrieren. Freunde, Bekannte und Fremde drücken Sophie die Daumen

Sophie will leben und seit Samstag sind ihre Chancen auf eine Heilung gestiegen: 486 potenzielle Knochenmarkspender ließen sich am Aktionstag in der Sporthalle des Gymnasiums registrieren. Zusätzlich kamen 3148 Euro an Spenden zusammen, informiert Benjamin Lieb von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS).

„Sophie hatte bei mir Unterricht, im März sprach ich mir ihr auf dem Absolvententreffen“, sagt Doritha Rohde. Da war alles noch in Ordnung, sie hatte ihren Bachelor gemacht, wollte mit der Masterarbeit beginnen. Sophie sei ein tolles, lebensfrohes Mädchen, „eine Frau, die in die Welt passt“, ergänzt Doreen Werger.

Als sie von ihrer Krankheit erfahren hatte, haben sie sich zusammen mit Kollegen und Schülern sofort engagiert, denn jeder Tag zählt. Sophie leidet an einer sehr seltenen, lebensbedrohlichen Bluterkrankung. Nur mit einer Stammzellentherapie wäre Heilung für sie noch möglich.

So wie Doritha Rohde und Doreen Werger sitzen heute viele Lehrer und Schüler in der Halle. Der Ablauf ist gut durchorganisiert. Peggy Kuschinski hat gerade ihre persönlichen Angaben ausgefüllt. „Man kann doch selbst in so eine Situation geraten und hofft dann darauf, dass Andere einem helfen werden“, sagt sie. Mit dem ausgefüllten Papier geht sie zur Blutabnahme. Ausreichend Schwestern und Ärzte aus dem benachbarten KMG-Klinikum nehmen fast im Minutentakt Blut ab.

„An einem Arbeitstag mache ich etwa sieben Blutentnahmen, heute hatte ich mit meiner Kollegin zusammen in der ersten Stunde schon 70“, erzählt Anna Lugowski. Sie hofft, dass sie auch in den kommenden Stunden keine große Pause hat, dass noch viele Menschen kommen.

Diese Hoffnung erfüllt sich und manchmal ist das Motiv ein sehr persönliches: „Schon vor drei Jahren wollte ich mich registrieren lassen, weil eine Freundin eine Knochenmarkspende benötigte. Doch dann wurde ich selbst krank. Kurz darauf starb das Mädchen mit nur 16 Jahren“, erzählt eine Frau. Auch Kerstin Noack-Pinnow hat einen guten Freund mit nur 45 Jahren verloren. Sie ist Ärztin, darf selbst kein Knochenmark spenden. „Ich habe heute keinen Dienst, also helfe ich hier.“

Erwin Voß wollte sich registrieren lassen, aber er ist schon zu alt. „Ich habe es geahnt, wollte es aber zumindest versuchen“, sagt er. Manche bringen gleich noch einen Kuchen mit. Auch Schüler und Eltern haben gebacken. „Niemand musste überredet werden, alle wollen helfen“, sagt Ines Dallmann, die den Aktionstag als Lehrerin mit vorbereitet hat.

Wenn so eine Initiative vor Ort gestartet wird, ist das viel erfolgreicher, als wenn wir als DKMS das machen würden“, sagt Christopher Krügelstein, DKMS-Mitarbeiter. Aber sie unterstützen das sehr gerne. 6,7 Millionen Spender stehen in ihrer Datei, 60000 Spender konnten bisher einem Patienten irgendwo auf der Welt helfen. „Im Durchschnitt sind das 18 pro Tag“, sagt Krügelstein.

Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 1:20 000, manchmal seien es mehrere Millionen und bei seltenen Gewebemerkmalen gibt es unter Umständen nur einen einzigen Menschen, der spenden könnte. „Der muss dann auch noch registriert sein.“ In Ulm gibt es ein zentrales Register, in dem alle Spender erfasst sind. Hier können Ärzte aus aller Welt anfragen. „Bei einem Treffer werden dann wir oder eine andere Datei informiert, erst dann rufen wir den Spende ran“, erklärt Benjamin Lieb das Procedere.

 

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erstellt am 09.Okt.2016 | 20:00 Uhr

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