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Der Prignitzer

03. Dezember 2016 | 07:45 Uhr

Restaurierung der Schilder Kirche : Särge sind fertig, die Kirche nicht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sanierung des Schilder Gotteshauses dauert länger und wird teuer als geplant / Historische Erdmöbel zurück in der Gruft

Es wird gesägt, gefräst und eingepasst, ein wenig unter Zeitdruck, gibt Eberhard Jirjahn zu, als er letzte Hand an einige historische Särge aus der Gruft der Schilder Kirche anlegt. Neun größere und fünf kleinere Särge befanden sich in den Gruftanbau. Als dieser in diesem Jahr geöffnet wurde, fand man sogar noch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg (wir berichteten).

Von den Särgen wurden allein sieben in der Cumlosener Tischlerei von Andreas Jirjahn wieder aufgearbeitet. „Das ist das Prunkstück“, sagt Eberhard Jirjahn. In der Meisterei seines Sohnes Andreas, die der Senior früher als Stellmacherei führte, schloss er in der vergangenen Woche die Arbeiten an einen mit Messing- und Bleibeschlägen verzierten alten Eichensarg ab. Es handelt sich um den der Anna Maria geborene von Grävenitz, Ehefrau des Johann Moritz von Schenck, so steht es auf der Bleiplakette an der Stirnseite geschrieben. Gestorben ist sie im Mai 1729. Die alte Schrift ist mit etwas Mühe ganz gut zu entziffern.

„Man interessiert sich schon ein bisschen dafür“, erzählt Eberhard Jirjahn, während er mit stoischer Ruhe Maße abnimmt. Es ist keine Restaurierung im eigentlich Sinne, erklärt der 76-Jährige. Denn es gehe vorrangig nur darum, die Särge wieder standsicher zu machen. Die fehlenden Teile werden durch genau eingepasste Lärchenholzteile ersetzt. So waren unter anderem der Boden und die Einlegefläche in dem alten Eichensarg weggefault. Eine Planke und das Kopfteil des Deckels hielten den Jahrhunderten in der Schilder Gruft nicht stand. „Kein besonders guter Zustand“, schätzt Jirjahn ein. Das alte, vermutlich gebeizte Holz ist schwarz, das Lärchenholz strahlt hellbraun. Es wird nochmals gebeizt, damit es sich besser in das Gesamtbild einfügt. Ein mulmiges Gefühl beschleiche ihn nicht bei der Arbeit, eher sei es Ehrfurcht dabei, wenn man bedenke, dass einmal jemand darin bestattet wurde.

„Ich selber habe so etwas noch nie gemacht. Wir hatten zunächst nur den Auftrag für die Fenster“, sagt der Senior und zeigt auf die Rahmen, die in der Werkstatt stehen. Sie müssen noch gestrichen und verglast werden. Alles in allem „eine interessante Herausforderung“. Mit Beginn dieser Woche haben die historischen Särge aus der alten, früher fast verfallenen, aber wieder restaurierten Gruft der Schilder Kirche wieder an ihrem historischen Standort Platz gefunden. Damit geht die Erneuerung von Gebäude und Interieur voran.

Allerdings nicht ganz so schnell, wie noch im Sommer geplant, räumt Pfarrer Sacha Sommershof auf „Prignitzer“-Nachfrage ein. Man wollte Mitte November fertig sein. „Aber wir werden die Kirche dieses Jahr nicht mehr offiziell in Betrieb nehmen können. Der Gottesdienst zu Heiligabend ist allerdings trotzdem möglich, die Bauarbeiten werden noch in diesem Jahr weitestgehend abgeschlossen.“ So sei man bereits mit der Gebäudehülle fertig, der Turm steht wieder sicher, die fast verfallene Gruft restauriert.

Eine neue Turmkugel bekam die Kirche im Sommer.
Eine neue Turmkugel bekam die Kirche im Sommer. Foto: Carlo Ihde

Das Restauratoren-Ehepaar Ströbel aus Lübeck hat die Maßnahmen an den Särgen betreut. Die Gruft war ursprünglich vermauert, soll aber nicht mehr komplett verschlossen werden. „Auch der Sicherheit wegen wird sie innen mit einer Eisengittertür und von außen mit einer Eichentür versehen, man kann sie also wieder begehen“, erläutert Sommershof.

Gerechnet hatte man ursprünglich mit 220 000 Euro an Kosten, die für den Bauherrn - die Kirchgemeinde Schilde - anfallen und aus diversen Fördergeldern mitbestritten werden. Es könnten allerdings um die 60 000 Euro mehr werden. Der Grund: „Wir konnten vorher bei dem Turm nicht wirklich absehen, wie marode er war. Das hat uns sehr aufgehalten, obwohl er fast der neueste Teil der Kirche ist. Bei der Gruft wusste man vorher, dass das Dach gemacht werden muss“, sagt Sommershof.

Die Schilder Kirche ist das letzte größere Projekt des alten Kirchenkreises Prignitz. Sie besitzt als Gebäude eine große Relevanz, da es sich um eine der ältesten Kirchen der Region aus dem 13. Jahrhundert handelt. Auch die Mischung aus Feldstein- und Barockelementen sei recht besonders, so Sommershof. Die Einweihung wird im nächsten Jahr mit einer Feier verbunden.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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