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Der Prignitzer

29. Mai 2016 | 05:50 Uhr

Grabungen in Seddin : Reise zum Mittelpunkt des Hügels

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Archäologische Untersuchungen für 2014 enden morgen / Nächstes Jahr wollen Experten das Herzstück des König-Hinz-Grabes erforschen

Eines kann man bereits jetzt, kurz vor dem Ende der diesjährigen archäologischen Grabungen am Seddiner Königsgrab, vorweg nehmen: Es bleibt spannend. Schon allein deswegen, weil es 2015 wieder in die Tiefe gehen wird, und zwar dann gleich vier bis fünf Meter, was vorab im Herzstück des Grabhügels u. a. eine aufwändige Baugrunduntersuchung erfordert. „Wir haben zahlreiche Fragen an diesen Punkt“, sagte gestern Landesdenkmalpfleger Jens May bei einem Ortstermin.

Aber zurück in die Gegenwart: Drei Wochen lang wurden der Hügel bei Seddin und das unmittelbare Umfeld unter die Lupe genommen. Die Arbeiten, so Dr. Franz Schopper, Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege, und Referatsleiter Jens May, seien erkenntnisreich gewesen. Die Aufschlüsse stellen indes aber wieder neue Fragen, auf die die Forscher nun nach Antworten suchen. So ist beispielsweise eindeutig belegt, dass die riesige Menge des Bau- und Erdmaterials von insgesamt rund 16 000 Kubikmetern nicht aus der unmittelbaren Nähe stammt. „Wir fanden keinen umlaufenden Entnahmegraben“, konstatiert Jens May. Wie also haben unsere Vorfahren den Bau dann organisiert?

Näher untersucht hat man überdies die rund 290 Meter lange Steingrubenreihe entlang des Hügels. Eine in den Erdboden eingelassene Metalltafel gibt seit kurzem Auskünfte zu diesen unterirdischen Bauwerken, die, wie Jens May betont, keine Kochgruben seien und zeitlich (errichtet um 900 v. Chr.) in einem sehr engen Kontext zum Bau des bronzezeitlichen Grabhügels stünden. Was die mit Steinen vollgepackten Gruben und das Königsgrab tatsächlich verbindet – auch darüber kann man derzeit nur spekulieren, werde aber Antworten finden.

Die internationale Forschungskonferenz „Der Grabhügel von Seddin im Kontext der Bronzezeit in Norddeutschland und Südskandinavien“ hatte am 18. Juni Wissenschaftler aus Dänemark, Norwegen, Schweden und Deutschland in die Prignitz geführt (wir berichteten). Das internationale Interesse galt und gilt dem Königsgrab, das seit 2012 im Rahmen des Exzellenzclusters Topoi, einem Forschungsverbund der Freien Universität und der Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, untersucht wird. Diskussionen gab es bereits in der Juni-Konferenz zum Baumbestand auf dem Grabhügel. Archäologisch korrekt wäre ein komplettes Freilegen, damit der Hügel wieder so ein Monument wird, wie er es einstmals gewesen sei, machte Prof. Christian Christiansen von der Göteborger Universität deutlich. Die Wurzeln der Bäume würden das einzigartige Denkmal schädigen. Die Beschädigungen traten bei den diesjährigen Grabungen deutlich zu Tage. Ein weiteres Ausdünnen des Baumbestandes auf dem Hügel, so Ortrud Effenberger von der kreislichen Denkmalschutzbehörde, stehe durchaus zur Debatte. „Wir sind für den Schutz des Bodendenkmals verantwortlich“, bekräftigt sie. Gemeinsam mit der Gemeinde Groß Pankow bemüht sich der Landkreis auch um die touristische Vermarktung. Neben Infotafeln seien eine neue Zuwegung und eine Installation geplant, die künftig die riesige Dimension des Hinz-Grabes im Maßstab 1:1 zeigen soll.


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erstellt am 07.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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